Mit der Netphe Handys aufladen

örg Wieland (links) erklärt den Sohlbachern, wie ihr kleinstes Wasserkraftwerk der Welt funktioniert. Ursprünglich sollte es am Sohlbacher Weiher entstehen — die Idee ist noch nicht begraben.
örg Wieland (links) erklärt den Sohlbachern, wie ihr kleinstes Wasserkraftwerk der Welt funktioniert. Ursprünglich sollte es am Sohlbacher Weiher entstehen — die Idee ist noch nicht begraben.
Foto: Steffen Schwab
Das Dorf ist energieklug: Mit Hilfe der Uni Siegen lässt das Dorf die Netphe Strom erzeugen. Jetzt kann auf dem Dorfplatz sogar Radio gehört werden.

Netphen-Sohlbach..  LED-Lampen leuchten, ein Radio spielt, aus dem Schlauch oben vom Baum ­herunter tropft Wasser. Die Netphe kann was. 24 Wattstunden Strom hat das — schönwetterbedingt — nur tröpfelnde Rinnsal schon an einem Tag produziert. Mit dem „kleinsten Wasserkraftwerk der Welt“, sagt Prof. Dr. Jürgen Jensen, Leiter des Forschungsinstituts Wasser und Umwelt der Uni Siegen, dem „wahrscheinlich“ kleinsten. Auf alle Fälle aber einem der billigsten. 48 Euro hat die unauffällige Konstruktion am Abfluss des Kneipp-Tretbecken gekostet, „davon allein der Motor 35 Euro“, rechnet Dipl.Ing. Jörg Wieland vor, den Jensen als den „Daniel Düsentrieb“ seines Instituts vorstellt.

Sohlbach ist — neben Grund, Oberfischbach und Lippe — eines der vier „energieklugen“ Dörfer im Kreisgebiet. Lars Ole Daub, Projektmanager bei der Südwestfalenagentur, freut sich über die Präsentation kurz vor dem Abschluss des Drei-Jahres-Projekts mit den energieklugen Dörfern, das aus der Südwestfalen-Regionale hervorgegangen ist. „Das funktioniert nur, wenn man extrem engagierte Leute hat.“ Weil es, zumindest bei dem Mini-Kraftwerk, nicht ums Geld, sondern vor allem um Zeit ging.

Die Sohlbacher sind da, wenn auch nicht gleich alle 130. Sie haben Kaffee gekocht und Kuchen gebacken. Als Zaungäste haben sich die beiden Dorfesel Ritchie und Wally eingefunden, vor deren Augen sich schon die nächste Baustelle ausdehnt: der künftige Wasserspielplatz für Kinder. Mit einer Wasserwand. Die aus der Netphe gespeist wird. Mit Wasser, das sich selbst hochpumpt. Wozu ein Widder genügt, noch so eine unscheinbare Konstruktion mit einem ziemlich pfiffigen Ventil, das im richtigen Moment Druck macht. Ein starker Bach. Der Spielplatz? Kostet nicht mehr als normale Spielplätze auch, sagt Planungsamtsleiterin Marlene Krippendorf. „Hier wird viel selbst gemacht.“

Erste Station für einen Lehrpfad

Für Ortsbürgermeister Mike Klöckner ist die Infotafel mit den Lampen und dem Radio nur eine erste von mehreren Lehrstationen. „Ein Startschuss“, sagt der Schreiner, der den Lehrpfad gern fortsetzen möchte. Natürlich mit einer Station zum Thema Holz. Und einer über die Sonne. Lohnen würde sich auch ein Halt am Bürgerhaus: Das haben die Sohlbacher mit neuen Fenstern und neuer Heizung ausgestattet — um Energie zu sparen. Das Geld hat ihnen die Stiftung mit dem richtigen Namen gegeben: „Gut für Netphen.“

Abid Hasan, Mechatronik-Masterstudent, hat das kleine Kraftwerk zum Thema einer Studienarbeit gemacht. Ein Kommilitone wird das Ganze nun eine Nummer größer fortsetzen. Ein Kilowatt, rechnet Prof. Jensen vor, würde immerhin schon reichen, um ein Einfamilienhaus zu versorgen, ,,wenn man einen vernünftigen Speicher hat“. Wie das Akku hier an der Lehrtafel: Reicht, um ein halbes Dutzend leere I-Phones aufzuladen. Ein starker Bach. „I-A“, rufen Ritchie und Wally.

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Hintergrund

Für Prof. Dr. Jürgen Jensen steht fest: Wäre ein Bruchteil der Mittel für Wind- und Sonnenenergie in die Wasserkraft investiert worden, „wären wir mit der Energiewende heute deutlich weiter.“ Energie aus Wasser lasse sich heute gewinnen, ohne Flüsse und Seen aufzustauen. Und sie sei konstant verfügbar. „Alte Photovoltaikanlagen können gar nicht so viel Strom produzieren, wie zu ihrer Herstellung verbraucht wurde.“

 
 

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