Marode Straßen bringen Unternehmen im Siegerland unter Druck

Das Unternehmen Dango und Dienenthal mit Stammsitz in Siegen stellt als Maschinenbauer Großgeräte her. Die Auslieferung zum Kunden wird wegen maroder Straßen und Brücken immer schwieriger.
Das Unternehmen Dango und Dienenthal mit Stammsitz in Siegen stellt als Maschinenbauer Großgeräte her. Die Auslieferung zum Kunden wird wegen maroder Straßen und Brücken immer schwieriger.
Foto: Dango & Dienenthal
Schwertransporte stellen die siegerländer Unternehmen vor immer größere Probleme. Geeignete Routen sind schwer zu finden, Lösungen kaum in Sicht.

Siegen.. Feste Strecken für Schwertransporte und ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren für die Fahrten fordert das Siegener Maschinenbauunternehmen Dango und Dienenthal. Die maroden Straßen, die den Abtransport großer Teile und Geräte aus dem Siegerland heraus zur Sisyphosaufgabe machen, stellen die Wirtschaft vor immer größere Hürden. „Dauerhaft – mit dieser Straßensituation – wird es in der heimischen Region nicht funktionieren“, sagt Arno Dienenthal, Geschäftsführung.

Gibt es einen konkreten Anlass?

Dango und Dienenthal hat zum Gespräch am Siegener Firmensitz eingeladen, um einen aktuellen Fall vorzustellen. Ein 140-Tonnen-Bauteil eines Schmiedemanipulators konnte nur deshalb pünktlich nach Südkorea geliefert werden, weil sich die Montage kurzfristig in ein Unternehmen in den Niederlanden auslagern ließ. Vom Gelände an der Hagener Straße hätte sich kein Transportweg mehr finden lassen, um das fertige Teil letztlich an einen Nordseehafen zu bringen: Aus Rheinland-Pfalz kam der Hinweis auf Probleme mit zwei Bundesstraßen, dann aus NRW die Info über Schäden an der L719 in Deuz.

Am Ende lehnte der Landesbetrieb Straßenbau NRW den Antrag wegen statischer Probleme an der HTS-Talbrücke Weidenau, der Hangbrücke Eichenhang und vier weiteren Stellen außerhalb der Region ab. Laut Rainer Dango, ebenfalls Geschäftsführung, entstanden durch das Ausweichen auf den niederländischen Betrieb Mehrkosten von rund 40 000 Euro. Hinzu komme eine für die Region verlorene Wertschöpfung von mindestens 30 000 Euro. Hätten die niederländischen Kollegen nicht einspringen können, hätten empfindliche Vertragsstrafen bei Nichteinhaltung der Fristen gedroht.

Was ist neu an dem Problem?

Nichts – abgesehen davon, dass die Zeit gegen die Betroffenen spielt. „Es ist nicht so, dass die Firmen aus der Region in den letzten Jahren keine politischen Gespräche darüber geführt hätten. Die haben aber aus unserer Sicht zu nichts geführt“, sagt Dango. Das Unternehmen ist nicht das erste, das mit seinen Sorgen die Öffentlichkeit sucht. Es wird auch nicht das letzte sein: Im Siegerland seien 50 bis 60 Firmen betroffen, sagt Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen. Im gesamten Kammerbezirk, bestehend aus Siegen-Wittgenstein und Olpe, gebe es etwa 1800 Großraum- und Schwertransporte pro Jahr. Die Schwierigkeiten hätten sich langfristig abgezeichnet, unterstreicht Gräbener, „wir sprechen über dieses Thema seit mehr als 20 Jahren“. Ein Punkt sei eine „Unterfinanzierung im Straßen- und Brückenbau: Wir hatten ein Straßennetz – und dann wurde nichts mehr reingesteckt. Das rächt sich jetzt“.

Hängt es nur an Straßen und Brücken?

Nein. Der Zustand der Verkehrswege ist zwar Kern des Problems. Das Antragsverfahren für Schwertransporte ist aber ein weiteres Ärgernis. Der Antragsteller muss eine Route festlegen und bei den Landesbetrieben, durch deren Bereich sie verläuft, einreichen. Diese stimmen dann zu – oder lehnen die Strecke immer häufiger ab, ohne jedoch Alternativen vorzuschlagen. Geschieht diese Ablehnung erst für einen hinteren Abschnitt der Route, fängt alles von vorne an.

Gibt es Lösungen?

Eine Komplettsanierung der Autobahnen, vor allem der A45, wird noch etliche Jahre auf sich warten lassen. Würden zumindest ein oder zwei verlässliche Korridore für Schwertransporte aus der Region heraus zur Verfügung stehen, wäre schon viel gewonnen, sagt Arno Dienenthal. Auch ein vereinfachtes Antragsprozedere sei nötig. Dango und Dienenthal bekenne sich zu Siegen, hebt Rainer Dango hervor. Aber in letzter Konsequenz gehe es, wenn die Situation sich nicht bessere, für die heimische Wirtschaft irgendwann um Arbeitsplätze und Standorte.

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