Leiter von Flüchtlingsheim erschüttert über Misshandlungs-Vorwürfe

Foto- und Filmaufnahmen waren am Sonntag auf dem Kasernengelände nicht gestattet.
Foto- und Filmaufnahmen waren am Sonntag auf dem Kasernengelände nicht gestattet.
Foto: Boris Schopper
Ein Polizeiwagen, drei uniformierte Beamte auf dem Gelände – mehr deutet am Sonntag auf den ersten Blick nicht darauf hin, dass die alte Siegerlandkaserne in Burbach Schauplatz eines Misshandlungsskandals ist. Doch bei genauerer Betrachtung wird klar: Der Schock sitzt tief, viele Fragen sind noch zu klären.

Burbach. Auf den Wiesen spielen Kinder, Erwachsene spazieren über die Straße des Kasernengeländes, zwei Frauen hängen Wäsche auf. Dutzende Menschen, das Leben spielt sich an diesem sonnigen Nachmittag draußen ab.

Auf den zweiten Blick wird deutlich: Der Alltag ist hinter dem großen Metalltor an der Straße Zur Eisenkaute noch lange nicht zurückgekehrt. Es herrscht striktes Fotografierverbot.

„Anweisung von der Bezirksregierung“, sagt Einrichtungsleiter Ricardo Sichert und bittet in sein Büro. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr wurde die Flüchtlingsunterkunft in Burbach eröffnet. Rund 6500 Menschen waren seitdem dort. Derzeit sind es rund 700. Ursprünglich war die Bezirksregierung Arnsberg davon ausgegangen, dass bis zu 500 Asylbewerber auf einmal in der Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht werden können.

Tonbandsequenz vorgespielt

Als ich von den Vorwürfen erfahren habe, ist für mich eine ganze Welt zerbrochen“, sagt Sichert. Am Freitagabend sei er nach Weidenau auf die Polizeihauptwache gebeten worden. Kriminalbeamte und Mitarbeiter des Staatsschutzes hätten ihn über die Vorwürfe informiert: Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes für die Burbacher Flüchtlingsunterkunft sollen Asylbewerber misshandelt und gedemütigt haben. Das Handy-Foto, auf dem ein gefesselt am Boden liegender Mann und zwei Sicherheitsmänner zu sehen sind, von denen einer der beiden dem Opfer seinen Fuß in den Nacken stellt, habe er, Sichert, auch erst später zu sehen bekommen.

„Sie haben mir eine Tonbandsequenz vorgespielt und gefragt, ob ich die Stimmen identifizieren kann.“ Womöglich handelt sich dabei um einen Tonmitschnitt der Videoaufnahme, die die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen am Sonntag bei der Pressekonferenz in Hagen nicht zeigen wollte, den Inhalt den Journalisten aber offenbarte: Ein Asylbewerber wird mutmaßlich von zwei Wachleuten gezwungen, sich auf eine Matratze mit Erbrochenem zu legen.

Sicherheitsdienst wurde ausgetauscht

„Ich hatte bis Freitag den festen Glauben, dass hier in Burbach alles glatt läuft. Wenn sich das alles bestätigen sollte, wäre das ganz grober Mist“, sagt Sichert und schüttelt den Kopf. Der Sicherheitsdienst sei unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe ausgetauscht worden.

Mit den Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft sei in den vergangenen zwei Tagen nicht über die im Raum stehenden Vorwürfe gesprochen worden, sagt Sichert. „Es wurde ja registriert, dass der Sicherheitsdienst ausgetauscht wurde. Die Polizei ermittelt hier ja auch vor Ort und befragt die Leute.“ Das habe sich unter den Bewohnern herumgesprochen.

Zu der Kritik, in der von European Homecare betriebenen Einrichtung würden wegen chronischer Überbelegung die vorgeschriebenen Standards und der vorgegebene Personalschlüssel im Moment nicht eingehalten, könne er nichts sagen. „Das liegt außerhalb meines Wissenbereichs.“

 
 

EURE FAVORITEN