Lehrstunde für Bürgermeister

Holger Menzel (links) reicht seine Bewerbung mit 472 Unterstützungsunterschriften bei Wahlleiter Hans-Peter Hasenstab
Holger Menzel (links) reicht seine Bewerbung mit 472 Unterstützungsunterschriften bei Wahlleiter Hans-Peter Hasenstab
Foto: WP

Hilchenbach..  „Man muss mit allem rechnen hier.“ Der Seufzer, den Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab im Rat am Höhepunkt der Debatte über den Verkauf des Dahlbrucher Hauptschulgeländes hören lässt, hört sich an, als sei er für seinen Nachfolger bestimmt. Denn der ist im Saal: Sven Wengenroth als SPD-Stadtverordneter ihm direkt gegenüber, Holger Menzel weiter hinten in den Zuschauerrängen. Menzel hatte hier sowieso zu tun: 472 Unterstützungsunterschriften für seine Kandidatur als Einzelwerber hat er gerade bei Hasenstab abgegeben, weit mehr als doppelt so viele wie erforderlich.

Seine Unterstützer aus den Reihen von UWG. Grünen und FDP sind bester Dinge. Wie eine Trophäe präsentiert Grünen-Fraktionschef Dr. Peter Neuhaus die Unterschriften der früheren SPD-Stadtverordneten Gerhard Lattek und Karsten Barghorn: eine Unterstützung vor allem dafür, dass die Wähler tatsächlich eine Wahl haben, so seine Deutung. Nein, widerspricht Hasenstab, der als Wahlleiter eine seiner letzten Amtshandlungen vollziehen wird: „Die Leute wollen einen unabhängigen, parteilosen Kandidaten.“ So wie ihn selbst, vor elf Jahren.

Damals lief Hasenstab sich bei Kultur Pur für seinen ersten Wahlkampf warm, wie jetzt Holger Menzel. Der Slogan steht: „Gemeinsam für Hilchenbach. Unabhängig, parteilos, seriös.“ Der Flyer ist bis zum Pfingstwochenende gedruckt, die Website www.gemeinsam-fuer-hilchenbach.de bis dahin freigeschaltet. FDP-Vorsitzender Karl-Jungbluth hat die Kommunalaufsicht vorab auf die Zulassungsunterlagen schauen lassen. Damit nicht wieder ein Formfehler durchgeht wie 2004, an der Hasenstabs Kandidatur — wenn Kreisdirektor Frank Bender sich durchgesetzt hätte — beinahe gescheitert wäre.

Mahnung an die „Facebooker“

Eine gute Viertelstunde später im Ratssaal hält Hans-Peter Hasenstab eine Laudatio auf seinen Stellvertreter Klaus Stötzel, der auf 35 Jahre in der Kommunalpolitik und 25 Jahre im Rat zurückblickt. Auch Stötzel denkt an den 13. September: „Wenn er mit mir und ich mit ihm zurechtkomme“, so der SPD-Politiker über seine elfjährige Zusammenarbeit mit Hasenstab, „schaffe ich das mit den beiden auch.“ Aber er muss ja nur mit einem. Menzel o d e r Wengenroth. „Wenn wir einen fairen Wahlkampf führen, bekommen wir auch eine ordentliche Wahlbeteiligung.“ Dass die Kandidaten das schaffen, steht für Klaus Stötzel außer Frage. Seine Skepsis gilt den „facebookenden“ Unterstützern, die viel Wort- und Sprachgewalt aus dem Ratssaal heraus ins virtuelle soziale Netzwerk verlagert haben.

Es bleibt nicht ruhig in dieser Ratssitzung, in der erst über den Hauptschulverkauf und dann über den Einsatz von Tablet-Computern für die Ratsarbeit gestritten wird, der am Ende mit deutlicher Mehrheit beschlossen wird. „Das ist mir zu doof, dazu noch irgendwas zu sagen“, entfährt es Hans-Peter Hasenstab schließlich. Dass Bürgermeistersein nicht immer ein Vergnügen ist, sollen seine potenziellen Nachfolger ruhig mitkriegen. Sven Wengenroth hat seine Packung direkt am Anfang abbekommen. Der Elektro-Twizy SI-BM 139 (BürgerMeister 13.9.) parke auf der Rollstuhl-Passage, die eigens für Menschen mit Handicap in das Kopfsteinpflaster eingelassen worden sei, belehrt Hasenstab und rät zum Wegfahren, „bevor hier polizeirechtliche Maßnahmen ergriffen werden“. „Ich gelobe Besserung“, verspricht Wengenroth, der in seinem Wahlkampf jeden einlädt, seinen Senf dazuzugeben. Wurst und Grill hat er dabei.

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