Lebenswichtige Portion Sauerstoff

Leben mit dem Schlauch in der Nase.
Leben mit dem Schlauch in der Nase.
Foto: WAZ
Gerhard Ohrndorf leidet an der Lugenkrankheit COPD. „Viele ziehen sich zurück, schämen sich auch wegen des Schlauchs und denken, das Leben ist vorbei“, erklärt er, warum er eine Selbsthilfegruppe für alle Patienten mit einer Sauerstoff-Langzeit-Therapie gründet.

Siegen-Wittgenstein..  Die erste Zigarette rauchte Gerhard Ohrndorf im Lieferwagen als es zur Montage ging. „Kaffee und Zigaretten, um wach zu bleiben. So war das damals“, sagt der heute 70-Jährige über den damals 18-jährigen Ohrndorf. 45 Jahre rauchte er gern seine Schachtel am Tag. Bis der Husten nicht mehr aufhörte, ihm die Luft weg blieb. Vor drei Jahren erhielt er die Diagnose: COPD, eine unheilbare Lungenkrankheit, die die Lungenbläschen zerstört und so den Sauerstofftransport im Körper schränkt. Seit zwei Jahren muss Ohrndorf deshalb zwölf Stunden am Tag mit Sauerstoff beatmet werden. Er trägt einen Schlauch in der Nase und auf dem Rücken einen Rucksack mit der lebenswichtigen Portion Flüssig-Sauerstoff. „So bin ich mobil, auch wenn ich nach 20 Metern immer eine kleine Pause einlegen muss“, sagt der 70-Jährige. Bewegung sei sehr wichtig, damit die Muskulatur nicht abbaue. Derzeit verfügt er über 40 Prozent seiner Lungenfunktion.

Unterstützung der Familie

Allerdings wunderte sich Ohrndorf immer, dass ihm auf der Straße keiner mit so einem Schlauch in der Nase begegnete. Denn sein Sauerstoff-Lieferant hatte ihm erzählt, dass er im Siegerland und in Wittgenstein viele weitere Patienten beliefere. „Viele ziehen sich zurück, schämen sich auch wegen des Schlauchs und denken, das Leben ist vorbei“, erklärt Gerhard Ohrndorf. Er entschloss sich, eine Selbsthilfegruppe zu gründen für alle Patienten mit einer Sauerstoff-Langzeit-Therapie.

20 Gleichgesinnte waren bereits bei einem ersten lockeren Treffen im Dezember dabei. Dort beschlossen sie, sich der Deutschen Sauerstoffliga als Dachverband anzuschließen. Ohrndorf hofft, dass noch viele weitere zur Gruppe kommen, zum Beispiel auch aus Wittgenstein oder Olpe. „So können wir die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen.“

Geplant sind Erfahrungsaustausch, Informationen über medizinische Neuheiten, Medizintechnik, Vorträge von Ärzten und Fachleuten der Sauerstoffliga – aber auch das Gemütliche soll nicht zu kurz kommen.

„Die Gruppe ist aber auch für alle Angehörigen“, erklärt Gerhard Ohrndorf. Seine Frau hilft ihm beim Anziehen, bei den alltäglichen Dingen. Rund um die Uhr ist sie für ihn da. Denn mit jeder Anstrengung kann die Krankheit fortschreiten. „Ohne meine Frau wäre ich aufgeschmissen.“

 

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