Kultur Pur zählt 48.000 Festival-Gäste auf dem Giller

Der Sonntag machte seinem Namen alle Ehre und lockte so tausende Besucher auf das Festivalgelände auf dem Giller.
Der Sonntag machte seinem Namen alle Ehre und lockte so tausende Besucher auf das Festivalgelände auf dem Giller.
Foto: WP
48.000 Menschen haben das Musik- und Theaterfestival Kultur Pur auf dem Giller bei Hilchenbach erlebt — ein paar tausend weniger als in den Vorjahren, in denen Pfingsten noch mehr von der Sonne verwöhnt worden war.

Hilchenbach.. Schon am frühen Sonntagvormittag brachen viele Siegerländer und Wittgensteiner zum 23. Kultur-Volksfest auf, zu dem sich Kultur Pur längst entwickelt hat. Viele auf Schusters Rappen mit Rucksack und Bollerwagen. Allzu viele aber auch mit dem Auto — die standen dann in einem Stau von bisher nicht gekannter Länge. Schon eine Stunde vor Beginn des Nachmittagsprogramms mit Musikbands und Artisten, Komödianten und Komikern war das Festivalgelände rappelvoll.

90 Prozent Auslastung

„Wahnsinn war’s“, sagt Festivalleiter Wolfgang Suttner, der auch mit den Zahlen überaus zufrieden ist. 90 Prozent beträgt die Auslastung der Top Acts in den Theaterzelten, während das Umsonst-und-Draußen-Programm mit gefühlten 140 Prozent eigentlich überfüllt gewesen sei.

Nach Schätzung der Polizei, so Suttner, hätten einige tausend Siegerländer die Ginsberger Heide gar nicht erst erreicht. Die Konsequenz liegt für den Festivalchef auf der Hand: Der Veranstaltungsbereich im Freien muss erweitert, die Platzkapazität in den Zelten vergrößert werden.

Ein Familienfest mit Straßenkünstlern

Ein Familienfest: Bei den Straßenkünstlern, die jedes Jahr wieder vom Londoner Covent Garden eingeflogen werden, hat schlechte Karten, wer ihnen im richtigen Moment über den Weg läuft: Die vier sind dreist, unhöflich, respektlos – und irrsinnig komisch. Wer mag, flaniert den ganzen Nachmittag über das Gelände, nutzt die große Liegewiese, die riesigen Spielplätze mit Sand, Diabolos und dem Gigantenorchester zum Selberspielen. Oder unternimmt einen Ausflug zur Ginsburg, wo die Hilchenbacher „Schlossberg-Raubritter“ immer wieder aufs Neue Jagd nach Emma der Sturköpfigen machen, dem entflohenen Schlossgespenst.

Ein Kulturfest: Die Bandbreite ist groß. Sie reicht von Karl Dall, der in dem ihn auf den Leib geschriebenen Ein-Personen-Stück „Der Opa“ durchaus auch bittere Wahrheiten mit Vergnügen erträglich macht, bis zum nächtlichen Konzert mit der Sängerin und Songwriterin Sophie Hunger, der erst 30 Jahre jungen Schweizerin, die sozusagen auf der Durchreise von Budapest nach Paris Station in Hilchenbach macht (bereits zum zweiten Mal). Und die, erst fast kammermusikalisch, später rockig, mehr Fragen stellt, als ihr irgendwer beantworten kann.

Roger Hodgson zog am meisten

Die Philharmonie Südwestfalen ist bei Kultur Pur Publikumsliebling; nur Supertramp-Kopf Roger Hodgson hatte noch mehr Zuschauer. Dem Orchester verlangte Chefdirigent Charles Olivieri-Munroe vor allem mit dem komplexen Sacre du Printemps von Igor Strawinsky — eine Jungfrau wird dem Frühlingsgott geopfert — höchste Konzentration ab.

„Von den blauen Bergen kommen wir“: Ein paar Stunden vor der Philharmonie gehörte die Bühne 150 Blasmusikern, die zuvor auf hren Motorrädern eine Runde um die Zelte gedreht hatten. Die „Biker machen Blasmusik“ gaben bei ihrem jährlichen Treffen, diesmal ausgerichtet vom Musikverein Rahrbach, dem Giller die Ehre. Noch so ein Kontrast, der nur bei Kultur Pur nicht verblüfft. „Jetzt brauche ich erst mal ein großes Bier“, sagt Charles Olivieri-Munroe nach dem Konzert.

Unwetterwarnung für Pfingstmontag ein Dämpfer

Das Unwetter, vor dem der Wetterdienst warnt, stellt sich auch am späten Abend nicht mehr ein. Erst am Pfingstmontag kehrt der blaue Himmel nicht mehr zurück. Wohl aber das Publikum. „Die Leute haben begriffen, dass man hier nicht einfach so vorfährt“, sagt Wolfgang Suttner, „man weiß, dass die Natur zuschlagen kann — das ist eigentlich das Stimulans für Kultur Pur.“

 
 

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