Kultur hält den Sparkommissaren stand

Steffen Schwab
Hauptsache trocken: Am Montag füllt sich der Platz vor den Zelten trotz der Kälte mit zahllosen Menschen.
Hauptsache trocken: Am Montag füllt sich der Platz vor den Zelten trotz der Kälte mit zahllosen Menschen.
Foto: WP

Hilchenbach.  Nach dem Festival ist vor dem Festival. „Wir versuchen, das Programm bis Dezember weitestgehend zusammenzubekommen“, sagt Festivalleiter Wolfgang Suttner — und das nicht nur aus bloßem Ehrgeiz: „Wir können dann die großen Acts vor Weihnachten verkaufen.“ Möglichst viele Eintrittskarten für Pfingsten 2017 auf dem Gabentisch stabilisieren das Budget der nächsten Auflage von Kultur Pur.

Was kommt 2017?

„Das wird mein letztes Festival sein“, kündigt Suttner an. Ja, gibt er auf Nachfrage zum angestrebten Programm zu, „ich will auch versuchen, meine geheimen Wünsche zu verwirklichen.“ Wobei zumindest einer davon weder geheim noch überraschend ist: Ex-Beatle Paul McCartney, dessen „Paintings“-Ausstellung 1999 in Siegen Suttner kuratiert hat, soll mit der Philharmonie Südwestfalen auftreten. „Ich versuche, ihn herzulocken“, sagt Suttner, „es wird sich zeigen, ob mir das gelingt.“ Wobei die Erfahrung aus 26 Festivals für die optimistische Variante spricht. „Wir leben von Ideen und von Träumen, und es hat sich oft gezeigt, dass das funktioniert.“

Was wird überhaupt aus der Kulturförderung?

Dass Kultur auf den jeweiligen Einsparlisten immer ganz oben steht und dass Kultur Pur — theoretisch — immer gefährdet ist, weil es nun einmal eines der wenigen kommunal veranstalteten Festivals ist, beunruhigt den Kreiskulturreferenten nicht: „Wir überzeugen durch den Erfolg beim Publikum.“ Für überholt hält Suttner die Einstufung der Kultur als „weichen Standortfaktor“. Der sei inzwischen „mittelhart“, sagt Suttner. „Man hat bei uns in der Region massivst erkannt, dass Wirtschaft nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Infrastruktur stimmt, und dazu gehört mehr als Schulen und Verkehr.“ Die Forderung, Kultur zur kommunalen Pflichtaufgabe zu machen, vertritt Suttner ebenso wie die Forderung, Kultur als Staatsziel ins Grundgesetz aufzunehmen — ein Thema, das er als Sprecher des Deutschen Kunstrats und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine nach vorn bringt.

Und Kultur ist wichtig, weil sie die Menschen erzieht?

Nein, widerspricht Wolfgang Suttner: „Wir sind nicht dazu da, die Menschen zu belehren. Kultur soll erhalten und Kommunikation schaffen.“ Menschen können aber von Kultur lernen, sensibler zu werden, besser zu fühlen. Wenn überhaupt Bildungsauftrag, überlegt der gelernte Gymnasiallehrer, dann „im Bereich der sinnlichen Erfahrung — darüber lässt sich mehr vermitteln als mit schlauen Formeln“.

Und wie löst Kultur Pur das ein?

Wolfgang Suttner zählt auf:
Das Publikum: Eingebunden werden Familien, das Rock-Pop-, das Klassik- und das Theaterpublikum.
Die Auslastung der Shows: in diesem Jahr mit knapp 90 Prozent so hoch wie nie.
Die Schwelle — die es nicht gibt: „Hier kann ich mit Schlamm an den Schuhen reingehen und habe doch kein schlechtes Gefühl.“
Das Orchester: Zum einen, weil der kommunale Träger des Festivals zugleich die Philharmonie „im Portfolio“ hat, wie Suttner es formuliert, der zugleich geschäftsführender Vorstand des Orchesters ist — „das hat niemand sonst.“ Zum anderen, weil die Philharmonie für den Giller ein populäres Programm macht. „Damit gewinnen wir ein junges und anderes Publikum für das Orchester.“
Die Gastronomie: „Es ist wichtig, dass es auch hier etwas zu entdecken gibt.“ Wolfgang Suttner lobt das Vielfalts-Konzept des neuen Festival-Gastronomen Jan Klappert. Verschweigt aber nicht die eigene Neigung zum Wildschwein: „Es ist spannend, dass wir das, was im Wald herumläuft, hier aufessen können.“

Fotostrecken gibt es für die Top Acts und für das Nachmittagsprogramm.