Kuhmichel-Reliefs im Geisweider Rathaus

Die Kuhmichel-Reliefs aus dem Krupp-Hochhaus hängen inwischen im Geisweider Rathaus.
Die Kuhmichel-Reliefs aus dem Krupp-Hochhaus hängen inwischen im Geisweider Rathaus.
Foto: Jens Plaum
Die Reliefs, die Künstler Hermann Kuhmichel schuf und die bis zu seinem Abriss 2009 im Krupp-Hochhaus an der Geisweider Straße hingen, haben eine neues Zuhaus gefunden. Und zwar nur wenige hundert Meter entfernt.

Geisweid..  Die neue Heimat der Kuhmichel-Reliefs aus dem inzwischen abgerissenen Krupp-Hochhaus ist zwar nur wenige hundert Meter von der alten entfernt.

Dennoch hat der Umzug der tonnenschweren Bronzeplatten an den Lindenplatz einige Zeit und einiges Geld in Anspruch genommen. Gut angelegt, wie sich am Montag zeigte. „Sie schmücken nun das Rathaus“, sagte Inge Kuhmichel anlässlich der feierlichen Übergabe. Sie ist die Tochter des Siegerländer Künstlers und feierte am Sonntag ihren 80. Geburtstag. Sie begleitete bereits die Demontage der insgesamt dreieinhalb Tonnen schweren Reliefs im Krupp-Hochhaus.

Als der Abriss des 1957 gebauten mehrstöckigen Verwaltungsgebäudes – nicht wenige sagen, damit sei ein bedeutendes Zeugnis Nachkriegsarchitektur verloren gegangen – 2009 anstand, brauchten die Platten ein neues Zuhause. Das sie inzwischen an den Wänden des Geisweider Rathauses gefunden haben.

Hermann Kuhmichel schlägt auf den beiden Reliefs, die in der Eingangshalle des Gebäudes hingen, den ganz großen Boden: die alte und die neue Welt. Das eine zeigt Asien, Afrika und Europa, und zwar in Edelstahl. Rostfrei. Drumherum zeigen Darstellungen den mühevollen Abbau von Eisenerz in engen Gruben, das Fertigen, Schmieden sowie die Verhüttung im La Tène-Ofen. Diese Technik der Kelten übrigens haben viele Archäologen, Hobbywissenschaftler und Hüttenexperten versucht zu kopieren. Bis heute ist es keinem gelungen, einen Rennofen in Gang zu bringen und ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen.

Die neue Welt hingegen, mit – ebenfalls in Edelstahl – Nord- und Südamerika, verweist auf die Segnungen jüngerer Gruben- und Hüttentechnik. Der moderne Bergbau, wie Traute Fries schreibt, Kulturausschussvorsitzende und Expertin in Sachen Hermann Kuhmichel, findet sich in den Darstellungen ebenso wie „der Hochofenbetrieb mit den charakteristischen Masselnschlägern, das Stahlwerk mit Gießpfanne und Kokillen und der Walzwerkbetrieb“. Einen kleinen Verweis auf das Wenscht gibt es auch. Im unteren Teil ist der Hütejunge mit der störrischen Ziege zu finden, ähnlich wie in der Wenschtstraße.

Wasserhahn und Plastik

In vielen Gegenden des Siegerlands finden sich die Werke des 1965 in Weidenau gestorbenen Künstlers. Und es tauchen immer wieder neue, offenbar unbekannte auf. Traute Fries zapfte auf dem Dahlbrucher Friedhof Wasser. Dort war nicht nur ein Hahn. Sie entdeckte auch eine Plastik aus Sandstein, die der gebürtige Eiserfelder angefertigt hat. Die aber niemand in dem Kreuztaler Stadtteil vermutete.

Wichtiger Auftraggeber Industrie

Die Industrie galt für ihn als wichtiger Auftraggeber. Für die Stahlwerke Südwestfalen schuf er beispielsweise „Der Exklusive“, den „Hüttenjungmann“, „Der Walzwerker“ oder eben „Der Hütejunge“. Seine Arbeit war aber nicht auf Plastiken beschränkt. Das zeigte bereits die Ausstellung „Hermann Kuhmichel – der vielseitige Künstler des Siegerlands“, die vor fünf Jahren im Heimathaus an der Sedanstraße zu sehen war. Auch Inge Kuhmichel selbst weiß von den vielfältigen Talenten ihres Vaters zu berichten: „Das Sticken hat er mir beigebracht.“

Für Hermann Kuhmichel war Sticken allerdings weniger Zeitvertreib als Kunst, was nicht zuletzt viele Stickbilder wie „Arme Mutter-Reiche Mutter“ beweisen.

Im Geisweider Rathaus hängt zudem das Triptychon „Aus der Arbeitswelt“, und zwar im ersten Stock, neben dem Büro von Stadtbaurat Michael Stojan; es zeigt typische Berufsgruppen eines Stahlwerks.

 
 

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