Künstler gegen Nationalsozialismus

Der 1. Beigeordnete Helmut Eich und die Künstler Wolfgang Scheffler und Ursula Dolski im Wilnsdorfer Museum
Der 1. Beigeordnete Helmut Eich und die Künstler Wolfgang Scheffler und Ursula Dolski im Wilnsdorfer Museum
Foto: Knut Lohmann, Siegen

Siegen. Ein schweres Thema: „Künstler gegen Nationalsozialismus“. 1951 meinte der Kulturphilosoph Theodor W. Adorno: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch“. Das klingt endgültig, auch wenn er diese radikale These später relativiert hat.

Es muss wohl offen bleiben, ob er sein Verdikt auch auf solche Literatur bezog, in denen über Auschwitz etwas gesagt wird – etwa „Schwarze Milch der Frühe“ von Paul Celan, „Die Ermittlung“ von Peter Weiß; oder auch ein Gedicht von Rosa Ausländer mit der Fügung „unendliche Sonnenfinsternis“ als Metapher für das maßlose Leiden – von der Malerin Ursula Dolski in ihrem Einführungsvortrag im Wilnsdorfer Museum zitiert.

Lebenslicht ist verloschen

Was auf Lyrik gemünzt war, darf auch dem Betrachter von Malerei in den Sinn kommen, in der Auschwitz thematisiert wird. Was er auf den Bildern dieser Ausstellung sieht, ist barbarisch – dem Inhalt nach betrachtet. Da werden Menschen aus Viehwaggons herausgeschaufelt, um – wie man ja weiß – in Verbrennungsöfen zu landen. Auf Kerzenkörper gezeichnet und koloriert Impressionen der Barbarei, zynisch kommentiert: „Sommerschlussverkauf“ als Titel für eine Sammlung von Schuhen; „Neue Haarmode“ als Unterschrift für drei geschorene Frauenköpfe; „Warme Dusche“ für den Anblick nackter Menschen in der Gaskammer.

Alle Kerzen auf dem Bild sind ausgeblasen. Das Lebenslicht ist verloschen; nur aus einer Kerze steigt Dampf auf: Zeichen, dass der Verbrennungsofen arbeitet. Ein barbarisches Sujet. Und geradezu naiv dargestellt. Ein Erzählbild, auf dem die starke Faust des Schaufelhalters über dem Symbol der Hakenkreuzfahne die Stärke des Gegners symbolisiert – vielleicht auch noch seine heutige Gefahr.

Jeder Betrachter muss selbst entscheiden, ob er Bilder dieser Art als angemessene Warnung vor der Wiederkehr solchen Schreckens empfindet. Vielleicht wirken die Bilder anders auf Schüler als auf Erwachsene. Ob sie dazu beitragen, was Dolski in ihren einleitenden Worten forderte, dass nämlich das individuelle Schicksal der Opfer nicht einfach in einem kollektiven Schicksal aufgehen sollte, muss offen bleiben.

Das Konzept stammt von dem Siegener Künstler Wolfgang Scheffler, die hier ausgestellten Bilder hat die Wilnsdorfer Malerin Ursula Dolski beigesteuert. Scheffler begründet sein Engagement so: „Eine vollständige Aufarbeitung des Nationalsozialismus hat nicht stattgefunden. Die dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte zu beleuchten, sei daher auch Auftrag der Kunstszene.

 
 

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