Kromfohrländer – Eine Hunderasse aus Hilchenbach

Kromfohrländer
Kromfohrländer
Foto: privat
Ende 1944 im Siegerland. Jagdhund Peter, den US-Soldaten aus Frankreich mitgebracht haben, streunt herrenlos umher. Peter trifft Ffiifi, eine Foxterrierdame aus Hilchenbach. Wenig später kommen Hexe und Zottel zur Welt. Sie beiden sind die ersten Kromfohrländer.

Hilchenbach.. Es ist die Geschichte von Peter und Fiffi, die am nächsten Samstag wohl das eine ums andere Mal erzählt wird: Peter, der Jagdhund, den amerikanische Soldaten aus Frankreich mit ins Siegerland gebracht haben, wo er Ende 1944 herrenlos umherstreunte. Und Fiffi, die Foxterrierdame aus Hilchenbach. Sie fanden Gefallen aneinander. Hexe und Zottel heißen zwei ihrer Töchter, die später im Zuchtbuch auftauchen. Sie sind die ersten Kromfohrländer.

Geschichte von Ilse Schleifenbaum

Erzählt werden wird nämlich auch die Geschichte von Ilse Schleifenbaum, die den Mischlingsrüden Peter vor dem Erschossenwerden rettete. Und die es in den folgenden zehn Jahren schaffte, dass die Kromfohrländer als neue Hunderasse offiziell vom „Verband für das deutsche Hundewesen“ anerkannt wurden. Eine der jüngsten deutschen Hunderassen, die in Hilchenbach nicht nur die Wurzel ihres Stammbaums hat. Sondern zugleich auch einen Namen aus Hilchenbach in die Welt ­hinaus trägt: „Kromen Fohr“ heißt die Gemarkung zwischen Kronprinzeneiche und Ginsberger Heide, auf der das Wochenendhäuschen der Schleifenbaums stand. „Kromen Fohr“ heißt „Krumme Furche“.

Und hierhin werden am Samstag Züchter der Kromfohrländer aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Europa wandern. Zu der Hütte auf der Kromfohr, wohin Ilse Schleifenbaum, die Ehefrau des Siegener Rechtsanwalts Rudolf Schleifenbaum, im Herbst 1944 mit ihren beiden Söhnen aus dem zerstörten Siegen geflüchtet ist. Bis ins Frühjahr 1945 blieben Mutter und Söhne dort. Als der Krieg auch den Giller erreichte, zogen Ilse Schleifenbaum, Reinold und Henrich, die beide selbst später Rechtsanwälte wurden, in ein Behelfsheim in Vormwald.

„Siegener Bastarde“

Erst 1946 kehrten sie wieder nach Siegen zurück. Die Nachkommenschar von Peter und Fiffi wuchs, zur Unterscheidung von Kromfohrländern aus anderen Zwingern bekamen die aus der Zucht von Ilse Schleifenbaum den Beinamen „von Wellersberg“. Kromfohrländer werden alt, nicht selten 17 bis 18 Jahre, berichtet der Verein der Züchter. Fiffi soll sogar 18 gewesen sein, als sie zum ersten Mal von dem blutjungen Peter geschwängert wurde. Als die Urmutter der Kromfohrländer das Zeitliche segnete, machte Peter auch noch die gemeinsame Tochter Zottel zur Mutter, deren Sohn Bento wurde unter anderem Vater von Benno, der wiederum Oma Zottel beglückte. „Inzucht“ nennen die Züchter solche Hilchenbacher Verhältnisse.

„Ihre Familie stand diesem züchterischen Ehrgeiz eher skeptisch gegenüber“, heißt es in einem Aufsatz des Schweizer Hundeforschers Hans Räber über das Engagement von Ilse Schleifenbaum, die allein um die 400 Hunde gezüchtet hat. Um die Anerkennung der „Bastarde“ — das waren Fiffis und Peters Nachkommen in der Züchtersprache – als neue Rasse hat sie lange gekämpft. „Ihre Hartnäckigkeit war bei den Verbandsfunktionären bald bekannt und gefürchtet.“

Gedenktafel auf der Kromfohr

Selbst mit der internationalen Anerkennung am 25. August 1955 war das Ziel noch nicht erreicht. Die „Siegener Bastarde“ hatten Gegner bei den Kynologen, den Hundewissenschaftlern. Hans Räber in seinem Aufsatz: „Ilse Schleifenbaum wurde angepöbelt, und 1956 soll man sogar versucht haben, ihren Goldmedaillengewinner umzubringen.“

Die Hundezüchterin aus Siegen, die Hilchenbach zur Heimat des Kromfohrländers machte, starb 1991 im Alter von 94 Jahren. Eine Gedenktafel auf der Kromfohr wird ab Samstag an sie erinnern.

Wanderungen auf die Kromfohr

Züchter und Freunde der Kromfohrländer treffen sich Samstag, 21. Juni, 12 Uhr, am Dorfgemeinschaftshaus Grund. Dort beginnen um 13 Uhr drei Wanderungen auf die Kromfohr.

Eine der Wanderungen führt über den Jung-Stilling-Rundweg, wo zwei neue Hinweistafeln auf den Zollposten und die Kronprinzeneiche angebracht werden.

Die Tafel am ehemaligen Standort der Schleifenbaum-Hütte wird um 14 Uhr enthüllt.

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