Kritik an Straßenbenennung

Wilnsdorf. Der SPD-Gemeindeverband Wilnsdorf kritisiert die Benennung einer Straße im Obersdorfer Neubaugebiet „Am untersten Johannes“ nach dem Obersdorfer Heimatdichter Wilhelm Schmidt. Schmidt sei 1940 in die NSDAP eingetreten, als sie planmäßige Verfolgung Andersdenkender und die Ermordung der Juden längst begonnen hatte.

Bereits im Jahre 2009 war in Wilnsdorf die Entscheidung gefallen, in dem in seinem Heimatdorf entstehenden Baugebiet eine Straße nach Wilhelm Schmidt zu benennen. Schmidt, von Beruf Bergmann, hatte sich auch schon vor seinem Parteieintritt einschlägig geäußert. 1933 veröffentlichte er in der Siegerländer Nationalzeitung einen Abgesang auf die „Gummizeit“, als die er die Weimarer Demokratie denunzierte, und huldigte den Nazis als „stracke Li“. Den Obersdorfer Ehrenbürger Adolf Hitler bezeichnete er als „änzjer Stern en Deutschlands Naecht“. Lothar Irle, Nazi-Funktionär und bis heute gern zitierte Chronist und Familienforscher, bezeichnete Schmidt 1965 in einem Nachruf als „feinsinnigen Lyriker“. „Schmidt überdachte nicht, er festigte seine Haltung“, stellt der Historiker Dr. Ulrich Opfermann fest.

In seinem Vortrag vor Mitgliedern des SPD-Gemeindeverbandes forderte Prof. Manfred Zabel, im Schulunterricht diese Namensgebung zum Thema machen. Dort müsse auch das grausame Schicksal der Obersdorfer Ärztin Hedwig Danielewicz im Ghetto von Minsk als mahnendes Beispiel eines unmittelbaren Opfers der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in Erinnerung gerufen werden.

Im Rahmen der Veranstaltung zum 150-jährigen Bestehen der SPD machte Manfred Zabel „Genossen“ zum Thema: „Die, die in der Not zusammenstehen.“ Besonders im Nationalsozialismus haben sich immer wieder – so Zabel – Menschen sehr couragiert verhalten: Im Bereich der evangelischen Kirche wie auch unter den katholischen Christen haben einfache Menschen, aber auch in führenden Positionen stehende Persönlichkeiten mit Arbeiterorganisationen zusammengearbeitet.

Beispiele für solidarisches Handeln

Zabel erwähnte die bis heute noch nicht geklärten letzten Lebenstage des evangelischen Pfarrers Theodor Noa, der mit dem Eisernen Kreuz I und II ausgezeichnet und von den Nazis als „Vierteljude“ verfolgt wurde. Und das engagierte Verhalten des mutigen katholischen Pfarrers Wilhelm Ochse, gegen den eine dreitägige Verhandlung des Sondergerichts Dortmund eigens in Siegen geführt wurde. Beide Fälle zeigten, dass ein solidarisches Handeln von Sozialdemokraten und christlich gesinnten Bürgern trotz persönlicher Risiken praktiziert wurde. Michael Plügge, Vorsitzender des SPD-Gemeindeverbandes, hob hervor, dass die konkreten Lebensbeispiele geeignet seien, dass auch jüngere Menschen die wechselvolle Geschichte des demokratischen Deutschlands nachvollziehen könnten.

 
 

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