Kreuztaler greift nach den Sternen

Das Rauschen des Meeres - The Roar of the Sea
Das Rauschen des Meeres - The Roar of the Sea
Foto: Niama Film

Kreuztal/Stuttgart.. Wenn am 26. Februar im Kodak Theatre von Los Angeles die Gewinner der Oscars für 2011 bekannt gegeben werden, könnte auch ein aus Kreuztal stammender Filmemacher darunter sein: der 45-jährige Torsten Truscheit. Er und seine 39-jährige Mitautorin Ana Fernandes gehören mit ihrem 26-minütigen Dokumentarfilm „Das Rauschen des Meeres“ zum engeren Kreis in der Kategorie Live-Action-Kurzfilme. Ihre Arbeit hat berechtigte Aussichten auf eine Nominierung.

Passenderweise im 35-mm-Format gedreht

Zunächst fiebern Truscheit und Fernandes allerdings dem 24. Januar entgegen: Dann werden sie erfahren, ob ihre Namen in einem der Umschläge stecken, die im Februar vor einem Millionenpublikum im Fernsehen geöffnet werden. Denn erst einen Monat vor der Oscar-Verleihung werden in Los Angeles die Teilnehmer ihrer Wettbewerbskategorie benannt.

Dazu werden die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences bei „Screenings“ in New York, San Francisco und Los Angeles die letzten zehn Filme (von 107) angesehen und ihre Empfehlung ausgesprochen haben. Drei bis fünf Kurzfilme werden letztlich nominiert.

Torsten Truscheit und Ana Fernandes, die beide in Stuttgart leben und arbeiten, erzählen die Geschichte eines afrikanischen Flüchtlings, der in einem deutschen Abschiebegefängnis einsitzt. Der traumatisierte Mann redet nicht und verweigert auch die Nahrungsaufnahme. Sein Schicksal weckt die Aufmerksamkeit eines mitfühlenden Gefängniswärters. Dem Beamten ist das Schicksal des Afrikaners nicht gleich, er kümmert sich um den Gefangenen. Allerdings ist das Abschiebeverfahren schon angelaufen. Der Streifen wurde im kinogerechten 35-mm-Format produziert. Truscheit und Fernandes waren sowohl für Regie als auch Drehbuch und fertigen Schnitt zuständig. Ausgezeichnet wurde dieser Streifen bereits mehrfach: mit dem baden-württembergischen Filmpreis als bester Kurzspielfilm, beim Faial Filmfestival auf den Azoren, mit dem Preis der Jury beim Filmfestival in Kap Verde und beim 35. Cleveland International Film Festival. Dort gab es den „Runner Up“-Preis. Das war laut Torsten Truscheit auch der entscheidende Anstoß, sich beim Wettbewerb um die Oscars zu beteiligen.

„Das Rauschen des Meeres“ soll dabei nur der Einstieg in ein größeres Filmprojekt sein, das Torsten Truscheit und Ana Fernandes noch planen. Sie wollen in einem abendfüllenden Spielfilm die wahre Geschichte des ersten afrikanischen Golfteams erzählen, das zur Kolonialzeit barfuß das englische Team geschlagen hat. „The Black Lords“ wird dieser Film heißen. Allerdings ist die Finanzierung noch nicht gesichert, gestaltet sich noch mühsam. „Das Rauschen des Meeres“ hingegen wurde von SWR, BR und arte mitfinanziert.

Seit 1998 sind die beiden im Filmgeschäft. Ihre Produktionen liefen auf Filmfestivals und im Fernsehen. Mit dem Film „Der 9. Frühling“ – die Geschichte eines thüringischen Ringervereins nach der Wende – waren Truscheit und Fernandes bereits einmal zu Gast im Dahlbrucher Viktoria-Theater.

Für diese Arbeit wurden sie auch für den Grimme-Preis nominiert. Der Film„Rebelados“ lief in Locarno und erzählt von den Rebellen der Kapverdischen Inseln; auch dafür gab es mehrere Preise.

Dass ihr Kurzfilm in den exklusiven Kreis der letzten zehn ernsthaft in Frage kommenden Produktionen gelangt ist, bedeutet für Truscheit und Fernandes bereits höchste Anerkennung. „Das allein ist schon eine große Sache“, sagte Torsten Truscheit unserer Zeitung. Geht alles in der übernächsten Woche gut, erwartet ihn und Ana Fernandes noch eine vierwöchige Zitterpartie.

 
 

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