Krankenhäuser bluten finanziell aus

Die Krankenhaus-Geschäftsführer im Siegerland beklagen eine dramatische Unterfinanzierung
Die Krankenhaus-Geschäftsführer im Siegerland beklagen eine dramatische Unterfinanzierung
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Krankenhäuser sind unterfinanziert: Das beklagen die Geschäftsführer der Siegerländer Kliniken. Sie befürchten in eine bedrohliche finanzielle Schieflage zu geraten, wenn am System der Krankenhausfinanzierung nicht grundlegend etwas geändert wird.

Siegerland..  Mit den heimischen Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie Landrat Paul Breuer diskutierten unter dem Titel „Gesundheitspolitischer Aschermittwoch“ die Geschäftsführer der vier Siegerländer Krankenhausträger Wege aus der Kostenfalle. „Wir sehen deutlichen Handlungsbedarf“, sagte Hans-Jürgen Winkelmann, Geschäftsführer des St.-Marien-Krankenhauses. Die flächendeckende Versorgung sei gefährdet.

Die chronische Unterfinanzierung der Kliniken ist ein bundesweites Problem. Jedes dritte Krankenhaus macht Verluste. Die Internetseite www.Kliniksterben.de illustriert die Lage: Fast täglich werden dort Berichte über geschlossene Häuser, Abteilungen oder Proteste gegen drohende Klinikschließungen eingestellt. Die Finanzanzierungsklemme hat aber auch längst die Region ereilt. „Ohne unser Notprogramm“, sagt Landrat Breuer, „gäbe es die Kinderklinik heute nicht mehr.“

Die anderen Siegerländer Häuser sind zwar nicht akut bedroht. Doch die Lage sei erst. Laut Berechnungen der der vier Siegener Krankenhausträger werden die Kliniken im Siegerland in den kommenden drei Jahren rund 20 Millionen Euro fehlen, um kostendeckend arbeiten zu können. „Es besteht Einigkeit, dass zu wenig Geld im System ist“, so Breuer, der für 2013 ein „Jahr des nicht unerheblichen Kliniksterben“ prognostiziert. „Den Krankenhäusern geht es schlecht, weil die rasant steigenden Kosten seit Jahren ohne Gegenfinanzierung bleiben“, klagt Dr. Josef Rosenbauer, Geschäftsführer der Diakonie in Südwestfalen. Das Geld für eine stabile Krankenhausfinanzierung sei eigentlich vorhanden, meint Winkelmann: „Es gibt Milliardenüberschüsse im Gesundheitsfonds und bei den Krankenkassen.“ Einsparpotenziale in den Häusern selbst sieht er ausgeschöpft. Seit vielen Jahren bilden die Kliniken der Region eine Einkaufsgemeinschaft, um Kosten zu reduzieren. Auch beim Personal wurde gespart: „Bundesweit wurden in den letzten zehn Jahren 50.000 Pflegestellen abgebaut. Die Belastungsgrenze ist erreicht“, so Winkelmann.

Die Klinik-Geschäftsführer erwarten von der Politik, Kürzungen im Gesundheitswesen zurück zu nehmen und das Vergütungssystem anzupassen an den steigenden Kosten der Krankenhäuser. Die heimischen Abgeordneten sollen die Sorgen der Krankenhäuser jetzt in die Parlamente tragen.

Mit der bundesweiten Kampagne „Wir alle sind das Krankenhaus“ haben die Deutsche Krankenhausgesellschaft und ihre Mitgliedsverbände kürzlich eine Aktion gestartet, die auf die prekäre Lage der Kliniken aufmerksam machen soll.

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