Jugendamt bringt geflüchtete Minderjährige in Gastfamilien

Siegen-Wittgenstein..  88 unbegleitete minderjährige Ausländer werden derzeit vom Kreisjugendamt betreut. Seit dem 1. November, als die Zuständigkeit für die „UMAs“ — so der Amtsjargon — von den spezialisierten Jugendämtern auf alle 189 nordrhein-westfälischen Jugendämter überging, hat der Kreis 104 Jugendliche aufgenommen. 54 waren vorher schon da, 68 sind inzwischen entweder an andere Jugendamtsbezirke überwiesen worden oder haben die Volljährigkeit erreicht. Die Aufnahmeverpflichtung hat der Kreis mit 131 Prozent übererfüllt. Siegen-Wittgenstein ist einer der nur 27 Jugendamtsbezirke im Land, die mehr unbegleitete Minderjährige aufnehmen, als auf sie bei gleichmäßigen Zuweisungen entfielen.

Dauerhafte Bleibeperspektive

Auf verschiedenen Wegen kommen die Jugendlichen nach Siegen-Wittgenstein, nicht immer allein, sondern in Begleitung Erwachsener, die nicht sorgeberechtigt sind. Für längstens vier Wochen werden sie „vorübergehend in Obhut genommen“, wie es in der Fachsprache heißt — dafür sind Wohngruppen am Diakonie-Klinikum Kredenbach und in einem vom Kreis gemieteten Hotel in Siegen eingerichtet worden. Anschließend wird entschieden, ob ein anderes Jugendamt die Betreuung übernimmt oder ob die Jugendlichen im Kreisgebiet bleiben. Manche sind 15, die meisten 16 oder 17 Jahre alt. „Sie kommen überwiegend aus nicht sicheren Herkunftsländern“, sagt Jugendamtsleiterin Pia Cimolino. „Die allermeisten haben also eine dauerhafte Bleibeperspektive“, betont Fachgebietsleiter Thomas Wüst, „wir sind bemüht, sie bestmöglich zu integrieren.“

Das geschieht seit Mitte Januar verstärkt bei Gasteltern. 14 Jugendliche wurden bisher vermittelt. Im Jugendhilfeausschuss beschrieb Wüst, wie die Annäherung erfolgt: erst durch schriftliches Vorstellen, dann durch persönliche Begegnungen. Meist sei schon nach dem zweiten Treffen klar, dass Jugendliche und Gasteltern zusammenpassen. „Da wird dann auch schnell umgezogen.“ Von den 14 gehen 13 zur Schule, einige besuchen bereits Gymnasien, einer macht ein Praktikum als Friseur, viele sind in Sportvereinen, von Billard bis Fußball, aktiv. Thomas Wüst: „Die beste Integration findet mitten in der Gesellschaft statt.“

Im März erfolgt eine Schulung für weitere Gasteltern, die Lust auf ziemlich selbstständige „Kinder“ haben und sich auf deren bewegte Lebensgeschichte einlassen können. Zwei bis fünf Jahre, schätzt Wüst, erden sie in der Gastfamilie bleiben; die Förderung erfolgt auch über den 18. Geburtstag hinaus.

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