Jugendämter beklagen ihr Imageproblem

Siegen.  Wer den Begriff Jugendamt hört, denkt meist an nichts Gutes. Schon bei Pippi Langstrumpf ist die Rolle der Frau Prysselius, die die kleine Titelheldin in ein Kinderheim stecken möchte, eher negativ belegt. Doch diese Assoziationen seien heutzutage nicht korrekt, da ist man sich in den Jugendämtern bundesweit einig.

Lobbyisten für Kinder und Eltern

Im 14. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung heißt es vielmehr, die kommunalen Jugendämter seien die wichtigste Institution für Fragen der Förderung und Hilfe für Kinder, Jugendliche und Familie in Deutschland. „Und genau das sollten wir den Menschen auch mitteilen“, erklärt Landrat Paul Breuer, der die Inhalte des aktuellen Berichtes als „sehr gehaltvoll“ bezeichnet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jugendamt seien Lobbyisten für Kinder, Jugendliche und Eltern.

Angebote nicht bekannt genug

Die Wahrnehmung in der Bevölkerung ist trotzdem größtenteils eine andere. Und darin sieht der Landrat ein Problem: „Das Bild von Jugendämtern in den Köpfen der Bevölkerung ist schlichtweg antiquiert“, stellt er klar. Der Großteil der Arbeit sei mittlerweile präventiv und unterstützend.

Die Aufgabe des Amtes der Stadt und des Fachservice „Jugend und Familie“ des Kreises sei eine Schaffung von kinder- und jugendgerechten Angeboten im Kreis, wie etwa Jugendtreffs. Zudem finden sie „Lösungen für Problemlagen und mischen sich in alle gesellschaftlichen Bereiche ein, in denen es um Interessensvertretung für Kinder, Jugendliche und Eltern geht.“ Diese Angebote seien der breiten Öffentlichkeit viel zu wenig bekannt.

Aus diesem Grund beteiligen sich Stadt und Kreis erneut an der Kampagne „Das Jugendamt. Unterstützung, die ankommt.“ Hierbei sei es, so Landrat Breuer, besonders wichtig, dass beide zusammenarbeiten. Bereits vor zwei Jahren gab es eine erste Kampagne, erklärt die Stadträtin Babette Bammann. Damals wie heute gehe es darum, den Bürgern zu zeigen, dass das Jugendamt nicht nur ein negativ belegter Begriff sein muss. „Viele Familien haben Kontakt zum Jugendamt, ohne es so recht zu wissen“, betont die Stadträtin. Etwa über die Ferienfreizeit, bei der Bemühung um Kitaplätze oder durch Willkommensbesuche.

Negative Eindrücke überwiegen

Auch Helge Klinkert, Dezernentin für Jugend und Soziales, bedauert das schlechte Image der Jugendämter, befürchtet aber, dass sich das öffentliche Bild nicht von heute auf morgen ändern lassen wird. „Das Imageproblem wird nicht so schnell verschwinden“, sagt sie. „Diese Einrichtung hat eben einen Januskopf. Auf der einen Seite die wirklich große Unterstützung der Kinder und Eltern, auf der anderen die Fälle, in denen wir zum Eingreifen gezwungen sind.“ Es sei allerdings vor allem das negative Gesicht, was die positiven Eindrücke überstrahlt.

 
 

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