Jedes Jahr Waterloo: Grüne Kittel mit Eichenlaub

Von Steffen Schwab
175 Jahre Hilchenbacher Schützenverein: Parade mit Eichenlaub-Gewehren
175 Jahre Hilchenbacher Schützenverein: Parade mit Eichenlaub-Gewehren
Foto: Hilchenbacher Schützenverein

Hilchenbach. 175 Jahre besteht der Hilchenbacher Schützenverein — das ist nicht viel verglichen mit den Attendornern, die sich auf eine bis 1222 zurückreichende Tradition berufen. Reicht aber für den Rang des ältesten Schützenvereins in Siegen-Wittgenstein, dem die Bad Berleburger Nachbarn auf immer um ein Jahr hinterherhinken. In Kriegen und Notzeiten war den Hilchenbachern nicht zum Feiern. Aber immerhin der 150. König wird beim Jubiläumsschützenfest am 21. Juli gekrönt.

„Grüne Kittel — Eichenlaub“ heißt das Festbuch, das Albrecht Weber konzipiert und organisiert und mit Unterstützung der Mediengestalterin Kathrin Wiemann realisiert hat. Grüne Haubergskittel, weil das die Uniform war, die sich die ehemaligen Waterloo-Kämpfer ausgedacht haben, die den „militärischen Geist“ in der neuen „Schützencompagnie“ heben wollten — weshalb die Vereinsvorstände, an ihrer Spitze Oberst Heiner Saßmannshausen, bis heute militärische Ränge führen. Und Eichenlaub, weil Besenstiele mit Eichenlaub nach dem zweiten Weltkrieg bei Umzügen und Paraden die Gewehre ersetzen mussten.

„Ein tolles Buch“, lobt Heiner Saßmannshausen das Autorenteam, zu dem auch die im Kreisarchiv tätige Historikerin Elisabeth Strautz gehört und das von Stadtarchivar Reinhard Gämlich unterstützt wurde. Ein Geschichts- und Geschichtenbuch, das natürlich die Festberichte seit 1987, dem letzten Jubiläum, enthält. Aber auch mitteilt, was ein Schützenkönig das ganze Jahr über zu tun hat (und was ihn das — nicht — kostet). Und, welchen Reiz das Sportschießen eigentlich für einen Neueinsteiger hat.

Gespiegelter Bürgermeister

Albrecht Weber beginnt mit einem sehr persönlichen Vorwort: Er erinnert sich an den Nachbarsjungen Otto, der in der Schützenstraße dem Kommandeur des vor der Schützenhalle exerzierenden Reichsarbeitsdienst den Vogel zeigte. Mit vereintem Engagement verhinderten die Nachbarn, dass die Nazis den mit Down-Syndrom lebenden Jungen in eine Heilanstalt einwiesen, wo er wahrscheinlich ermordet worden wäre.

Der Deutsche Hof spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte des Schützenvereins: Manche Rechnung für Bier und Cognac hat der Wirt den Schützen geschrieben, die anfangs noch das „Krieger- und Schützenfest“ feierten, eigentlich stets – so war es geplant – am Jahrestag der Schlacht bei Waterloo, dem 18. Juni.

Eva Kindermann, Besitzerin des Deutschen Hofs, war 1954 die erste Frau, die den Vogel von der Stange schoss. Ein würdiger Platz im Festbuch ist aber auch ihrem Nachfolger Wilfried Reifenrath zugedacht, dem legendären „Karl Wurst“, dem ballonfahrenden Tabakskollegen, Hotelier und Schützenkönig: „Wer zur späten Stunde ganz leise über die Dammstraße geht, hört manchmal noch sein Schubbidu.“

Seit mehr als drei Jahren bereitet sich der Schützenverein auf sein Jubiläum vor. Dazu gehört neben dem Festbuch auch das Programm für das Festwochenende mit Empfang im Rathaus, Platzkonzert, Kommers, Zapfenstreich auf dem Marktplatz und dem großen Festzug. Anders als 1976, als der Plattenspieler die „vergessene“ Tanzkapelle ersetzen musste, geht diesmal nichts schief. Selbst die Unterschrift von Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab unter seinem Grußwort stimmt. Dessen Vorgänger hatte vor 25 Jahren getobt: Paul Roth fand seine Paraphe seitenverkehrt im Festbuch vor.