IT-Fachmann verklagt Arbeitgeber nach Versetzung wegen Segway-Aufladung

Der IT-Fachmann Oliver Beer wurde von seiner Firma gekündigt, weil er seinen Segway an der Bürosteckdose auflud. Schaden: 1,8 Cent. Nachdem er erfolgreich gegen die Kündigung klagte, wurde er versetzt. Foto: dapd
Der IT-Fachmann Oliver Beer wurde von seiner Firma gekündigt, weil er seinen Segway an der Bürosteckdose auflud. Schaden: 1,8 Cent. Nachdem er erfolgreich gegen die Kündigung klagte, wurde er versetzt. Foto: dapd
Oliver Beel wehrt sich gegen seine Versetzung. Seiner Ansicht nach muss er nun anspruchslose Arbeiten verrichten, weil er erfolgreich gegen seine Kündigung geklagt hatte. Hintergrund: Beel hatte seinen Segway im Büro aufgeladen - Schaden: 1,8 Cent.

Siegen/Neunkirchen.. Oliver Beel hat in den 21 Jahren seiner Zugehörigkeit zur Firma SSI Schäfer in Neunkirchen die EDV-Abteilung mit aufgebaut. Der gelernte Industriekaufmann arbeitete sich nach oben, war Teamleiter und zuletzt mit höchsten Administrationsrechten ausgestattet. So fungierte er als Ansprechpartner für die 700 PC-Inhaber des Unternehmens.

Zuletzt wurde Beel allerdings mit Aufgaben beschäftigt, die für jemanden mit seiner Berufserfahrung als eher anspruchslos gelten dürften: Er sollte die Inventarisierung seines Arbeitsplatzes vornehmen: „Kabel nach Länge und Farbe sortieren“, wie sein Anwalt Dr. Bernd Roos am Donnerstag vor der 2. Kammer des Siegener Arbeitsgerichts sagte. Ansonsten gab ihm die Firma auf, die Betriebssysteme Windows 7 und XP „miteinander zu vergleichen“. Sonst nichts.

Damit fühlt Oliver Beel sich aber unterfordert. Er klagt auf Beschäftigung in seinem alten Aufgabenbereich. Denn den hat er verloren, nachdem er sich erfolgreich in zwei Instanzen gegen eine fristlose Kündigung gewehrt hat. SSI Schäfer wollte Beel loswerden, nachdem dieser sein elektrisch betriebenes Segway an einer Firmensteckdose aufgeladen hatte; dabei entstand ein „Schaden“, der sich kaum beziffern ließ. Die Gerichte kamen auf genau 1,8 Cent. Deshalb auch wies nach dem Siegener Arbeitsgericht im vorigen Herbst auch das Landesarbeitsgericht die Kündigung als unbegründet zurück.

Von früheren Kollegen isoliert

Glücklich ist der 42-jährige Beel allerdings bei SSI Schäfer nicht wieder geworden. Nachdem er im November seine Arbeitsstelle wieder angetreten hat, fand er sich im Untergeschoss des Firmengebäudes in einem ehemaligen Lagerraum wieder. Dort zeigte das Unternehmen die Muskeln und kam der Auflage des Landesarbeitsgerichts insofern nach, als für Oliver Beel ein vormaliger Lagerraum hergerichtet wurde: mit Schreibtisch und PC.

Dort – von den alten Kollegen isoliert – geht Oliver Beel einer Tätigkeit nach, die nach Meinung seines Anwalts „für den Papierkorb“ ist. Schäfer-Anwalt Ralf Immel hingegen mochte die Einschätzung der Klägerseite beim Gütetermin unter Vorsitz von Richter Joachim Lennarz nicht teilen. Bei einer Besichtigung durch alle Beteiligten habe er den Eindruck gewonnen, das Beel durchaus „ordnungsgemäß weiterbeschäftigt“ werde. Dr. Roos sieht seinen Mandanten durch diese Art der Beschäftigung allerdings „kaltgestellt“.

Firma übt Direktionsrecht aus

Richter Lennarz wies die Parteien darauf hin, dass ein Antrag auf Wiederbeschäftigung im alten Job möglicherweise nicht das gewünschte Ziel erreiche, zumal das Unternehmen das Direktionsrecht ausübe. Sprich: Wo und wie Beel eingesetzt wird, entscheidet die Firma. Erfolgversprechender könne eine Klage sein, mit der Beel gegen die „Versetzung“ vorgehe.

Zu einer Einigung kam es nicht. Die Kammer wird nun einen Termin festsetzen, an dem der Konflikt entschieden wird. Sanktionen hat Oliver Beel aktuell jedoch nicht zu befürchten, zumal er seit 1. Mai 2010 dem Betriebsrat angehört. Mit dem erweiterten Kündigungsschutz bleibt er SSI Schäfer allemal noch weitere vier Jahre erhalten.

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