Iran-Geschäft eröffnet Perspektiven

Siegen.  Die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran eröffnet der Wirtschaft in der Region Perspektiven. „Es ist eindeutig eine positive Nachricht“, sagt Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen, im Gespräch mit der Westfalenpost. Die veränderte Situation bewirke „keine Euphorie“ – aber immerhin „verhaltenen Optimismus“.

Auf Null waren die deutsch-iranischen Geschäftsbeziehungen auch während der fast zehnjährigen Phase der Sanktionen – die der Westen aufgrund des iranischen Atomprogramms startete und ausweitete – nicht heruntergefahren. Für das Jahr 2014 werde allein für Nordrhein-Westfalen ein Auftragsvolumen von 400 Millionen Euro angenommen, wie Gräbener erläutert. „Über den ganz groben Daumen geschätzt“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer, entfielen davon 20 bis 25 Millionen Euro auf die Wirtschaft in Siegen-Wittgenstein und Olpe, die beiden Kreise des Kammerbezirks. Die Sanktionen gegen den Iran betrafen nämlich nicht alle Bereiche, manche Güter und Produkte durften weiterhin angeboten werden. „Es hat auch im Siegerland Unternehmen gegeben, die beispielsweise kleinere Maschinen geliefert haben.“

Kompliziert wurden Geschäftsbeziehungen aber dadurch, dass die Abschottung von weiten Teilen des Weltmarkts den Zahlungsverkehr erschwerte. Der Iran, so Gräbener, baue neue Strukturen auf, um wieder partizipieren zu können. Umgekehrt seien deutsche Firmen, auch in der Region, daran interessiert, auf dem iranischen Markt wieder Fuß zu fassen. Gräbener: „Wir haben in den vergangenen Tagen mit etwa zehn Unternehmen gesprochen, die sagen, dass sie ihre Bemühungen verstärken werden.“

Traditionelle Beziehungen

Bis zu den ersten Aufträgen könne es ein paar Monate dauern. Auf Bundesebene sei aber eine Vervierfachung der Umsätze im Irangeschäft prognostiziert. Gräbener hält das für nicht unrealistisch. Der Iran habe „traditionell Handelsbeziehungen zu Deutschland“ gehabt, sei zeitweise nach den USA der zweitwichtigste außereuropäische Geschäftspartner gewesen. Deutsche Firmen hätten einen guten Ruf, was den Aufbau neuerlicher Kontakte erleichtere.

Vor allem habe die Nachricht vom Einlenken des Irans im Atomstreit und dem Ende der Sanktionen eine psychologisch relevante Dimension. „Russland, Ukraine, Syrien: Wir hatten vorher überall nur negative Entwicklungen“, betont Gräbener – und diese drückten auf die Stimmung in der Wirtschaft. Im Iran zeige sich endlich einmal ein Lichtblick. Entscheidend sei aber, dass sich die Lage langfristig stabilisiere.

 
 

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