Indiskretion gegenüber Uni-Rektoren schürt Vertrauenskrise

Harald Ries
NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) muss das Vertrauen der Uni-Rektoren zurückgewinnen.
NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) muss das Vertrauen der Uni-Rektoren zurückgewinnen.
Foto: Tim Schulz
Etliche Uni-Rektoren in NRW sind erbost über die Offenlegung ihrer Gehälter „ohne Rücksprache". Die Quelle vermutet Siegens Rektor Holger Burckhart im NRW-Wissenschaftsministerium. Die Indiskretion gefährdet die Annäherung zwischen den Unis und dem Ministerium.

Hagen/Siegen. Mit der Veröffentlichung seines Gehalts hat Holger Burckhart, Rektor der Universität Siegen, kein Problem. Im Prinzip jedenfalls. Weil er zur Höhe steht. Weil er es für angemessen hält für den Verantwortungsbereich und im Verhältnis zum Verdienst normaler Professoren oder mittelständischer Unternehmer: „Die Uni Siegen ist immerhin ein Unternehmen mit 2000 Mitarbeitern, 18 000 Azubis und einem Umsatz von 250 Millionen Euro.“ Was ihn und seine Kollegen aber erbost ist die Weitergabe ohne Rücksprache zum gegenwärtigen Zeitpunkt: „Wie soll da Vertrauen entstehen?“

Eckdaten und Vorgaben

Und damit ist Burckhart schon beim Kern seiner Kritik am Referentenentwurf zum Hochschulzukunftsgesetz aus dem Hause von Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD): Dass er getragen ist von einer Steuerungslogik, dass das Land Eckdaten setzen will, zwischen denen die Hochschulen sich zu bewegen haben, dass von oben nach unten über Vorgaben dirigiert werden soll. „Es ist völlig legitim, dass das Land sich um die Hochschulentwicklung kümmert“, betont der Rektor. Aber das müsse im Dialog mit den Universitäten und Fachhochschulen erfolgen. Auf Augenhöhe. Getragen von Geist des Vertrauens. Und das schwindet jetzt weiter.

„Besonders bedauerlich ist es, dass die Veröffentlichung in einer Phase fällt, in der die Landesrektorenkonferenz wieder mit dem Ministerium ins Gespräch gekommen ist und eine Hoffnung auf wesentliche Fortschritte besteht“, sagt Burckhart. Hält er es also für möglich, dass die Zahlen gar nicht aus dem Ministerium stammen? Nein, eine andere Quelle kann sich der Siegener Rektor nicht vorstellen. Im Landtag habe es vor knapp einem Jahr eine Anfrage der Piraten zu den Gehältern gegeben, die Hochschulen seien daraufhin aufgefordert worden, die Zahlen ans Ministerium zu melden. Dort seien alle Daten zusammengelaufen.

Partner offenlegen

Zuletzt hatte sich in der Ausein­andersetzung um mehr Hochschulsteuerung durch Düsseldorf auch die Wirtschaft auf die Seite der Rektoren geschlagen. Da ging es um Forschungsaufträge, die veröffentlicht werden sollen, worauf Unternehmen mit Abwanderung in andere Bundesländer drohten. „Wir müssen unsere Partner offenlegen“, ist Burckharts Position dazu, „aber Forschungsinhalte können wir nicht vorweg bekannt machen“. Wenn im Automotive Center Südwestfalen mehrere Unternehmen neue Verfahren für Stoßfänger testeten, sei es unzumutbar, der interessierten Konkurrenz Details mitteilen zu müssen.

Und was ist mit den vielen befristeten Arbeitsverhältnissen an Unis, die häufig kritisiert werden? Burckhart bedauert die Entwicklung, doch sie sei Folge zeitlich befristeter Mittel. Er strebt Mindestlaufzeiten in Verträgen an. Dazu müsse das Land als Bürge auftreten, wenn eine Hochschule vorübergehend eine finanzielle Unterdeckung aufweise. Aber für solche Lösungen braucht es: Vertrauen.