In der dritten Streikwoche schlagen Eltern und Kinder Krach

Kinder und Eltern demonstrieren gegen den  Kita-Streik.
Kinder und Eltern demonstrieren gegen den Kita-Streik.
Foto: WP

Kreuztal..  Der Lärm mit Rasseln, Glocken, Klappern und Trillerpfeifen ist ohrenbetäubend. Auf dem Roten Platz, mitten im Wochenmarkt-Treiben, machen Eltern ihrem Ärger Luft. Mit dabei jede Menge Kinder — wo sollten sie auch sonst sein, in der dritten Woche des Streiks, der zehn von zwölf städtische Kitas lahmgelegt hat. „Für berufstätige Mütter ist das untragbar“, sagt eine Mutter. „Man hat das Gefühl, dass das die Arbeitgeber nicht wirklich interessiert“, kommentiert eine andere die ereignisarme Dauer der Tarifaus­einandersetzung. „Das wird alles auf Kosten der Eltern und Kinder ausgetragen“, sagt eine dritte. „Man hat so das Gefühl, die Gewerkschaft Verdi schickt die Eltern vor“, vermutet die vierte. „Die sollen sich endlich zusammensetzen“, sagt die fünfte, „man hat so das Gefühl, da tut sich nichts.“ Und so weiter.

Bürgermeister Walter Kiß gibt den Protestierenden Recht: „Es trifft die Falschen.“ Dem Vorbild einiger Großstädte folgen und die Erzieherinnen höhergruppieren? Das kommt für Kiß nicht in Frage. „Wir werden nicht den Tarif sprengen.“ Tabu bleibt auch ein anderes Thema, über das Kreuztal sich in den 1990er Jahren zerstritten hat: die Abgabe der städtischen Kindergärten an freie Träger. „Diese Diskussion wird es nicht mehr geben, jedenfalls nicht mit mir“, sagt Kiß auf Nachfrage dieser Zeitung, „wir möchten ja unsere Trägerschaft gern ausfüllen, auch an Tagen wie diesen.“

Beiträge zurückfordern

Den Vorwurf eines Vaters, die Stadt habe keinen „Plan B“, weist Kiß zurück. Den könne es für über 600 betroffene Kinder nicht geben, wenn die Mehrzahl der 150 Erzieherinnen ausfalle. „Wir haben für die Notgruppen alles zusammengekratzt, was wir an Vertretungskräften bekommen konnten.“ Den Eltern rät Kiß, beim Kreisjugendamt die Beiträge zurückzuverlangen. „Das würde ich offensiv unterstützen.“ Der Kreis denkt nach wie vor nicht an eine Rückerstattung für die Kreuztaler Eltern, ebensowenig die Stadt Siegen, die mit einer eigenen Kita betroffen ist.

EURE FAVORITEN