Im Dienst des Friedens

Heinrich Otto (mit Schirmmütze in der Mitte liegend) war eine der prägenden Figuren der hiesigen Deutschen Friedensgesellschaft..
Heinrich Otto (mit Schirmmütze in der Mitte liegend) war eine der prägenden Figuren der hiesigen Deutschen Friedensgesellschaft..
Foto: Herausgeber (honorarfrei für diesen zweck)
Traute Fries hat wieder geschrieben. Die Lokalpolitikerin und ehemalige Angestellte der Stahlwerke Südwestefalen beschäftigte sich in einer historischen Rekonstruktion mit der Deutschen Friedensgesellschaft, und zwar im Bezirk Sieg-Lahn-Dill in der Weimarer Republik.

Siegen..  Es gab sie auch im Siegerland: Menschen des anderen Deutschlands. Menschen zu Zeiten der Weimarer Republik, die nichts wissen wollten von Krieg, Verfolgung und Terror.

Die zu einem „kritischen Element in einer Mehrheitsgesellschaft“ wurden, „die ihren ,Kaiser Wilhelm’ wiederhaben wollte, gegen das ,Schanddiktat von Versailles’ hetzte und den Boden bereitete für die nationalsozialistische Machtübernahme 1933“, schreiben Dr. Astrid Greve und Professor Manfred Zabel im Vorwort des neuen Buchs von Traute Fries. In ihrer historischen Rekon-struktion setzt sich die Lokalpolitikerin und ehemalige Angestellte der Stahlwerke Südwestfalen mit der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) auseinander. Und zwar im Bezirk Sieg-Lahn-Dill, „das war damals noch eine zusammenhängende Wirtschaftsregion“, sagt sie.

Und beschreibt, wie es Historiker Dieter Pfau – er ist verantwortlich für Layout, Satz und Bildbearbeitung – erläutert, das Spannungsverhältnis zwischen völkisch und pazifistisch gesinnten Kreisen.

Abrüstung und Völkerversöhnung

Eine der prägenden Figuren des pazifistischen Neubeginns nach dem Krieg war Heinrich Otto. Er verlor im Krieg beide Unterschenkel. Die schrecklichen Erlebnisse machten ihn zu einem Kriegsgegner, schreibt Traute Fries, er engagierte sich für Abrüstung, Völkerversöhnung und Abschaffung der Wehrpflicht.

Ob er bei der Gründung der Siegener DFG-Ortsgruppe 1922 mitwirkte bleibt im Dunkeln. Sicher jedoch ist, ein Jahr später, Adolf Hitler und Erich Ludendorff wollen sich in München an die Macht putschen, wird Heinrich Otto DFG-Vorsitzender an der Sieg.

Traute Fries recherchierte in Archiven, wälzte alte Zeitungsartikel und arbeitete die Ausgaben des Pazifisten durch, dem Verbandorgan. Der Pazifist wurde 1925 zu Das Andere Deutschland. Traute Fries’ Vater, Wilhelm, versteckte die Blätter vor den Nazis hinter einer zweiten Mauer im Elternhaus in Boschgotthardshütten. Ihr Vater spielte eine nicht minder wichtige Rolle in der DFG-Geschichte. Im Oktober 1928 übernahm er die provisorische Geschäftsführung, ehe er wenige Tage später als Bezirksleiter bestätigt wurde. 1932 wurde es ruhiger um die Gesellschaft, zu deren Veranstaltungen etwa im Kaisergarten 700 bis 800 Besucher gekommen waren. Die politischen Verhältnisse wurden schwieriger, heißt es dazu im Buch.

Die völkischen Kräfte, von denen Dieter Pfau sprach, setzten sich durch – mit schrecklichen Folgen.

 
 

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