Ideologische Schlammschlacht

Vor dem Kreisklinikum Siegen (Haus Hüttental) soll der Patientengarten und der noch zu gestaltende Freiraum vor dem Haupteingang zum Walter-Krämer-Platz werden. Foto: Alex Völkel
Vor dem Kreisklinikum Siegen (Haus Hüttental) soll der Patientengarten und der noch zu gestaltende Freiraum vor dem Haupteingang zum Walter-Krämer-Platz werden. Foto: Alex Völkel
Foto: Alexander Völkel

Siegen.. Der Walter-Krämer-Platz vor dem Kreisklinikum kommt. Nach sehr emotionaler, ideologischer und teils auch beschämender Diskussion gab es eine große Mehrheit im Rat. Allerdings stimmten 15 Ratsmitglieder dagegen, zehn weitere enthielten sich.

„Ich finde diese Art und Weise absolut unwürdig für diesen Rat“, betonte UWG-Fraktionschef Hans-Günter Bertelmann am Ende der Debatte. Er hatte zu Beginn darum gebeten, „angemessen“ zu diskutieren. „Denn bei den bisherigen Abstimmungen hat sich der Rat nicht mit Ruhm bekleckert.“

Humanistische Leistung im Mittelpunkt

Zuvor hatte Bürgermeister Steffen Mues (CDU) zuvor eindringlich dafür geworben, die humanistischen Verdienste von Walter Krämer in den Mittelpunkt zu rücken, nicht den Parteipolitiker. „Das humanistische Wirken und den selbstlosen Einsatz“ im Konzentrationslager sei zu würdigen. „Man kann und soll kritisch diskutieren, aber die Rolle als Arzt von Buchenwald und Lebensretter ist nicht wegzudiskutieren“, so Mues. „Der Platz soll an die eigene Verantwortung erinnern, wenn der Staat versagt.“ Daher wünschte er sich eine breite Mehrheit, gerade wegen der inhaltlichen Verbindung zum Klinikum. „Es wird höchste Zeit, dass humanistische Wirken endlich angemessen zu würdigen.“

Doch mit der Trennung, Humanist auf der einen und Kommunist auf der anderen Seite, hatten Peter Mörbitz (SPD) und Martin Gräbener (Linke) Probleme: „Er hat die Leistungen vollbracht, weil er Kommunist war und aus tiefster Überzeugung für die Menschen eingetreten ist“, betonte Gräbener.

Damit lieferte er eine willkommene und anscheinend auch erwartete Steilvorlage für Kritiker der CDU. Die Leistungen habe er als Mensch vollbracht, der anderen Menschen geholfen habe. Diesen gelte es auch als Christ zu würdigen, argumentierte Ute Höpfner-Diezemann. Doch die Fokussierung auf den Kommunisten erschwere dies: „Wir haben uns als CDU immer schwer damit getan.“

Dorothea Schleifenbaum (CDU) packte das „Schwarzbuch des Kommunismus“ aus und führte kommunistischen Verbrechen auf, von denen sich Krämer nie distanziert habe. „Konnte er ja auch nicht mehr. Er wurde ja vorher von den Nazis ermordet“, platzte Traute Fries (SPD) der Kragen. „Ich schäme mich dafür, dass eine einzelne Person nur bereit ist, ihr politisches Feindbild zu pflegen“, schimpfte Michael Groß (Grüne). „Die Debatte wird ideologisiert, das humanitäre Wirken spielt bei Ihnen keine Rolle.“

Adressdebatte trat in den Hintergrund

Und selbst Michael Heupel (CDU) tat die Debatte leid, „beglückwünschte“ Gräbener allerdings, dass dessen Äußerungen dazu führe, dass viele CDU-Vertreter nun doch gegen die Ehrung stimmten. Dirk Bender (SPD) beantragte den „Schluss der weltschmerzpolitischen Debatte, weil sie mir unwürdig erscheint“.

Dabei ging fast unter, dass es noch eine Kontroverse um die Adresse des Klinikums gab. Wenn schon nicht Walter-Krämer-Platz 1, dann doch wenigstens „Kreisklinikum am Walter-Krämer-Platz“ mit Weidenauer Straße als Adresse. Dies wurde aber nur als Anregung mitgegeben und war nicht Teil der Abstimmung. Das reichte aber dafür, dass Teile der Grünen gegen die Benennung des „bestenfalls drittklassigen Platzes“ (Michael Groß) nach Walter Krämer stimmten, „der ansonsten namenlos geblieben wäre“.

 
 

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