Hoffen auf Treffer in Datenbank

Rund 300 Menschen bildeten eine Lichterkette - vom Tatort an der Tiergartenstraße bis zur Hammerhütte. Sie erinnerten an den Mord von Bianca Burbach.
Rund 300 Menschen bildeten eine Lichterkette - vom Tatort an der Tiergartenstraße bis zur Hammerhütte. Sie erinnerten an den Mord von Bianca Burbach.
Foto: WR

Siegen. Das Netz zieht sich immer weiter zu um den Mörder von Bianca Burbach: Eines Tages, so hofft der zuständige Kapitaldezernent der Siegener Staatsanwaltschaft, Patrick Baron von Grotthuss, wird es in der DNA-Datenbank des Landeskriminalamtes einen Treffer geben.

Denn wenn der Täter in Folge eines anderen Verbrechens eine Speichelprobe abgeben wird und der routinemäßige Abgleich bei der Behörde in Düsseldorf erfolgt, wird der vor genau fünf Jahren geschehene Mord endlich aufgeklärt sein.

Am Abend des 25. April 2007 wurde die 30-jährige Bianca Burbach gegen 23 Uhr mitten in der Stadt Siegen von einem Unbekannten vergewaltigt und – so die offizielle Verlautbarung der Ermittlungsbehörden – „durch Gewalt gegen den Hals“ umgebracht.

Auf dem Heimwegvon Täter überfallen

Bianca Burbach war zuvor im Restaurant des Lyz in der St. Johann-Straße gewesen und befand sich auf dem Heimweg in Richtung Freudenberger Straße. Auf dem Fußweg wischen der Hufeisenbrücke und der Tiergartenstraße muss sie ihrem Mörder begegnet sein. Eine Frau, die am Mittag des 26. April ihre Hunde dort ausführte, fand ihre Leiche an einem Trampelpfad, der von dem Fußweg wegführt.

Beim Polizeipräsidium in Hagen wurde unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Norbert Rautenberg eine Mordkommission eingerichtet, die in den nächsten Wochen 500 Spuren-Komplexe verfolgte, wie es in der Sprache der Ermittler heißt. 4500 Personen wurden befragt, vernommen, überprüft. 2300 Männer wurden zu einer Speichelprobe gebeten.

Alle Verwandten, Bekannten, Nachbarn und Arbeitskollegen der jungen Frau, die Mutter eines Kindes war, Sozialpädagogik studierte und zuletzt in einer Einrichtung der Stadt Kreuztal tätig war, wurden befragt oder überprüft. Die Mordkommission ging dabei von verschiedenen Annahmen aus: Es kann sich sowohl um eine flüchtige Bekanntschaft zwischen Opfer und Täter als auch um einen gänzlich fremden Täter handeln, für den Bianca Burbach ein Zufallsopfer gewesen ist.

Staatsanwalt Baron von Grotthuss geht inzwischen aber davon aus, dass der Mord an Bianca Burbach keine so genannte „Beziehungstat“ gewesen ist. „Bei einem solchen Vorgehen und einer solchen Brutalität liegt ein erhebliches Maß an krimineller Energie vor“, die nur einem ausgewiesenen Gewalttäter zuzuschreiben ist.

DNA-Proben nachjedem Gewaltdelikt

Auch wenn der Unbekannte fünf Jahre unauffällig geblieben ist: Sobald er ein weiteres Gewalt- oder Sexualdelikt oder einen Einbruch begangen hat, wird eine DNA-Probe fällig. In einem anderen Mordfall führte dies zum Täter: Bei der 1993 in Ferndorf ebenfalls von einem Unbekannten erstochenen Peggy Becker, deren Mörder acht Jahre später auf Grund der Spuren, der er an einer Zigarettenkippe hinterlassen hatte, überführt und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

Immer noch aktuell sind die Fragen, die die Mordkommission nach mehrmonatigen Ermittlungen stellte: Dabei geht es vor allem um Personen, die nach dem 25. April 2007 ihr normales Umfeld ohne erkennbaren Grund verlassen oder sich nach diesem Zeitpunkt psychisch verändert haben. Zur Ergreifung des Täters ist nach wie vor eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

 
 

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