Hickhack um Walter-Krämer-Platz in Siegen

Klaus Dietermann (links) und Erwin Wortelkamp auf dem Walter-Krämer-Platz.
Klaus Dietermann (links) und Erwin Wortelkamp auf dem Walter-Krämer-Platz.
Foto: Jens Plaum
Der Walter-Krämer-Platz vor dem Kreisklinikum ist eröffnet. Und auch wieder nicht. Denn der offizielle Akt am Freitag ist kurzfristig abgesagt worden. „Dies ist keine offizielle Einweihung“, sagte Klinikgeschäftsführer Bertram Müller am Freitagnachmittag der Gruppe von rund 50 Menschen, die trotzdem gekommen waren.

Weidenau.  Die soll nachgeholt werden. Wann, das sei noch nicht klar.

Aufgrund eines „Büroversehens“, wie das Krankenhaus mitteilt, konnte „nicht sicher gestellt werden, dass alle relevanten Akteure und Gruppen – einschließlich des Kulturausschusses des Rats und der Kreistagsfraktion von Die Linken – eine Einladung für das für Stadt und Region so wichtige Ereignis erhielten“. Bürgermeister Steffen Mues, erklärte Bertram Müller weiter, habe am Donnerstag gesagt, der Termin müsse abgesagt werden.

Weder Fraktionen, noch Kulturausschuss, noch Rat erhielten eine schriftliche Einladung. Ebenso wenig wurden die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, das Aktive Museum Südwestfalen und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) auf offiziellem Weg über die Feierlichkeiten am 14. November in Kenntnis gesetzt. „Das ist mehr als peinlich“, sagte Klaus Dietermann. Der Leiter des Aktiven Museums schreibt derzeit eine neue Walter-Krämer-Biografie und arbeitete im Vorfeld eng mit Künstler Erwin Wortelkamp – er gestaltete den Platz – zusammen.

Arzt von Buchenwald

Und er gab einen kurzen Abriss des Lebens des als Arzt von Buchenwald bekannt gewordenen Humanisten. 1892 in Siegen in ein national-konservatives Elternhaus geboren, tritt er 1920 in die KPD ein. Im April 1932 wird er Abgeordneter im Preußischen Landtag und 1933 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet. In Freiheit kommt er nie wieder. Er rettet im KZ vielen Menschen das Leben. Am 6. November 1941 erschießt ihn ein SS-Scherge hinterrücks, erläuterte Klaus Dietermann. Im Jahr 2000 erklärt ihn die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zum Gerechten unter den Völkern.

„Nur seine Heimatstadt Siegen tut sich bis heute schwer mit einer offiziellen Anerkennung“, so der Museumsleiter weiter. „Was niemand begreifen kann, der sich das Schicksal Walter Krämers, seine mutige und selbstlose Hilfe vor Augen führt.“

Der Künstler ist da

Erwin Wortelkamp erläuterte am Freitag ebenfalls seine Arbeit. „Respekt bestimmte mein Gedenken“, sagte er. „Walter Krämer war ein Helfender.“ Das sei der „Überbau“ gewesen. Auf der Fläche vor dem Kreisklinikum findet sich eine Stele mit dem Porträt Walter Krämers sowie in einiger Entfernung eine Hand aus Bronze. Zudem ist eine weitere Bronze an der Krankenhauswand angebracht. Auf Basalt-Lava-Platten ist Emmanuel Lévinas’ Satz „Die Sorge für den anderen siegt über die Sorge um sich selbst“ zu lesen.

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