Heimatforscher und SA-Mann Otto Krasa

Der Heimat- und Verschönerungsverein Gosenbach zeigt in einer Ausstellung Leben und Wirken Otto Krasas.
Der Heimat- und Verschönerungsverein Gosenbach zeigt in einer Ausstellung Leben und Wirken Otto Krasas.
Foto: Jens Plaum
Der Gosenbacher Otto Krasa gilt als versierter Heimatforscher. Er war aber auch Mitglied der NSDAP. Eine Ausstellung will sein Leben nachzeichnen.

Siegen..  Otto Krasa war ein Pionier. Sein Beitrag zur archäologischen Erforschung des eisenzeitlichen Siegerlands gilt als wegweisend. Otto Krasa war auch Mitglied der NSDAP. Otto Krasa war in der SA. Eine Ausstellung zum 125. Geburtstag in der Gosenbacher Heimatstube zeigt Leben und Wirken des Lehrers.

„Wenn etwas aufzudecken ist, muss es aufgedeckt werden“, sagt Krasas Enkelin Annemarie Utsch anlässlich der Eröffnung. Er war in der Partei. Er war bereits früh in der Partei. „Aber er war kein Gesinnungsnazi“, betont ihr Bruder Dr. Johannes Utsch.

1927 tritt Otto Krasa erstmals der NSDAP bei, heißt es im Regionalen Personenlexikon von Historiker Dr. Ulrich Opfermann. Er tritt aus und wieder ein und wieder aus, um ab 1. Mai 1933 wieder dabei zu sein. Ab 1933 war er auch im Nationalsozialistischen Lehrerbund und in der SA. Das Entnazifizierungsverfahren nach dem Krieg endet für Otto Krasa vor der Berufungsspruchkammer in Kreuztal mit der Gruppierung „Tragbar als Hauptlehrer mit der Kategorie V“, schreibt Archäologe Dr. Manuel Zeiler in der 17. Ausgabe der Siegener Beiträge.

Aber: „Die verfügbaren Quellen über die NS-Zeit sind schütter und verstreut“, gibt er zu bedenken. „Eine sichere Rekonstruktion der Aktivitäten Krasas“ zwischen 1936 und 1947 sei nicht möglich.

Exkursionen und Uniformen

Die Ausstellung versucht anhand von Fundstücken, Zeitungsschnipseln und Hinterlassenschaften aus Otto Krasas Nachlass das Leben des Lehrers nachzuzeichnen. Fotos zeigen ihn in Uniform, auf Exkursion mit seinen Schülern, bei Grabungen im Siegerland. Das Lineal, das er ständig in der Tasche trug, wie seine Enkelin erläutert, findet sich ebenso in den Schaukästen wie Dokumente aus dem Entnazifizierungsverfahren. Teilnehmer einer eisenzeitkundlichen Führung bedanken sich per Postkarte mit einem Heil Hitler für die umfassenden Informationen.

„Ich habe ihn nie rassistisch erlebt“, betont Johannes Utsch. Otto Krasa sei ein nachdenklicher Typ gewesen, der sich mit seinen Aufzeichnungen gern an den Schreibtisch zurückzog. Er habe keine moralische, keine strafrechtlich relevante Schuld auf sich geladen.

Manuel Zeiler zieht in den Siegener Beiträgen auch die Forschungen Paul Weiershausens und Heinz Gehaghels zu Rate. Sein Ergebnis: Die „ideologische Zurückhaltung“ Otto Krasas werde „noch deutlicher“.

Die Ausstellung ist am Sonntag, 28. Juni, 11 bis 16 Uhr in der Heimatstube am Wilhelm-Siebel-Weg zu sehen.

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