„Haus für Haus stirbt Dein Zuhause“

Die Grafik zeigt, wie der Kreisverkehr in der neuen Mitte Eiserfeld nach seiner Fertigstellung aussieht.
Die Grafik zeigt, wie der Kreisverkehr in der neuen Mitte Eiserfeld nach seiner Fertigstellung aussieht.
Foto: Stadtverwaltung (honorarfrei)
Eiserfeld soll sein Gesicht bewahren. Mit einer neuen Gestaltungssatzung will die Verwaltung die traditionellen Merkmale des Ortsbilds erhalten.

Eiserfeld.  Seit Montag können Bürgern sich in einer Ausstellung im Sparkassengebäude über die Pläne informieren.

43 Seiten mit Bauvorschriften: Manche Menschen könnten das als Gängelei empfinden.

Michael Stojan: Negativ betrachtet könnte man es als „Gängelei“ bezeichnen, dass wir nicht wollen, dass baulich jeder macht, was er will. Positiv formuliert könnte man sagen, dass wir an den Gemeinsinn appellieren: Die typische Siegerländer Architektur erhalten, anstatt irgendwelchen Bau-Kuddel-Muddel voranschreiten zu lassen.

Was spricht gegen Bau-Kuddel-Muddel? Es hat doch etwas für sich, wenn jeder Bürger sein Haus nach eigenem Gusto gestalten kann.

Die Kehrseite ist aber, dass dann schrittweise die Identität des Ortes verloren geht. Die Tendenz beobachte ich in Eiserfeld seit Jahren. Entscheidend ist allerdings, dass wir eine solche Satzung nicht als Verwaltung von außen aufzwingen, sondern dass der Antrieb dafür aus dem Ortsteil selber kommt, weil dort die Probleme erkannt werden. Grelle Fassadenfarben, übergroße Werbeflächen, ein abenteuerlicher Stilmix: Wenn man dagegen nichts unternimmt, sieht Eiserfeld in zehn Jahren aus wie unzählige andere Ortsteile in Deutschland.

Warum auch nicht?

Es gibt einen Satz aus den 70ern: „Haus für Haus stirbt Dein Zuhause“. Die Identität eines Stadtteils wird durch die traditionellen Ortsbildfaktoren bestimmt – darum sprechen sie die Emotionen an und liegen den Menschen am Herzen. Neu hinzugekommene Gebäude, die einmal als modern galten, werden dagegen oft selbst lange nach ihrem Entstehen noch als störende Fremdkörper empfunden. Die bauliche Identität ihres Heimatortes liegt den Leuten oft am Herzen.

Und Eiserfeld ist so spezifisch, dass es im Vergleich zu Stadtteilen wie etwa Weidenau oder Geisweid grundlegende Unterschiede gibt?

Geisweid und Weidenau, um bei den Beispielen zu bleiben, haben in den 60er und 70er Jahren ein völlig neues Ortsbild entwickelt. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass die Menschen sich damit so identifizieren können wie mit traditionell gewachsenen Strukturen.

Wenn alles immer beim Alten bleibt – ist das erstrebenswert?

Darum geht es ja gar nicht. Wir wollen das Bestehende pflegen – und bei erforderlichen Neu- und Umbauten zeitgemäß gestalten und dabei Bezüge zu den traditionellen Merkmalen herstellen. Das ist Evolution. Nehmen Sie das Eisdielen-Gebäude gegenüber der Sparkasse in Eiserfeld: Das ist ein sehr gelungenes Beispiel, denn es verbindet moderne Architektur mit den prägenden Elementen des Ortsbildes.

Wie kam die Gestaltungssatzung denn zustande?

Das geschah aus dem Ortsteil heraus. Im Jahr 2010 hat sich der Runde Tisch gebildet, an dem sich Menschen aus unterschiedlichen Gruppierungen des Stadtteils beteiligt haben. Hier sollte nicht weiter mit der Entwicklung der vergangenen Jahre gehadert, sondern mit dem Blick nach vorn geschaut werden, mit welchen Maßnahmen das Leben im Stadtteil verbessert werden kann. Zwei Arbeitsgruppen haben sich gebildet, es gab Rundgänge – und schließlich das Ergebnis, dass eine Gestaltungssatzung erforderlich ist, um Eiserfelds Identität zu erhalten.

Diese Satzung schreibt nun vor, welche Farben erlaubt sind, dass Fassaden symmetrisch sein sollen, wie die Dächer auszusehen haben – und wie nicht...

Das ist ein Gestaltungsrahmen, den die Mitglieder der Arbeitsgruppe für sinnvoll und erforderlich halten, um die Ziele zu erreichen. In Langenholdinghausen hat sich in den 90er Jahren ebenfalls eine solche Gestaltungssatzung aus dem Ort heraus entwickelt. Dort klappt das sehr gut – und da haben wir bisher auch für jede Frage eine Lösung gefunden.

 
 

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