Hauberg können nicht nur Siegener

Jens Plaum
Die Ansichtskarte zeigt Siegen vom Häusling aus gesehen, und zwar 1912. Alles andere als schön fand Hans Kruse den Schornstein zwischen St. Marien und Nikolaikirche.
Die Ansichtskarte zeigt Siegen vom Häusling aus gesehen, und zwar 1912. Alles andere als schön fand Hans Kruse den Schornstein zwischen St. Marien und Nikolaikirche.
Foto: Stadtarchiv
Ein Blick von außen öffnet manchmal völlig neue Perspektiven. Zum Beispiel die, dass die für das Siegerland typische Haubergswirtschaft auch in anderen Teilen Deutschlands durchaus ihre Anhänger fand.

Siegen.  Den Nachweis führt der Baseler Historiker Heiko Haumann in der 19. Auflage der Siegener Beiträge, dem Jahrbuch zur regionalen Geschichte..

Der Wissenschaftler ist einer von zehn Autoren, die nicht zwangsläufig in der Region leben müssen, aber doch jede Menge Wissenswertes und Aufschlussreiches über das Siegerland zu berichten wissen. Eine Auswahl.

Holz

Hauberg, das ist im Schwarzwald das so genannte Rüttibrennen. Es ist heute nicht so verbreitet im Süden Deutschlands wie die Niederwaldwirtschaft im Siegerland, schreibt Heiko Haumann. Allerdings war es „ebenfalls wichtig für die Gestaltung der heutigen Kulturlandschaft.“ Demnach ähnelten sich Arbeitsabläufe, die sozioökonomischen Effekte waren ebenfalls vergleichbar. Sie haben, so erläutert der Experte, ähnliche Ursprünge, „doch sind die Unterschiede bei diesen beiden Formen [...] nicht zu übersehen“. Dennoch ermöglichten sie „über Jahrhunderte ein nachhaltiges, den Ressourcen angepasstes Wirtschaften“.

Eisen

Stefanie Menic widmete sich Paul Theis und den Ausgrabungen eisenzeitlicher Fundstellen in der Leimbach. Die Bonner Archäologin untersuchte die Möglichkeiten, Grabungsfunde, die aus der frühen Phase der „Siegerländer Vorgeschichtsforschung“ heute noch zu erörtern und zu bewerten. Ihr Beispiel: der Siegener Paul Theis. Er sei, schreiben die Herausgeber, die Geschichtswerkstatt Siegen, im Gegensatz zu anderen, bekannteren Freizeit-Archäologen wie Otto Krasa,weitgehend vergessen. Er war an den Entdeckungen der latènezeitlichen Fundstellen Leimbach, Höllenrain und Minnerbach beteiligt.

Was hat es mit Burgen auf sich? 

Olaf Wagener hat in Siegen studiert und arbeitet inzwischen an der Universität Heidelberg. Er näherte sich dem Thema Burgen aus einer sprichwörtlich neuen Perspektive, betonte Bernd Plaum, Vorsitzender der Geschichtswerkstatt. Anhand der Beispiele Schloss Junkernhees und Ginsburg legt der Kunsthistoriker dar, wie die Burganlagen „früher wahrgenommen wurden und wie sie heute wahrgenommen werden“.

Die Stadt

Gleich zwei Texte beschäftigen sich mit Siegen und der in Teilen problematischen Rezeption der Stadt auf den sieben Hügeln. Bernd Plaum erinnert an Hans Kruse und seine Schwierigkeiten mit der Stadtentwicklung während der Hochindustrialisierung. Insbesondere in den neuen Bezirken, die außerhalb der alten Stadtmauern an Sieg, Weiß und Alche entstanden: „Diesem Tohuwabohu von Wohn- und Werkstätten, Villen und Mietskasernen entspricht nun auch der Stil der Häuser in den neuen Stadtteilen“, sagt er 1910 in einer Rede vor Mitgliedern der Siegener Ortsgruppe des Bundes deutscher Bodenreformer mehr oder weniger ernüchtert. Autor Peter Kunzmann wiederum beschreibt die „Leiden des jungen Vormweg“ – die Notizen des Literaturkritikers und Publizisten Heinrich Vormweg zu Siegen.

Im nächsten Jahr

2015 gibt es gleich eine doppelte Veröffentlichung der Geschichtswerkstatt. Zum einen erscheint einen Sonderband zur Baugeschichte des Mädchengymnasiums, des Lyz. Das zentrale Thema der 20. Jahrbuchs ist der Erste Weltkrieg, kündigte Stadtarchivar und Bernd Plaums Stellvertreter Ludwig Burwitz am Dienstag an.

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