Gewalt in der Fußball-Kreisklasse hat ein Nachspiel

Der VfB Weidenau tritt am Sonntag nicht gegen Anadolu Türk Spor Neunkirchen an – aus Protest.
Der VfB Weidenau tritt am Sonntag nicht gegen Anadolu Türk Spor Neunkirchen an – aus Protest.
Foto: FUNKE Foto Services
Die mutmaßliche Attacke eines Spielers von Anadolu Neunkirchen auf einen Gegenspieler hat ein Nachspiel. Der VfB Weidenau tritt gegen Anadolu nicht an, auch Freudenberg erwägt einen Boykott.

Siegen-Wittgenstein..  Die Gewalt zwischen Spielern und gegen Schiedsrichter in den unterklassigen Ligen ist in Siegen-Wittgenstein in den vergangenen Jahren zwar zurückgegangen. Ein aktueller Fall sorgt aber für Empörung.

Boykott in kommender Saison?

Abgesagt – die Partie am vorletzten Spieltag der Fußball-B-Kreisliga-1 zwischen Anadolu Türk Spor Neunkirchen und dem VfB Weidenau findet nicht statt. Der VfB Weidenau reagiert damit auf einen Zwischenfall am vergangenen Wochenende. Spieler von Anadolu Türk Spor Neunkirchen sollen nach der Partie die Kabine von Fortuna Freudenberg II gestürmt haben. Ein Fortuna-Spieler (22) soll geschlagen und gewürgt worden sein. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.

„Ich habe schon vor 20 Jahren gegen den Verein gespielt“, sagt Mieke Rosenthal. Dem Sportlichen Leiter von Fortuna Freudenberg ist die Verärgerung anzuhören. „Die Spiele waren schon damals eine Katastrophe. Das hat sich nicht gebessert.“ Viele Vereine hätten ein mulmiges Gefühl, wenn sie gegen den Club spielten. Fortuna Freudenberg denke daher darüber nach, in der kommenden Saison nicht mehr gegen Anadolu anzutreten. „Wir warten jetzt aber erstmal die Verhandlung der Kreisspruchkammer ab“, sagt Rosenthal. Am Dienstag wird der Fall verhandelt. Droht in Siegen-Wittgenstein in der kommenden Saison ein Fall, wie in der Kreisliga in Essen? Dort wurde der Kreisligist BV Altenessen zum Synonym für Gewalt im Amateurfußball. Aus Protest gegen brutales Verhalten traten 14 Teams nicht mehr gegen die zweite Mannschaft des BVA an. Den Meistertitel wird die Multikulti-Truppe am grünen Tisch gewinnen.

Zunahme derber Beleidigungen

In Siegen-Wittgenstein wurde wegen exzessiver Gewalt auf den Fußballplätzen in der Kreisliga 2006 ein kompletter Spieltag abgesagt. „Davon sind wir weit entfernt“, sagt Rolf Blecher, Vorsitzender der Kreisspruchkammer Siegen-Wittgenstein. In dieser Saison sei die Kammer rund 30 Mal zusammengekommen, um gegen Fußballer zu verhandeln. Bei einem Großteil der Fälle sei es um derbe Beleidigungen gegangen. Die Kammer wird dann einberufen, wenn eine Strafe oberhalb von vier Wochen Sperre im Raum steht. „Ausdrücke wie ‘Wichser’ oder ‘Fick dich’ haben zugenommen“, sagt Blecher.

Was den Sportlichen Leiter von Fortuna Freudenberg besonders ärgert, ist die Sprachlosigkeit der Vertreter von Anadolu Neunkirchen. „Keiner aus dem Verein hat sich bei uns gemeldet. Es gab keine Entschuldigung. Kein Wort – nichts.“ Der 22-jährige Fortunaspieler der attackiert wurde sei eine Woche lang krank geschrieben gewesen. „Ich habe für dieses Verhalten null Verständnis.“

Ein Vertreter von Anadolu Türk Spor Neunkirchen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

EURE FAVORITEN