Gesundheit im Berufsleben sichern

Laufbänder unter Stehtischen sind eine Möglichkeit, auch während des Arbeitstages in Bewegung zu bleiben. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase lässt sich so sogar entspannt am PC arbeiten, sagen Fans der Technik.
Laufbänder unter Stehtischen sind eine Möglichkeit, auch während des Arbeitstages in Bewegung zu bleiben. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase lässt sich so sogar entspannt am PC arbeiten, sagen Fans der Technik.
Foto: Florian Adam
  • IHK überzeugt: Investitionen in Gesundheitsprogramme für Mitarbeiter zahlen sich aus
  • Krankenstand sinkt, Leistungsfähigkeit bleibt dauerhaft erhalten
  • Bandbreite von Einzelveranstaltungen bis zu umfassenden Maßnahmenpaketen

Siegen.  Den Vortrag hält Michael Herbst laufend. Zumindest gehend: Während der Geschäftsführer der Nevio Healthcare GmbH beim ersten Gesundheitstag der Industrie- und Handelskammer (IHK) über Bewegung im Arbeitsalltag referiert, schlendert er auf einem Laufband. Es ist eine von vielen Möglichkeiten zur Gesundheitsförderung in Unternehmen, die die IHK vorstellt.

Was haben Unternehmen von Gesundheitsprogrammen?

Eine gesunde Belegschaft ist wirtschaftlicher, weil krankheitsbedingte Ausfälle geringer sind und Motivation und Leistungsfähigkeit steigen. Das klingt zwar banal, fällt aus Arbeitgebersicht aber wegen des demografischen Wandels zunehmend ins Gewicht, wie Stephan Jäger, Leiter des IHK-Referats „Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik“, erläutert. „Wir werden immer weniger und immer älter“, sagt er über die Bevölkerungsentwicklung. Außerdem steige die Lebensarbeitszeit. „Dass Mitarbeiter gesund bleiben wird wichtiger, weil Betriebe auf Ältere angewiesen sind.“

Wieso war das Thema früher nicht so präsent?

„Neu ist das Thema nicht“, sagt Jäger. Von rein pragmatischen Überlegungen aus Unternehmersicht abgesehen gebe es aber auch ein „verändertes Gesundheitsbewusstsein“ in der Gesellschaft, und das nicht nur bei der jüngeren Generation. „Die Erwartungen der Mitarbeiter sind andere als früher.“ Verglichen mit urbanen Ballungsräumen „sind wir wahrscheinlich etwas später als andere“, schätzt Jäger. „Aber auch hier erkennen die Firmen das Potenzial.“

Was für Gesundheitsangebote können Unternehmen ihren Belegschaften machen?

Die Bandbreite, die der Aktionstag in Vorträgen und Workshops vorstellt, umfasst Sport- ebenso wie Infoangebote – etwa über Ernährung, Umgang mit Stress oder Reha-Maßnahmen. Außerdem geht es um Wege, den Gesundheitsgedanken in den Arbeitsalltag zu integrieren. Von einzelnen Angeboten bis zu einem umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) ist vieles möglich. „Es muss zum Unternehmen passen“, betont Jäger. Und zur Belegschaft: „Man muss schauen, was die Mitarbeiter annehmen.“

Was soll ein Laufband unterm Schreibtisch?

Bewegungsfördernde Büromöbel, wie Michael Herbst sie präsentiert, sind eine recht konsequente Variante. Immerhin, so kann er nach seinem Vortrag am Display ablesen, sei er während seiner rund 20-minütigen Ausführungen aber 1200 Schritte gegangen. Experten empfehlen 10 000 Schritte täglich. Die Bedienung eines Computers während des Gehens sei anfangs ungewohnt, aber nach kurzer Eingewöhnung unproblematisch. „Es ist sicherlich nicht etwas für jeden“, räumt Herbst ein. „Aber stellen Sie’s es erstmal in ein Büro und probieren es aus.“

Rentieren sich Ausgaben für Gesundheitsförderung aus Unternehmersicht?

„Es rechnet sich“, ist Stephan Jäger überzeugt – weil die positiven Effekte die Kosten deutlich übertreffen. Wichtig sei, dass Vorgesetzte eine Vorbildfunktion einnehmen und das gesunde Verhalten vorleben.

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- Die Resonanz auf den Gesundheitstag übertreffe die Erwartungen, sagt Stephan Jäger von der IHK. Mit 100 Besuchern hätten die Organisatoren gerechnet, etwa 140 seien erschienen: „Das zeigt, dass wir einen Nerv getroffen haben.“

- Der Gesundheitstag soll zu einer festen Einrichtung in zweijährigem Turnus werden. Darüber hinaus sind, so Jäger, Einzelveranstaltungen und Foren für den Austausch interessierter Unternehmen vorgesehen.

 
 

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