Gericht entscheidet - Wüstenbussard Swami muss weg

Jens Plaum
Wüstenbussard Swami muss die Familie Schmidts verlassen.
Wüstenbussard Swami muss die Familie Schmidts verlassen.
Foto: Jens Plaum
Christine und Bodo Schmidt müssen nach einem Nachbarschaftsstreit Greifvogel Swami abgeben. Das hat das ein Gericht entschieden. Die Familie fürchtet, er wird eingeschläfert.

Freudenberg. Die Weihnachtsfeiertage sind für Bodo und Christine Schmidt eine Zeit des Abschieds. Eine Zeit des schmerzvollen Lebewohl-Sagens. Nach sechs Jahren müssen sich der zukünftige Rentner und die Mitarbeiterin im Öffentlichen Dienst von ihrem Amerikanischen Wüstenbussard Swami trennen. Das Ende eines unschönen Nachbarschaftsstreits.

Möglicherweise einschläfern

Das Amtsgericht hat entschieden. Nachbarn fühlen sich von dem Tier belästigt. Die Hausgemeinschaft – sechs Wohnungen gibt es insgesamt in dem Haus – hatte sich vor rund zweieinhalb Jahren nach den Beschwerden eines Mieters dafür ausgesprochen, das Tier abzuschaffen. Es soll unbotmäßig laut gewesen sein. Zudem soll es jemanden angesprungen haben, so der Vorwurf. „Unsinn“, sagt Bodo Schmidt. „Der Vogel ist ein Fluchttier“.

Seitdem quälte die Schmidts diese furchtbare Ungewissheit: Was wird mit dem Vogel geschehen? Seit einigen Tagen haben sie Gewissheit. Bis zum Sonntag, 28. Dezember, muss das Tier das Grundstück verlassen.

Der sechs Jahre alte Vogel ist bei den Schmidts aufgewachsen. Und er hat einen Job. Das Paar geht mit dem Tier dort auf Beutezug, wo der gemeine Jäger und sein Gewehr nicht erwünscht sind, zum Beispiel auf Friedhöfen oder in Parks: „100 bis 130 Kaninchen schafft Swami in der Saison“, erzählt Bodo Schmidt. Die Freudenberger sind dafür unter anderem in Frankfurt, Köln oder Siegen unterwegs. Auch auf Mittelaltermärkten zeigen sie, was das Tier kann.

Zwei Schwungpennen fehlen

Allerdings fehlen dem Vogel inzwischen zwei Schwungpennen. Das sind Teile des Gefieders. Was dem Laien kaum auffällt, ist unter Kennern ein Makel. Ein Makel, der dafür sorgen könnte, dass der Wüstenbussard in knapp drei Wochen möglicherweise eingeschläfert werden muss. Denn mit den fehlenden Schwungpennen kauft ihn kein anderer Falkner, betont Bodo Schmidt. Selbst geschenkt will ihn niemand haben.

Das Tier auf einem anderen Grundstück unterbringen, ist keine Option. „Ich muss immer in der Nähe sein“, sagt der 61-Jährige. Tagsüber ist Swami auf einer Wiese hinter dem Haus an einen vier Meter langen Flugdraht gebunden. Links und rechts der Schnur bleiben dem Vogel jeweils 40 Zentimeter Bewegungsfreiheit. Am Abend kommt der Vogel in sein Nachtquartier.

Hoffen auf ein Wunder

Swami und die Jagd sollten eigentlich eine Aufgabe für den Ruhestand werden. Das grüne Abitur, den Jagdschein, hat er erworben. Dazu noch eine Falknerlizenz. Zwischen 8000 und 10 000 Kilometer fahren die beiden jedes Jahr mit ihrem Vogel. Swami stürzt sich sogar in Weinbergen auf Kaninchen und andere unerwünschte Tiere, erzählen die beiden Tierfreunde nicht ohne die gewisse Portion Stolz, die für dieses Hobby nötig ist.

Das ist nun vorbei. Wenn nicht doch noch ein kleines Weihnachtswunder geschieht.