Gegen das Vergessen und zu Ehren der Opfer

Stolpersteine erinnern an die schrecklichen Verbrechen im dritten Reich.
Stolpersteine erinnern an die schrecklichen Verbrechen im dritten Reich.
Foto: WAZ FotoPool

Siegen..  Stefan Kummer hat sich mit einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte befasst. Der Student der Geschichts- und Politikwissenschaft an der Uni Münster hat im Rahmen seiner Magisterarbeit versucht, Opfern der „NS-Euthanasie“ im Siegerland „ihre Identität wiederzugeben“. Seine Arbeit wird ab dem 28. Oktober und bis zum 16. Dezember im Aktiven Museum (AMS) ausgestellt.

Mindestens 300 000 Menschen mit Behinderungen oder einer psychischen Krankheit wurden zum „Wohle der Reinheit des Volkskörpers“ vom Naziregime ermordet, weiß Kummer. darunter mindestens 100 Menschen aus dem heutigen Kreis Siegen-Wittgenstein. „Obwohl die NS-Euthanasie die erste systematisch durchgeführte Massentötung im Dritten Reich war, beginnt die regionale Aufarbeitung dieses Kapitels der NS-Vergangenheit gerade erst“, sagt Kummer, der selbst im Vorstand des AMS tätig ist. Durch eine Förderung im Rahmen des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenzen stärken“ wird Stefan Kummer die Möglichkeit gegeben, die Ergebnisse seiner Magisterarbeit in angepasster Form in einer Ausstellung der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen. „Der erste Teil stellt die Vorgeschichte und den Ablauf der Morde dar, legt den Schwerpunkt jedoch auf die Opfer“, erklärt Kummer. Es werden die Lebensgeschichten von fünf Menschen anhand von überlieferten Patientenakten, Dokumenten und Zeitzeugenberichten nachgezeichnet. „Dieser Teil der Ausstellung hat zum Ziel, die Opfer der Region aus der Anonymität herauszuheben, die Menschen zu würdigen und ihrer zu gedenken.“

Im zweiten Teil stellt der Student einen Bezug zum heutigen Umgang mit behinderten Menschen her. Dabei ist der Awo-Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe als Kooperationspartner in Erscheinung getreten. Drei Lebensgeschichten von Menschen mit verschiedenen Behinderungen aus Siegen zeigen, „dass unsere Gesellschaft inzwischen in vielen Bereichen auf Inklusion setzt, in anderen aber das Leben für Menschen mit Behinderungen noch sehr schwer ist.“

Arbeiten, Wohnen und sich im öffentlichen Raum bewegen ist trotz vieler Fortschritte noch immer mit vielen Hindernissen für Menschen mit Behinderungen verbunden. Das AMS und die Awo wollen mit gutem Beispiel vorangehen und arbeiten derzeit an einer Lösung für das Barriereproblem, das auch im Museum besteht. Um es auch für Rollstuhlfahrer befahrbar zu gestalten, muss nämlich noch eine Rampe gebaut werden.

 
 

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