Für freie Fahrt auf der HTS zwischen Krombach und Mudersbach

Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßen NRW vor dem Bühltunnel.
Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßen NRW vor dem Bühltunnel.
Foto: Nils Balke
  • Straßen NRW gibt Strecke zwischen Siegen und Niederschelderhütte am nächsten Freitag frei
  • Team des Landesbetriebs überprüft die Technik im Bühltunnel
  • Projektkosten betragen insgesamt rund 100 Millionen Euro

Siegen. Der Landesbetrieb Straßenbau schließt die letzte Lücke der Hüttentalstraße: den Abschnitt, der noch fehlte, für freie Fahrt von der A4-Anschlussstelle Kreuztal-Krombach bis ins rheinland-pfälzische Mudersbach. Am nächsten Freitag wird die HTS-Strecke zwischen Siegen und Niederschelderhütte für den Verkehr freigegeben. „Ein Highlight“, sagt Straßen-NRW-Sprecher Karl-Josef Fischer bei einem Spaziergang über das drei Kilometer lange Teilstück, das rund 100 Millionen Euro gekostet hat.

Obwohl die Straße noch gesperrt ist: Wer hier entlangläuft, muss aufpassen. Nacheinander rollen Baufahrzeuge an. In Richtung Niederschelderhütte wird die Asphaltoberfläche aufgetragen. Daniel Kremer, Bauüberwacher des Landesbetriebs, räumt ein, dass einiges „auf den letzten Drücker“ geschehe. Er sieht die Arbeiten aber im Zeitplan, hält den Fortschritt im Blick.

Noch nicht fertig: die Lärmschutzwände in Höhe der Dreisbachsiedlung. Die Betonmauern stehen zwar; doch die zwei Meter hohen Glaselemente, die darauf aufsetzen, fehlen noch. Um die Anwohner vor Verkehrslärm zu schützen, wird die zugelassene Geschwindigkeit auf den vorerst einspurigen Fahrbahnen zunächst 60 km/h betragen, wie Fischer erklärt. Später sollen dann 100 km/h auf jeweils zwei Spuren erlaubt sein.

„Wir haben auch in Optik investiert“, sagt Fischer und zeigt auf die Natursteinverblendungen an der Strecke. Was ihn stört: Graffiti auf den Steinen. „Wir zahlen hunderttausende Euro und dann kommen schon die Schmierfinken.“

Nach rund eineinhalb Kilometern trennt sich die Straße. Der Abzweig Eiserfeld wird erst im Mai 2017 komplett fertiggestellt sein, der Bühltunnel indes ist fertig. Um Unbefugten – vor allem nachts – keinen Zutritt zu ermöglichen, hat der Landesbetrieb am Tunneleingang einen Zaun mit Stacheldraht errichtet. „Wir haben aus dem Tunnel einen Hochsicherheitstrakt gemacht“, sagt Fischer.

Der Bühltunnel hat 26,5 Millionen Euro gekostet; 4,5 Millionen entfallen auf die Ausstattung. „Modernste Technik“, sagt Fischer. Ein Team von Straßen NRW aus Gelsenkirchen überprüft die barrierefreie Notrufanlage an der Tunnelwand, die SOS-Kabine, kontaktiert die Leitstelle in Hamm, die den Tunnel rund um die Uhr überwacht – alles funktioniert einwandfrei.

Auch die Lautsprecherdurchsagen im Tunnel. Eine Frauenstimme ist zu hören: „Hier spricht die Leitstelle. Benzin oder Öl auf der Fahrbahn. Feuergefahr. Fenster schließen. Rauchen einstellen. Lebensgefahr.“ Eine andere Durchsage gibt Entwarnung: „Die Störung ist behoben. Bitte fahren Sie weiter.“ Die Stimme ist laut, jedes Wort zu verstehen. „Der Klang ist glasklar“, sagt Uwe Köstermann vom Landesbetrieb. Straßen NRW hat in ein ausgeklügeltes Akustiksystem investiert. Die Lautsprecher haben eine gezielt begrenzte Reichweite – das verhindert zu viel Hall bei Durchsagen. Vier Ventilatoren belüften den 525 Meter langen Tunnel. An den Eingängen ist die Beleuchtung intensiver, um Autofahrer langsam an sich verändernde Lichtverhältnisse zu gewöhnen.

Die Leitstelle meldet sich noch einmal. Doch diesmal handelt es sich nicht um einen Lautsprechertest. Die Kameras haben zwei Personen ohne Warnweste im Tunnel eingefangen. Wer das ist, will die Leitstelle wissen. Fischer klärt auf: ein Medienbeauftragter von Straßen NRW und ein Reporter.

Handbuch zum Bühltunnel

Über dem Tunnel befindet sich das Betriebsgebäude – ein flacher Bau mit weißem Anstrich. „Es passt sich architektonisch gut in die Umgebung ein“, findet Fischer, „ist nicht zu auffällig“. Im Innern gibt es hier einen Raum mit Monitoren zur Tunnelüberwachung. Auf dem Schreibtisch liegt ein rotes Handbuch, das mehrere hundert Seiten umfasst. Der Titel: „Bühltunnel – Band I“.

Hinter dem Tunnel führt die Straße weiter zum Mudersbacher Kreisel nach Rheinland-Pfalz, das mit drei Millionen Euro an dem HTS-Projekt beteiligt war. Die Bauarbeiten an der Anschlussstelle Niederschelden werden am 2. Dezember noch nicht abgeschlossen sein, wie Fischer erklärt: „Aber in zwei Wochen, vor Weihnachten“ werde auch hier die Freigabe erfolgen, „wenn das Wetter mitspielt.“ 42 Jahre nach dem Baubeginn der ersten HTS-Teilstücke bringt der Landesbetrieb nun „eines der letzten großen Straßenbauprojekte“ in der Region, so Fischer, zum Abschluss. Auf dem Plan stehe dann noch die Südumgehung Kreuztal.

Info: Mit der Fertigstellung des Teilstücks der Hüttentalstraße zwischen Siegen und Niederschelderhütte hat der Landesbetrieb ein 36 Jahre altes Bauvorhaben umgesetzt.

1980 wird der Beschluss zur durchgehenden HTS gefasst und mit der Umsetzung begonnen.

1983 stoppt ein Gerichtsbeschluss eine dem Flussverlauf der Sieg folgende Variante ohne Tunnel. Weil der Bau teilweise schon begonnen hat, sind später bis ins Jahr 2015 hinein teilweise stark zugewachsene Bauvorleistungen – insbesondere angefangene Brückenpfeiler – zu erkennen.

1988 erfolgt eine Linienneubestimmung, anschließend eine Umweltverträglichkeitsstudie.

1995 werden die Pläne hinsichtlich des Bühltunnels überarbeitet – das verursacht erneut eine jahrelange Verzögerung.

1999 leitet Straßen NRW das Planfeststellungsverfahren ein.

2009 wird der Bauantrag für NRW und Rheinland-Pfalz unterschrieben.

2010 ist der Planfeststellungsbeschluss nach zurückgezogenen Klagen rechtskräftig. Somit besteht erstmals seit den frühen 1980er Jahren Baurecht.

Am 20. Juli 2016 erfolgt die Aufhebung des seit 1986 bestehenden provisorischen HTS-Anschlusses Europaplatz in der Dreisbachsiedlung. Die Straße wird hinter der A45-Anschlussstelle gesperrt, der Verkehr in einer 180-Grad-Kehre zurückgeführt, um die letzte Lücke der HTS zu schließen.

 
 

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