Fünf Jahre Haft für Vergewaltigung und Brandstiftung

Der Feuerwehreinsatz im Sommer 2014 in Hilchenbach nach der Brandstiftung.
Der Feuerwehreinsatz im Sommer 2014 in Hilchenbach nach der Brandstiftung.
Foto: WP
Ein 24-Jähriger hat im Sommer 2014 die Wohnung seiner Ex-Freundin angezündet. Zuvor hat er die junge Frau auch vergewaltigt. Er muss ins Gefängnis.

Siegen/Hilchenbach.. Verteidiger Björn Lange hatte sich viel Mühe gegeben, Zweifel an der Schuld seines Mandanten zu finden. Die 1. Große Strafkammer am Landgericht Siegen unter Vorsitz von Wolfgang Münker konnte er nicht beeinflussen. Sie verurteilte Burak Y. (24) am Mittwoch zu fünf Jahren Gefängnis – so wie von der Staatsanwaltschaft am Ende des Plädoyers beantragt.

Die Richter waren überzeugt, dass der Angeklagte am 22. Juli 2014 seine Ex-Freundin gewürgt und vergewaltigt hatte. Anschließend, so die Kammer, habe er die Wohnung der jungen Frau in Brand gesteckt, in der sie mit ihrer Mutter in Hilchenbach wohnte. Burak Y. habe ein Motiv gehabt: Wut und Enttäuschung darüber, dass seine Freundin ihn habe verlassen wollen und dass sie ihm offenbart habe, keine Jungfrau mehr zu sein. Niemand sonst komme in Betracht, sagte der Vorsitzende und trug die Ereignisse penibel im Minutentakt vor.

Zu dem Strafmaß kam ein erneuter Angriff auf die junge Frau, als sie am 4. September bei einem Vernehmungstermin im Gerichtsgebäude gegen Burak Y. ausgesagt hatte. Ihre Worte hatten den Angeklagten so in Rage gebracht, dass er die Frau schlug und ihr büschelweise Haare ausriss. Diese Tat „in Gegenwart eines Richters, eines Staatsanwaltes, eines Anwaltes, eines Dolmetschers und zweier Wachtmeister“ sei schon „ein starkes Stück“ gewesen, so Richter Wolfgang Münker, der anmerkte, dass die fünf Jahre für alle angeklagten Taten eigentlich auch höher hätten ausfallen können.

Richter kritisiert Staatsanwalt: Deutlich im unteren Bereich des Strafrahmens

In einer für den erfahrenen Juristen ungewöhnlichen Anwandlung kritisierte er damit indirekt den Staatsanwalt, der allein für die Brandstiftung, bei der mehr als 20 Menschen in Lebensgefahr gebracht worden waren und die zur völligen Zerstörung von zwei Wohnungen geführt hatte, mit einer Einzelstrafe von vier Jahren deutlich im unteren Bereich des Strafrahmens geblieben war.

Der Spielraum hätte bis acht Jahre gereicht, „da war noch viel Zeit, über die man hart hätte nachdenken können“, stellte Münker fest. Bei den Beratungen sei es lange darum gegangen, ob eine Erhöhung Sinn mache, was die Kammer „bekanntlich aber bei den Anträgen erfahrener Staatsanwälte selten tut“. Anklagevertreter Patrick Baron von Grotthuss nahm es gelassen.

Für die Kammer stand eindeutig fest, dass Burak Y. fest davon ausging, sein Opfer zu heiraten und damit seinen Aufenthalt in Deutschland zu legalisieren. Er sei mit einem traditionellen türkischen Frauenbild erzogen worden und habe unbedingt eine Jungfrau heiraten wollen. Burak Y. habe an seiner ehemaligen Lebensgefährtin „gehangen wie eine Klette“ und sei der jungen Frau mehr und mehr lästig gefallen.

Abschiebung aus Haft möglich

Als die Frau sich am Tatmorgen im Park der Hilchenbacher Rehaklinik von ihm trennen wollte und ihn mit der Eröffnung, keine Jungfrau mehr zu sein, bewusst schockierte, habe er sie eindeutig gewürgt und sei nicht nur wie von ihm behauptet versehentlich an ihren Hals geraten. Das bewiesen die fotografierten Würgemale am Hals des Opfers. „Wir wollen nicht ironisch werden. Aber im Grunde hat der Angeklagte mit den Taten sein Ziel erreicht. Er kann in Deutschland bleiben. Wenn auch in festem Gewahrsam“, konstatierte Wolfgang Münker mit einem bitteren Lächeln. Auch die Vergewaltigung sei erwiesen. Burak Y. habe sich entschlossen, im Park festzustellen, ob die Frau Jungfrau sei und zumindest bei der Polizei auch zugegeben, gefühlt und nicht nur nachgesehen zu haben. Das reiche für den Vorwurf aus.

Burak Y. blieb weitestgehend reglos, wirkte nur am Schluss der Urteilsverkündung einen Moment aufgebracht. Ob er die gesamte Strafe in Deutschland verbüßen müsse, könne er nicht sagen, überlegte Richter Münker am Ende seiner Ausführungen. Als illegal eingereister Türke sei eine Abschiebung nach der Hälfte oder zwei Dritteln der Haftzeit durchaus möglich.

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