Freudenberger malen selbst einen Zebrastreifen

Ilka Wiese
Vor 50 Jahren wurde in Freudenberg über einen Zebrastreifen gestritten.
Vor 50 Jahren wurde in Freudenberg über einen Zebrastreifen gestritten.
Foto: WP Ted Jones
Vor 50 Jahren griffen die Freudenberger zur Selbshilfe. Nach einem tödlichen Unfall malten sie nachts einen Zebrastreifen auf die Bahnhofstraße. Es gab Streit und sogar Morddrohungen gegen den Kreisdirektor.

Freudenberg.  In der Nacht auf den 31. August 1965 schreiten Freudenberger zur Tat. Mit weißer Farbe pinseln sie einen Zebrastreifen auf die Bahnhofstraße/ Ecke Ost- und Färberstraße, stellen sogar Schilder auf. Dieser Nachtaktion war ein monatelanges Ringen der Bürgerinitiative Ost für den sicheren Fußgängerüberweg vorausgegangen und ein tödlicher Unfall wenige Tage zuvor. Am 13. August starb in der Nähe ein Junge.

50 Jahre später recherchieren Kreisarchivar Thomas Wolf und Studentin Sarinya Dedek auf Anregung des Freudenberger Stadtarchivars Detlef Köppen die Geschichte.

Kreisdirektor erhält Morddrohungen

Der Zebrastreifen galt von 1952 bis 1964 als Empfehlung für Autofahrer. Niemand war zum Halten verpflichtet. Erst 1964 erhielten Fußgänger Vorrang. Das erklärt auch, warum es im Kreisarchiv zwei Ordner für Fußgängerüberwege aus Mitte der 60er Jahre gibt. Deutlich sei in den Unterlagen die Skepsis gegenüber Zebrastreifen in der Bevölkerung zu lesen. Wolf: „Der Freudenberger Fall ist etwas Besonderes. Denn hier wollten die Bürger den Zenrastreifen.“

1. September 1965. Das Landesstraßenbauamt in Siegen entfernt den illegalen Zebrastreifen. Gegen die Pinsler wird ein Strafverfahren wegen Amtsanmaßung eingeleitet. Die Bürgerinitiative macht keinen Hehl daraus, dass sie die Streifen gemalt hat, darunter auch zwei Stadtverordnete. Ihre Argumente: Nach dem Ausbau der Bahnhofsstraße fahren die Autos schneller. Es habe immer wieder Unfälle gegeben, gerade Kinder seien gefährdet. 1961 stellte Kaufmann Flender das erste Mal einen Antrag für den Zebrastreifen vor seinem Geschäft. Eine Verkehrszählung ergab, dass bei 250 Fahrzeugen und 24 Menschen in der Stunde genügend Lücken entstünden, um die Straße zu überqueren. Eine zweite Zählung kommt zum ähnlichen Ergebnis. Die Stadt lehnt den Antrag am 1. März 1965 ab.

Die Bürger sind empört. Kreisdirektor Krämer, der in Vertretung für Oberkreisdirektor Kuhbier, den Zebrastreifen beseitigen lässt, erhält von einem anonymen Anrufer Morddrohungen. Vom 7. bis 12. Oktober 1965 gibt es eine dritte Verkehrszählung. In dieser Zeit passiert erneut ein Unfall. Das Ergebnis von 440 Fahrzeugen und 96 Fußgängern pro Stunde liegt unter dem Sollwert, dennoch wird ein legaler Zebrastreifen beschlossen – allerdings nicht vor dem Geschäft des Kaufmanns Flender, sondern vor der Volksbank.

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