Freizeitbad Netphen fürchtet nach Belästigungsvorwürfen um den Ruf

Die Vorfälle sollen sich in dem Bad abends am 8. Januar ereignet haben.
Die Vorfälle sollen sich in dem Bad abends am 8. Januar ereignet haben.
Foto: Freizeitpark Obernautal GmbH
Eine Frau aus Netphen berichtet auf Facebook über sexuelle Belästigungen durch Flüchtlinge im Freizeitbad. Die Polizei ermittelt.

Netphen.. Dem Freizeitbad Netphen droht ein erheblicher Imageschaden. Grund ist der Facebook-Eintrag einer Frau aus Netphen, die berichtet, Flüchtlinge hätten andere Badegäste sexuell belästigt. „Wir fürchten um unseren guten Ruf“, sagte Bernd Wiezorek, Geschäftsführer des Freizeitbads. „Ich bekomme viele Anrufe, Mitteilungen und Mails. Die Leute wollen wissen, wie sie sich verhalten sollen, ob sie hier noch baden können.“

Die Siegener Polizei hat am Dienstag ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts auf ein mögliches Sexualdelikt eingeleitet. Die Beamten bitten etwaige Zeugen, sich zu melden. „Uns liegen zwar keine Anzeigen vor, aber wir haben die uns geschilderten Sachverhalte gesammelt und entschieden, zu ermitteln“, sagte Polizeisprecher Meik Reichmann.

Die Vorfälle sollen sich am vergangenen Freitagabend ereignet haben. Nach Angaben der Frau soll eine größere Gruppe von Flüchtlingen, zwischen 20 und 25 Personen, das Bad mit einem Betreuer besucht haben. Er habe den Flüchtlingen die Badeordnung übersetzt, sie hätten sich jedoch nicht daran gehalten.

Unter anderem seien sie vom Beckenrand und vom Turm gesprungen – ohne Rücksicht auf die anderen Badegäste. „Es kam zu Ordnungswidrigkeiten, unsere Bademeisterin hat die Gruppe angewiesen, das zu unterlassen“, bestätigt Bernd Wiezorek.

Bei Aquafitness am Beckenrand

Die Frau aus Netphen schreibt, die Männer hätten sich „frech, laut und respektlos“ verhalten. Die Situation sei „eskaliert“, als die Männer sich „dauernd ans Geschlechtsteil“ gefasst hätten und den weiblichen Badegästen hinterher gelaufen seien. Mehrere Frauen, auch sie, hätten das Wasser verlassen und seien in die Umkleide gegangen. Sie habe von dort ihren Mann angerufen, der sie abgeholt habe. „Ich hatte Angst, das Freizeitbad alleine zu verlassen.“

Bernd Wiezorek schilderte, die Männer hätten sich bei einem Aquafitness-Kurs der Frauen „sexuell erregt“ am Beckenrand aufgehalten. Die Bademeisterin habe daraufhin angekündigt, die Polizei zu rufen. Das sei aber nicht geschehen, weil die Gruppe das Hallenbad dann verlassen habe.

In ihrem am späten Montagabend veröffentlichten Facebook-Eintrag erklärt die Frau, sie habe die Stadt Netphen um eine Stellungnahme zu den Vorfällen gebeten, aber keine erhalten. Netphens Bürgermeister Paul Wagener konnte dies nicht bestätigen: „Wir haben unser Postfach mehrfach überprüft, aber keine Anfrage bekommen.“ Er habe erst am Dienstagmorgen von den Schilderungen der Frau erfahren. Daraufhin habe er Bernd Wiezorek um eine Stellungnahme gebeten.

Die Frau aus Netphen berichtet in ihrem Facebook-Eintrag auch von einem anderen Vorfall, der sich vor drei Monaten ereignet habe. Dabei seien Frauen von Flüchtlingen in dem Freizeitbad „begrapscht“ worden. Die Polizei sei vor Ort gewesen, schreibt die Frau. Die Polizei teilte dagegen auf Nachfrage dieser Zeitung mit, dass es keinen Einsatz in dem Freizeitbad gegeben habe.

Bürgermeister Paul Wagener nannte die Facebook-Darstellungen der Netphenerin „übertrieben“ und „dreist“, sprach von einer „bösartigen Lüge“. Gleichzeitig forderte er eine sachliche Aufklärung, warnte vor Hysterie und voreiligen Bewertungen. Wiezorek kündigte indes an, dass er nun Sicherheitspersonal im Freizeitbad einsetzen werde. „Das ist sehr schade, aber wir müssen so handeln.“

Kommentar: Dazulernen müssen alle

Nein, hier wird nichts unter den Teppich gekehrt. Das Geschehen im Freizeitbad hat sich so oder zumindest so ähnlich abgespielt, wie es Badegäste und Freizeitpark GmbH übereinstimmend schildern. Der Vorfall ist skandalös und braucht Öffentlichkeit. Und: Ja, es waren keine Gymnasiasten mit Frohnhausener Urgroßeltern, die weibliche Badegäste belästigt, ­herabgewürdigt und schließlich durch ihr Verhalten aus dem Bad getrieben haben. Sondern es waren Männer, die nach Deutschland geflüchtet sind und keine Neigung zeigen, den Menschen, in deren Land sie leben wollen, respektvoll zu begegnen. Und die, auch deshalb gehört das Thema auf den Tisch, einen Lernprozess zu bestehen haben werden, wenn sie hier eine Zukunft haben wollen.

Hinzulernen dürfen aber auch die Einheimischen. Warum hat niemand die Polizei gerufen, die Sachverhalt und Personalien hätte feststellen können — und damit auch klären können, ob es sich bei der Gruppe mit ihrem angeblichen „Betreuer“ womöglich um Minderjährige handelte, die in der Obhut der öffentlichen Jugendhilfe sind? Warum ist es den Betroffenen und Zeuginnen der Vorfälle wichtiger, neben Erlebnissen vor allem Vermutungen und Verdächtigungen in sozialen Netzwerken im Internet zu verbreiten?

Polizei und Bad-Betrieb werden nun aufklären, was noch aufzuklären ist. Die Menschen, die an jenem Freitag in Angst und Schrecken versetzt worden sind, werden ihr Vertrauen in die Ordnungskräfte ihrer Heimat wiedergewinnen. Und in die Zivilcourage ihrer Mitmenschen, die nicht wegsehen und weglaufen. Das ist ein Wunsch. Der erfüllt werden muss. Weil Zusammenleben anders nicht funktioniert. Steffen Schwab

 
 

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