Freisprüche nach Tod von Frau (90) in Siegen

Das Amtsgericht in Siegen sprach Pflegerinnen frei.
Das Amtsgericht in Siegen sprach Pflegerinnen frei.
Foto: WAZ FotoPool
Zwei Pflegerinnen sollen eine Seniorin fallen gelassen und sich nicht um sie gekümmert haben. Der Staatsanwalt ist nicht von ihrer Schuld überzeugt.

Siegen.. Das Amtsgericht hat zwei Pflegerinnen freigesprochen. Der Staatsanwalt warf ihnen vor, im Oktober 2013 eine 90-Jährige in einem Siegener Heim fallen gelassen zu haben.

Statt sich um die Frau zu kümmern und einen Arzt zu verständigen, sollen sie die Seniorin ins Bett gelegt haben. Wenig später ist sie tot. Von Körperverletzung und Fahrlässigkeit ist seitens der Anklage die Rede. Ursprünglich gar von fahrlässiger Tötung.

Der Notarzt

Der Notarzt stellt Lotte O.’s Tod am Nachmittag des 6. Oktober 2013 fest. „Wir haben keine Reanimationsmaßnahmen eingeleitet“, sagt der 32-Jährige am Montag im Zeugenstand. Der Körper der Frau weist Schürfwunden und Hämatome auf. Ob das die Todesursache war, ist für den Mediziner zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Eine Obduktion macht dafür später eine kardio-pulmonale Insuffizienz aus: Herz-Kreislauf-Versagen.

Die Angeklagten

Eine Pflegefachkraft und eine Pflegeassistentin geraten schnell ins Visier der Ermittler. Immerhin: Das Unglück soll während ihrer Schicht geschehen sein. Die damals 24 und 41 Jahre alten Frauen äußern sich nicht zu den Vorwürfen. Einmal rutscht der jüngeren ein „Das stimmt nicht“ über die Lippen. Allerdings außerhalb des Protokolls.

Die Kollegen

Eine Pflegehelferin findet Lotte O. am Nachmittag in ihrem Bett. „Da war Blut“, sagt sie vor Amtsrichterin Nena Roeske. Sie alarmiert eine Kollegin. Die erkennt gleich „die lebensbedrohliche Situation“, verständigt den Notarzt. Dass Lotte O. an diesem Morgen „aus ihrem Rollstuhl gerutscht“ ist, weiß die 47-Jährige. „Das war Thema bei der Übergabe.“

Sie hat mit der Pflegehelferin am Nachmittag die Schicht von den beiden Beklagten übernommen. Eine Praktikantin sei, so schildert sie am Montag, darüber informiert worden, dass Lotte O. aus dem Rollstuhl gerutscht sei. Gemeinsam mit den beiden Angeklagten hat sie die Seniorin wieder ins Bett gewuchtet, sagt die junge Frau.

Die Polizisten

Beamte riegeln das Zimmer schnell ab. Spezialisten aus Hagen unterstützen die Siegener Kollegen. Sie finden unter anderem Blutspuren auf dem Boden.

Eine Kriminalbeamtin wirft Pflegekräften vor, das Behandlungsprotokoll manipuliert zu haben. Von Verteidigerseite handelt sie sich einen Rüffel ein: „Sie haben sich einen mutmaßlichen Sachverhalt zusammengereimt.“

Das Urteil

„Dass hier etwas vertuscht wurde, ist klar“, sagt Richterin Nena Roeske. Wer allerdings dafür verantwortlich ist, kann sie nicht zweifelsfrei feststellen. Sie folgt damit den Anträgen von Anklage und Verteidigung: Freispruch.

Der Hintergrund

In einer ersten Runde im April dieses Jahres setzte Richterin nena Roeske das Verfahren aus.Gericht, Anklage und Verteidigung hielten es für sinnvoll, Notarzt und Rettungsmannschaft als Zeugen zu hören; sie mussten allerdings erst geladen werden.

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