Flüchtlingsheime – Das Ehrenamt stößt an Grenzen

Boris Schopper
Flüchtlinge bei ihrer Ankunft an der Uni Siegen.
Flüchtlinge bei ihrer Ankunft an der Uni Siegen.
Foto: WP
Das DRK stößt mit der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe an Belastungsgrenzen. Es wird schwerer Freiwillige zu finden – auch weil Firmen Angestellten nicht zu häufig freistellen wollen.

Siegen.  „In ganz Westfalen-Lippe sind ehrenamtliche DRK-Helfer im Einsatz, um Nothilfe zu leisten“, sagte der Siegen-Wittgensteiner Kreisrotkreuzleiter Joachim Steinbrück. „Viele Arbeitgeber sagen mittlerweile, dass sie ihre Angestellten wieder verlässlich an ihrem Arbeitsplatz benötigen. Und das mit Recht.“ Es werde immer schwieriger, kurzfristig ehrenamtliches Personal zu finden.

Allein der DRK-Verband Siegen-Wittgenstein unterstützte in den vergangenen Wochen und Monaten den Aufbau und Betrieb von sechs Unterkünften mit ehrenamtlichen Einsatzkräften: In Burbach, Bad Berleburg und Olpe waren ehrenamtliche Mitarbeiter vor Ort, bis hauptamtliche Kräfte die Flüchtlingsheime übernahmen. In Hagen, Schloss Holte-Stukenbrock und jetzt an der Uni Siegen wurden die Siegen-Wittgensteiner von der Bezirksregierung angefordert, um den Aufbau der Notunterkünfte zu organisieren. Landesweit entstanden rund 40 solcher Einrichtungen. „Diese Aufgabe wurde jetzt viel zu lange auf das Ehrenamt geschoben“, sagte Steinbrück.

Am Montag übergab das DRK die Verantwortung für die Notunterkunft in der Dreifachturnhalle der Uni an die Stadt. Insgesamt waren in den ersten zehn Tagen rund 220 DRK-Helfer im Einsatz. Zwischen 15 und 30 pro Schicht. Die Freiwillige Feuerwehr soll jetzt übergangsweise die Unterkunft betreiben. Da auch die Feuerwehr den Betrieb mit Freiwilligen nur vorübergehend leisten kann, wird im Rathaus an einem Konzept gefeilt, hauptamtliche Mitarbeiter aus verschiedenen Fachbereichen abzuziehen. „Wir befinden uns in Abstimmung mit den Personalabteilungen und dem Personalrat“, sagt Stadtsprecherin Dr. Sabine Schutz.

DRK hat Interimslösung angekündigt

Als die Notunterkunft an der Uni aufgebaut wurde, hatte das DRK laut Steinbrück der Bezirksregierung bereits mitgeteilt, dass das Rote Kreuz nur übergangsweise den Betrieb übernehmen könne. Die Aufbauphase sei besonders personalintensiv. Die Beschaffung und der Aufbau der Betten muss zum Beispiel organisiert werden, auch Toilettenanlagen müssen installiert werden. Dazu stehen Großeinkäufe an: Vom Shampoo über das Toilettenpapier bis zur Zahnbürste. Wenn die ersten Flüchtlinge ankommen, müssen sie registriert werden.

Steinbrück kündigte an, die Feuerwehr im Bedarfsfall mit Personal zu unterstützen. „Wir werden alles tun, um das im Sinne der Kameradschaft und der geflüchteten Menschen kurzfristig zu organisieren.“ Derzeit sind rund 200 Menschen in der Halle untergebracht. Anders als von der Bezirksregierung angekündigt, müssen sie dort länger als zwei bis drei Tage ausharren. Bislang gab es noch keinen Wechsel in eine der regulären Erstaufnahmeeinrichtungen. Die Organisation macht das für einen Betreiber – ob DRK, Feuerwehr oder Stadt Siegen – nicht leichter. „Wir werden aber alles tun, um in dieser humanitären Notlage unserer Verantwortung gerecht zu werden“, so Stadtsprecherin Dr. Sabine Schutz.

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