Flüchtlinge – Burbacher sorgen sich um ihre Stadt

Hendrik Schulz
Informationsveranstaltung für die Burbacher Bürger zur Situation im Flüchtlingsheim ehemalige Siegerlandkaserne im Bürgerhaus.
Informationsveranstaltung für die Burbacher Bürger zur Situation im Flüchtlingsheim ehemalige Siegerlandkaserne im Bürgerhaus.
Foto: Hendrik Schulz
Mehrere hundert Menschen haben am Dienstagabend in Burbach im Bürgerhaus eine Versammlung zum Thema Notunterkunft in der alten Kaserne besucht. Die Gemeinde Burbach und die Bezirksregierung Arnsberg hatten hierzu eingeladen.

Burbach.  Grund: In Burbach mehren sich Sorgen und Ängste, seitdem die Unterkunft im September 2013 eröffnet hat.. Nachdem anfangs die Emotionen hoch gekocht waren, konnten manche Bedenken abgeschwächt werden. Eines blieb: Die Bürger sind nach wie vor verunsichert.

Klafft zwischen der tatsächlichen Situation und der Wahrnehmung in großen Teilen der Bevölkerung bezüglich des Flüchtlingsheims in der ehemaligen Siegerlandkaserne eine Lücke?

„Es kam für uns als Gemeinde damals überraschend“, gibt Bürgermeister Christoph Ewers zu. Zumal von einer begrenzten Laufzeit und Flüchtlingszahlen zwischen 150 und 500 Personen die Rede war. Die Flüchtlingssituation hat sich zugespitzt: Pro Woche erreichen 3000 Menschen allein das Land NRW, die irgendwo untergebracht und verwaltet werden müssen. Inzwischen sind relativ konstant 600 Menschen in der ehemaligen Siegerlandkaserne, bis zu 700 könnten es werden.

„Im Laufe dieses Jahres werden drei bis vier weitere Einrichtungen dazukommen“, schätzt Michael Hofacker von der Arnsberger Bezirksregierung, problematisch sei vor allem die Gewinnung von Personal. Gleichzeitig bleiben die Flüchtlingszahlen wohl hoch. Die Burbacher müssen sich darauf einstellen, dass Menschen in ihrer Gemeinde Zuflucht suchen. „Wir erleben Weltflüchtlingsproblematik vor unserer Haustür, nicht in der Tagessschau“, so der Bürgermeister, der bei den teils hochkochenden Emotionen immer um Ausgleich und differenzierte Betrachtung bemüht war.

Ungewohnt heißt nicht gefährlich

„Es gibt drei Reaktionen“, hat Ewers beobachtet: Hilfsbereitschaft, berechtigte Sorge und Ablehnung. „Burbach ist grundsätzlich gastfreundlich.“ Aber es gibt Probleme, das wolle man nicht verschweigen: Autoaufbrüche, Ladendiebstähle, Pöbeleien. Aber: „Das ist eine Minderheit“, betonte Ewers. Das relativiere nicht die Taten, er warnte aber davor, die drei Prozent schwarzen Schafe mit 97 Prozent friedlichen Flüchtlingen über einen Kamm zu scheren.

Manche sind freilich zu Recht sauer. Emma Hasenkamp, Inhaberin des russischen Ladens „Viktoria“ musste beim Steuerausgleich ein Minus von 2500 Euro hinnehmen. „Ich schenke den Kindern auch etwas, aber wer kommt für den Schaden auf?“ Andere Burbacher Geschäftsleute sehen das ähnlich: Irgendwann gäben die Einzelhändler, die sich keine Sicherheitsleute leisten können, auf.

Es würde sich in der Öffentlichkeit zusammengerottet, getrunken, gebettelt, Kinder angesprochen, die Asylanten bekämen zu viel Geld, trügen für sie zu teure Kleidung. Die Menschen in Burbach hätten Angst. Einige Besucher der Versammlung forderten, dass die Flüchtlinge innerhalb der alten Kasernenmauern bleiben sollen. „Illegale Einreise ist kein Grund für Freiheitsberaubung“, hielt Hofacker dagegen. Bei Bettlern handele es sich in der Regel um rumänische Banden und die Kleidung werde von den Siegerländern zum Teil selbst gespendet. Abgesehen davon, dass auch wohlhabende Menschen vor Krieg und Zerstörung fliehen. Burbach ist die erste Anlaufstation für diese Menschen.

„Für Sie ist das fremd und ungewohnt“, so Polizeikommissar Volker Intemann. „Aber das heißt nicht, dass es auch gefährlich ist.“