Firmen in Südwestfalen setzen gegen Fachkräftemangel verstärkt auf Migranten

Stefan Pohl
Die regionalen Industrie- und Handelskammern möchten den Fachkräftemangel durch das Anwerben von Migranten kompensieren.
Die regionalen Industrie- und Handelskammern möchten den Fachkräftemangel durch das Anwerben von Migranten kompensieren.
Foto: Franz Luthe
Um den drohenden Fachkräftemangel zu kompensieren, setzen die Industrie- und Handelskammern in Südwestfalen zunehmend auf die Rekrutierung von Migranten. Schon heute haben sieben Prozent aller Industrie-Beschäftigten einen Migrationshintergrund, im Gastgewerbe seien es fast 20 Prozent.

Siegen. In ihrem Kampf gegen den drohenden Fachkräftemangel setzen die regionalen Industrie- und Handelskammern zunehmend auf die Rekrutierung von Migranten. Hier lägen außer nicht erwerbstätigen Frauen die größten Potenziale für die heimischen Unternehmen, erläuterten Franz-Josef Mockenhaupt, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, und Klaus Gräbener, Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung, im Berufsbildungszentrum der Kammer. Schon heute seien sieben Prozent aller Industrie-Beschäftigten Migranten, im Gastgewerbe seien es fast 20 Prozent. Diese Gruppe erwirtschafte eine Milliarde Euro Umsatz im Jahr.

Daher will sich die IHK Siegen dem Thema Öffnung für Migranten von verschiedenen Seiten nähern. Vor dem Hintergrund der bis 2019 um ein Viertel auf rund 4000 sinkenden Schulabgängerzahlen mit einem dann prozentual größeren Migrantenanteil müssten vor allem die industriellen Metall- und Elektrobetriebe ihre Ausbildung umstellen, so Klaus Gräbener: „Sie müssen sich um Auszubildende bemühen.

16 Prozent der Auszubildenden haben ausländische Wurzeln

Die Erstausbildung wird dann bunter und vielfältiger, aber auch komplexer werden.“ Bereits heute hätten 16 Prozent der Auszubildenden und 10 Prozent der Ausbilder in den der Industrie- und Handelskammer angehörenden Unternehmen ausländische Wurzeln - da sei noch „Luft nach oben.“

Ausdrücklich setzte sich Gräbener aber dafür ein, „zunächst das verfügbare Potenzial vor Ort auszuschöpfen, ehe man den Versuch unternimmt, offene Lehrstellen im Inland durch groß angelegte Anwerbeaktionen im Ausland zu besetzen.“ Das Berufsbildungszentrum hat dem Geschäftsführer zufolge mit Hanan Tahmaz zuletzt eine aus dem Libanon stammende Werkstatt-Ausbilderin eingestellt, „um auf die spezifischen Bedürfnisse junger Auszubildender mit ausländischen Wurzeln noch besser eingehen zu können.“

Studenten zum Bleiben in der Region motivieren

Mockenhaupt warb zudem dafür, die rund 2000 an der Universität Siegen immatrikulierten Studenten mit ausländischen Wurzeln - davon 700 mit deutschem Abitur - stärker zum Verbleib in der Region zu motivieren. Dies sei „eine interessante Gruppe, der wir uns jetzt zuwenden wollen und die uns bei der Lösung des Fachkräfteproblems helfen kann“ , argumentierte der Hauptgeschäftsführer.

Wenn in der heimischen Industrie jeder zweite Euro im Ausland verdient werde, wäre es doch sinnvoll, wenn die exportorientierten Betriebe frühzeitig mit den ausländischen Studenten in Kontakt kämen. Es sei aber „nicht einfach, die Unternehmen dafür zu begeistern“. Diese hätten vielfach Angst vor Abwerbung genau dieser Mitarbeiter durch Firmen in deren Herkunftsländern, so Mockenhaupt.