Fellinghäuser Meiler wird Samstag angezündet

Geschäftige Tätigkeit im Fellinghäuser Hauberg. Samstag um 8 Uhr wird der 22. Meiler angezündet.
Geschäftige Tätigkeit im Fellinghäuser Hauberg. Samstag um 8 Uhr wird der 22. Meiler angezündet.
Foto: Michael Kunz

Fellinghausen.  Freitagvormittag im historischen Hauberg. Vogelgezwitscher erfüllt die Luft. Ein Eichhörnchen sitzt auf dem Weg, fühlt sich durch näherkommende Schritte gestört und huscht auf einen Baum, verhält auf halber Höhe, um dann hinter dem Stamm zu verschwinden. Kurz darauf ist es mit der vorherrschenden Ruhe im Fellinghäuser Hauberg allerdings vorbei. Eine Motorsäge kreischt, es wird gearbeitet.

Seit sieben Uhr sind Michael Trippler-Lorsbach und seine Kollegen dabei, Holz aufzuschichten. Kurz nach Mittag wollen sie fertig sein. Elf Raummeter Holz fügen sie sorgfältig zu einem Holzkohlemeiler zusammen. „Am Samstagmorgen um acht zünden wir an und am kommenden Donnerstag brechen wir auf und hoffen, dass alles gut gegangen ist“, sagt Michael Trippler-Lorsbach. Wobei: „Wir haben inzwischen sehr viel Erfahrung und sind sicher, dass es klappt.“

Dokumentation auf Schmalfilm

Trippler-Lorsbach ist schon 15 Jahre dabei und übernimmt derzeit die Verantwortung vom langjährigen Köhler Heinz-Hermann Katz, der künftig etwas kürzer treten wolle. 1993 wurde die neue Meilerstelle im Forstort „Schälheide“ eingerichtet, auch in früherer Zeit schon ein Ort für die Herstellung von Holzkohle. Heute Morgen wird dort der insgesamt 22. Haubergsmeiler angezündet. „Immer am Freitag nach Pfingsten“, erklärt Michael Trippler-Lorsbach, weil „dann die Wochen kürzer sind und wir an Fronleichnam fertig sind“. Während der Meiler brennt und das Holz, das natürlich komplett aus dem umliegenden Hauberg stammt, in Holzkohle verwandelt, müsse eine 24-Stunden-Wache im Wald sein, „in Acht-Stunden-Schichten“. Die nötigen Wachen seien in dieser Zeit leichter zu gewinnen. „Wir stehen alle in Lohn und Brot und müssen dafür frei nehmen“, sagt der Köhler und nickt. In den ersten Jahren sei schon am Mittwoch begonnen worden, die zunehmende Erfahrung habe die Zeit verkürzt.

„Einer denkt und acht arbeiten“, lacht einer seiner Kollegen, während sie beim zweiten Frühstück sitzen. Dann geht es aber für alle wieder los. Schließlich soll der Meiler pünktlich fertig werden. Die fertige Holzkohle werde immer im Dorf verkauft. „Ganz ohne Werbung. Wir haben genug Abnehmer“, sagt Michael Trippler-Lorsbach. Deshalb sei die Größe des Meilers auch überschaubar: „Die Nachfrage bestimmt die Absatzmenge.“

Während jetzt einer Holz klein sägt und die anderen schichten, gibt es auch noch einen Chroni­sten. Heinrich Afflerbach filmt den Vorgang, mit einer nicht mehr ganz taufrischen Kamera, in der unüberhörbar ein Schmalfilm surrt. „Super 8. Bei Fotos bin ich inzwischen digital, aber hier nie“, schüttelt der frühere Amtsleiter aus dem Kreuztaler Rathaus lächelnd den Kopf. Seine Frau sitzt mit einem Mikrofon daneben und nimmt den Ton auf Magnetband auf. Ein wenig anachronistisch, aber damit passt es natürlich zu der Arbeit der neun Männer. Und letztlich auch zu den Stimmen der Vögel und dem neugierigen Eichhörnchen.

 
 

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