Evangelische Kirche streitet sich in Siegen um Segnung Homosexueller

Bei der Kreissynode der Evangelischen Kirche in Siegen kam es zu einer heftigen Diskussion um die Segnung Homosexueller.
Bei der Kreissynode der Evangelischen Kirche in Siegen kam es zu einer heftigen Diskussion um die Segnung Homosexueller.
Foto: Thinkstock
Sollen Lesben und Schwule gesegnet werden? Um dieses Thema schwelt in der Evangelischen Kirche seit Längerem eine große Kontroverse - auch in der Kreissynode in Siegen. Dort meldeten sich Stimmen zu Wort, die sich nicht dem modernen Zeitgeist beugen möchten.

Siegerland/Olpe.. Die Evangelische Kirche ringt nach wie vor mit ihrer Haltung zu homosexuellen Paaren. Das wurde bei der Kreissynode deutlich. Eigentlich hatte die Versammlung nur den Bericht dazu von der Landessynode zur Kenntnis zu nehmen, es entspann sich aber zur Frage der Segnung von Schwulen und Lesben eine kontroverse Diskussion. „Die Debatte kocht immer wieder hoch, weil wir das Thema nicht bearbeiten“, sagt der Siegener Pfarrer Ralph van Doorn.

Superintendent Peter-Thomas Stuberg sah die Notwendigkeit, das Thema intensiv weiterzudiskutieren. Vorangegangen war der Bericht der Landessynodalen Annegret Mayr. Der theologische Ausschuss der Landeskirche hatte empfohlen, die bisherige nichtöffentliche Segnung homosexueller Paare, ein „fauler Kompromiss“ (Mayr), in die Öffentlichkeit, also den Gemeindegottesdienst zu holen und so positiv auf schwule und lesbische Gemeindeglieder zuzugehen.

Weiterhin müsse Segnung und Trauung überhaupt definiert werden, christlich-muslimische heterosexuelle Paare etwa würden auch nicht getraut. Die öffentliche Segnung ermöglicht homosexuellen Paaren immerhin hier Gleichstellung. Gleichzeitig könne kein Pfarrer dazu gezwungen werden, gegen seine theologische Überzeugung zu handeln. „Eine ehrlichere Lösung“, so Mayr, „um der Menschen willen, die seit Jahren warten, dass sie so wie sie sind in der Kirche angenommen werden.“

Die Rede ist von Skandal

Klaus Vitt, Hilchenbacher Presbyter, verwies auf sein Gelöbnis, den Gehorsam gegen Gottes Wort. In der Bibel werde als Unzucht bezeichnet, wenn „zwei Männer beieinander liegen“ und das würde mit dem Tode bestraft. So weit wolle er nicht gehen; dennoch könne man dieses Verbot nicht einfach aus der Bibel entfernen, weil es der Zeitgeist so erfordere. Gottes Segen zu einem Sachverhalt, der ihm, Gott, nicht genehm sei, könne man nicht erzwingen. Unterstützung erhielt Vitt vom Vertreter des Ev. Gemeinschaftsverbands, Dieter Karstädter: Homosexuelle Praxis lasse sich nicht mit Gottes Wort vereinbaren. Im Kirchenvolk sei diese Einschätzung weit verbreitet.

Ralph van Doorn konnte es nicht glauben: „Ihr könnt das doch nicht ernst meinen, was in der Bibel steht, wörtlich als Gottes Wort zu nehmen!“ Der Sohn, der seine Eltern beleidigt, werde doch heute auch nicht mehr gesteinigt, bloß weil es in der Bibel steht. Die Bibel falle sich oft genug selbst ins Wort und müsse interpretiert und ausgelegt werden. Ute Waffenschmidt-Leng betonte die Selbstverständlichkeit, mit der jeder Mensch als Gottes Geschöpf angenommen werden müsste. „Jeder hat sein individuelles Leben und nur ein kleiner Teil davon ist die gelebte Sexualität.“ Es sei ein Skandal, einem Menschen seine Lebensweise absprechen zu wollen.

Intensiv diskutiert wurde auch die Situation von Pflegekräften im Jung-Stilling-Krankenhaus. Stuberg hatte die vereinfachte Trägerstruktur der Diakonie durch die Zusammenlegung des Krankenhausvereins mit der Diakonie als historischen Schritt bezeichnet. Waffenschmidt-Leng verwies auf ausgebrannte Pflegekräfte, die bis zur Erschöpfung arbeiten und am System – und schlechter Führung – zugrunde gingen. Wie im Übrigen auch die Finanzen des Diakonieklinikums.

Kein imperatives Mandat für Klinik

„Die Menschen dürfen uns nicht egal sein. Das bestimmt doch unser öffentliches Bild“, so die Pfarrerin Es wurden Stimmen laut, die Gemeinden als Anteilseigner seien über Rechte und Pflichten nicht ausreichend informiert. Die Mitgliederversammlung, auf die der Superintendent als zuständiges Gremium verwiesen hatte, habe kein imperatives Mandat: Die Synode sei nicht zuständig, was eigens so beschlossen worden war. Die Sachentscheidungen wurden überwiegend durchgewinkt.

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