Erste Flüchtlinge kommen in Sporthalle der Uni unter

David Hilpert
Sonntagnachmittag kommen 140 Flüchtlinge auf dem Haardter Berg an – darunter viele Familien mit Kindern.
Sonntagnachmittag kommen 140 Flüchtlinge auf dem Haardter Berg an – darunter viele Familien mit Kindern.
Foto: WP
Unterkunft in der Dreifachturnhalle musste einen Tag früher fertig sein, als zunächst geplant, weil die ersten 140 Flüchtlinge bereits am Sonntag ankamen.

Siegen.  Plötzlich musste alles noch schneller gehen: Am Samstagnachmittag unterbrach ein Anruf der Bezirksregierung die Arbeiten an der Sporthalle der Universität Siegen. Die wird derzeit umgerüstet, soll schon am Montag eine Notunterkunft sein und bis zu 150 Flüchtlingen ein Dach bieten. Nun wollte Arnsberg wissen, ob die Turnhalle nicht schon am Sonntag bezugsfertig sei. „Wir mussten alles kurzfristig umorganisieren“, sagt Einsatzleiter Joachim Steinbrück vom DRK.

Der Grund für die nochmalige Beschleunigung des ohnehin hektischen Umbaus: der gewaltige Zustrom in den Erstaufnahmestellen in Dortmund und Bielefeld. Jüngst registrierten die Behörden wöchentlich rund 5000 Asylanträge. Gleichzeitig sind die zentralen Unterbringungseinrichtungen, die den Menschen erstmal eine dauerhafte Bleibe bieten sollen, hoffnungslos überfüllt. Der gewaltige Zustrom „sprengt das System“, so Thorsten Meyer, Dezernent für Feuer- und Katastrophenschutz bei der Bezirksregierung. Als Puffer sprießen derzeit vielerorts Notlager aus dem Boden. So auch in Siegen.

Bei aller Hektik versuchen die Planer, die Abläufe zu ordnen. Vor der Halle haben sie eine

Registrierungsstelle eingerichtet. Die Menschen erhalten provisorische Ausweispapiere. Genau deshalb konnte zu diesem Zeitpunkt allerdings auch niemand sagen, wer die Gäste eigentlich sind: „Ob gleich Familien kommen oder Einzelne – das wissen wir gerade einfach nicht.“ Auch nicht, wie viele: Von bis zu 100 Personen war die Rede, die aus Dortmund kommen sollten. Später wurde die Zahl auf rund 140 korrigiert.

Das DRK unter Einsatzleiter Steinbrück jedenfalls ist auf alles vorbereitet: Betten und sanitäre Einrichtungen wurden bereits aufgebaut, die Räume mehrsprachig ausgeschildert. Die Notfallverpflegung stand für den Sonntag ebenfalls. Am Montag übernimmt das Studierendenwerk, serviert dreimal täglich eine Mahlzeit. „Wir sind bereit“, stellt Steinbrück fest.

Aufenthaltsdauer ist ungeklärt

Natürlich wirkt das Lager trotzdem provisorisch: „Wie man sich vorstellen kann, ist hier kaum eine ruhige Nacht zu verbringen“, lässt Einsatzleiter Steinbrück den Blick über die langen Bettenreihen schweifen. Zwei bis drei Tage solle ein Gast hier verbringen – bis wieder Plätze frei würden in zentralen Unterbringungseinrichtungen. Zumindest ist das der Plan: „Wir versuchen, den Aufenthalt so kurz wie möglich zu halten“, sagt Thorsten Meyer von der Bezirksregierung. Ob das klappt? Meyer „möchte keine Prognose wagen“.

Unklar ist auch, wie lange der Notstand anhält. Mit der Bezirksregierung hat die Uni vereinbart, dass die Sporthalle rechtzeitig zum Semesterstart Mitte Oktober frei wird. Ob diese Vereinbarung eingehalten werden kann, hängt von vielen Variablen ab. Meyer: „Im Moment ist das wie Glaskugellesen.“

Was noch?
- Am Dienstag gibt es eine Infoveranstaltung für Beschäftigte und Studenten. Anwohner wurden bereits am Freitag informiert.
- Die Hilfsbereitschaft ist groß: Mehr als 50 Studenten und Mitarbeiter haben bereits angekündigt, helfen zu wollen.

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