Erinnerungen an ein Kulturhaus für alle

Eine bewegte Zeit hat hat die frühere Vereinsvorsitzende Rita Beims ihr Buch zur Geschichte des Alten Feuerwehrhauses, des soziakulturellen Kulturzentrums in Kreuztal, genannt. Foto: Alex Völkel
Eine bewegte Zeit hat hat die frühere Vereinsvorsitzende Rita Beims ihr Buch zur Geschichte des Alten Feuerwehrhauses, des soziakulturellen Kulturzentrums in Kreuztal, genannt. Foto: Alex Völkel
Foto: Alexander Völkel

Kreuztal.. „Am Anfang war es immer ein Stich, wenn ich das lese“ sagt Rita Beims mit einem Blick auf unsere Zeitung. Immer dann, wenn über das Alte Feuerwehrhaus in Netphen geschrieben wird. Denn das Alte Feuerwehrhaus war ihr Leben. Nicht das in Netphen, sondern in Kreuztal.

Die heute 73Jährige hat viel Herzblut in das soziokulturelle Zentrum gesteckt. 1982 wurde der Verein gegründet, der das Haus mit viel Eigenleistung zu einem Kulturzentrum umgebaut. 1984 war Eröffnung. Und Rita Beims hat viele Jahre als Vorsitzende die Geschicke des Hauses geleitet. Im Jahr 2000 war Schluss – die Stadt verkaufte das „Haus für Freizeit und Kultur“ und der Verein löste sich auf. An diese bewegten 18 Jahre erinnert Rita Beims jetzt in einem unterhaltsamen Buch.

Es ist keine Chronik, sondern viel mehr ein liebevoller Blick auf die Anfänge der Soziokultur und die Basisdemokratie. „Anfang der 80er Jahre gab es ja nicht viel mehr als Chöre und das Blasorchester in Kreuztal“, erinnert Rita Beims. Lediglich die Folknight und vom Kulturkreis organisierte Fahrten.

Von Stadthalle, Apollo oder Lyz war damals keine Rede. Daher suchten die Idealisten einen Raum, in dem sie Kultur machen konnten.

Es war die Zeit, als Alternative, Linke, Grüne und auch andere leere Fabrikgebäude und stillgelegte Bahnhöfe besetzten. „Aber wir waren älter“, sagt Rita Beims. „Dem Alter der Hausbesetzer waren die meisten unserer Vereinsgründer entwachsen.“ Sie gingen den geordneten Weg. Dabei konnten sich viele nicht vorstellen, dass Leute ihre Kraft, Freizeit und ganz viel Geld in eine Aktion stecken, die für alle Bürger von Nutzen sein sollte. Und das sehr erfolgreich. Das Alte Feuerwehrhaus bot Raum für Ausstellungen. Lesungen und Konzerte. Es gab Seminare, Kurse, einen Filmclub und eine Leihbücherei.

Gute Erinnerungen
an viele Idealisten

Vor allem die großen Projekte ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch: So wie das Vorhaben, nach 1989 Künstler und Literaten der DDR einzuladen. „Wir konnten sie telefonisch nicht erreichen. Daher haben wir Telegramme geschickt mit der Uhrzeit, wann sie bei uns anrufen sollen. Das hat gut geklappt.“

Ob sich das Haus auch nach dem Jahr 2000 hätten behaupten können, nachdem auch die Villen in Dreslers Park eröffnet waren, vermag Beims nicht zu beurteilen. Eine Chance hätte das Haus verdient. Doch das Manko war das fehlende hauptamtliche Personal. Andere Zentren wie der Bahnhof Langendreer oder das Cuba in Münster hätten sich professionalisiert. „Vielleicht war Kreuztal dafür zu klein.“ Bei aller Trauer: Das Positive im Buch überwiegt. Die Erinnerungen an Mitstreiter und Mitarbeiter, an Künstler und Idealisten. Und daran, ganz viel bei der Arbeit gelernt zu haben. „Ich habe dort Sachen gemacht, wo ich nicht dachte, dass ist das kann“, gesteht Beims. Das ist Soziokultur. Kultur zum Selbermachen.

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