Erinnerung an Walter Krämer

Ina Carolin Lisiewicz
Klaus Dietermann erinnert an Walter Krämer.
Klaus Dietermann erinnert an Walter Krämer.
Foto: Ina Carolin Lisiewicz
  • Walter Krämer war der „Arzt von Buchenwald“
  • Vor 75 Jahren wurde er von den Nazis ermordet
  • Lange Zeit ein „unerwünschtes Opfer“

Weidenau.  Walter Krämer rettete zahlreiche Menschenleben im KZ Buchenwald: Der gebürtige Siegener und gelernte Schlosser eignete sich medizinische Fähigkeiten im Selbststudium an und half damit russischen, polnischen und jüdischen Häftlingen. Auch einen an Syphilis erkrankten SS-Aufseher behandelte er. Vermutlich war dieses Wissen zu gefährlich, um ihn am Leben zu lassen. Walter Krämer wurde „auf der Flucht erschossen“. Seine Ermordung jährte sich am Sonntag zum 75. Mal. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Siegerland-Wittgenstein (VVN-BdA) und das Aktive Museum Südwestfalen baten zum Gedenken auf den Walter-Krämer-Platz vor dem Kreisklinikum.

Ein Beispiel für Menschlichkeit

„Walter Krämers Biografie ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass Menschlichkeit, Humanität und Menschenwürde auch unter den widrigsten und demütigendsten Umständen sich entfalten und blühen können“, sagte Klaus Dietermann vom Aktiven Museum Südwestfalen. Die Zeit im KZ Buchenwald sei für den Siegener sowohl „Tief- und Endpunkt “ als auch die „Fülle und Mitte seines Lebens“ gewesen, indem er zum „Arzt von Buchenwald“ wurde. Klaus Dietermann zitierte in seiner Rede auch Krämer selbst, der in einem Brief an seine Frau schrieb: „Nur wer sich selbst aufgibt und innerlich unehrlich wird und so seine Selbstachtung verliert läuft Gefahr, an allem zu verzweifeln, widerstandslos dahinzuschlittern.“ Worte, die einen Eindruck von Walter Krämers Willensstärke geben.

Zusammen mit weiteren Genossen machte Krämer den Krankenbau des KZ Buchenwalds zu einem Ort des Widerstands. Bevor er ins KZ kam, engagierte sich Walter Krämer lange bei der KPD, wurde sogar deren Abgeordneter im Preußischen Landtag bis zum Reichstagsbrand. Da er keine Spitzeldienste für die Gestapo übernehmen wollte, kam er erst ins KZ Lichtenburg und dann nach Buchenwald. „Obwohl er Kommunist war, handelte er nicht aus Parteiinteresse oder Gruppenegoismus, sondern seine politische Überzeugung war die Voraussetzung für seine unerschöpfliche Menschlichkeit“, sagte Klaus Dietermann.

Walter Krämer gehöre zu den „unerwünschten Opfern“ des Nationalsozialismus, die lieber vergessen und verschwiegen würden, sagt Klaus Dietermann, Leiter des Aktiven Museums, in seiner Ansprache. Lange Zeit habe es gebraucht, ihn in seiner Geburtsstadt Siegen zu ehren.

Erst im Dezember 2014 kam es zu dem fünfteiligen Denkmalensemble vor dem Kreisklinikum, das der Künstler Erwin Wortelkamp gestaltete. „Es werden noch viele Jahre vergehen, bis sich dieser neue Ort der Erinnerung der Siegerländer Bevölkerung eingeprägt haben wird.“

Elena Steinseifer vom VVN-BdA Siegerland-Wittgenstein würdigte Walter Krämers Titel „Gerechter unter den Völkern“, den ihm der Staat Israel posthum verlieh. „Wir brauchen wieder mehr Gerechte unter den Völkern“, sagte sie. Es müsse weiter gegen Antisemitismus und Rassismus vorgegangen werden. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Miriam Osvath an der Querflöte.