Einigung mit Jobcenter Siegen - Mutter darf Ausbildung beenden

Rechtsanwalt Daniel Nierenz und seine Auszubildende Carina Grigoleit
Rechtsanwalt Daniel Nierenz und seine Auszubildende Carina Grigoleit
Foto: WP
Die Unstimmigkeiten zwischen dem Jobcenter Siegen und der Dreis-Tiefenbacher Kanzlei Nierenz und Batz sind behoben. Die Auszubildende und alleinerziehende Mutter Carina Grigoleit (27) erhält eine staatliche Aufstockung ihrer Ausbildungsvergütung. Ihr sollte erst ein staatlicher Zuschuss zu ihrem Ausbildungsgehalt verwehrt werden.

Siegen/Dreis-Tiefenbach.. „Frau Grigoleit hat Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe“, so Dr. Bettina Wolf. Die Leiterin der Agentur für Arbeit Siegen hatte den Fall zur Chefsache gemacht. Im Gespräch mit dieser Zeitung hatte sie bereits Ende vergangener Woche angedeutet, eine Lösung finden zu wollen.

Der Fall war durch einen Eintrag auf der kanzleieigenen Internetseite publik geworden und fand sich im Internet auf u.a. Facebook und in Hartz-IV-Foren wieder. Das Jobcenter wurde hart kritisiert: Die Behörde forciere, dass eine alleinerziehenden Mutter ihre Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachgehilfin abbrechen müsse, weil staatliche Hilfe verwehrt werde. Anlass für die Kritik war ein Schreiben des Jobcenters, in dem es wörtlich heißt: „Drohende Konsequenz des Leistungsausschlusses von Frau Grigoleit ist es zwar unter Umständen, dass sie die vor kurzem begonnene Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachgehilfin abbrechen muss. Genau dieses Ergebnis ist vom Gesetzgeber aber beabsichtigt und bewusst gewollt.“ Eine unglückliche Formulierung, gibt Dr. Bettina Wolf zu. Das Schreiben sei vom Jobcenter rein juristisch formuliert worden und sei eine Antwort auf „mit dem Jobcenter auf juristischer Basis geführten Gesprächen seitens der Kanzlei“ gewesen.

Alleinerziehende Mütter in den Beruf bringen

Der Kontakt zwischen Carina Grigoleit und der Fallmanagerin beim Jobcenter sei in den vergangenen Jahren stets gut gewesen. Die Leiterin der Arbeitsagentur bestätigte auch, dass gemeinsam eine Weiterbildung der gelernten Kinderpflegerin zur Erzieherin verworfen worden sei. Statt dessen habe das Jobcenter eine kaufmännische Fortbildung bezahlt, als die Aussicht auf den Ausbildungsplatz in der Kanzlei bestanden habe. „Es wäre jetzt natürlich nicht zielführend, wenn Frau Grigoleit die Ausbildung abbrechen müsste.“ Sie habe stets zu den Kunden gehört, die viel Engagement gezeigt hätten.

Die 27-Jährige erhält jetzt zwar keine so genannte Aufstockung zum Lebensunterhalt, sondern eine Berufsausbildungsbeihilfe – ein staatlicher Zuschuss aus einem anderen Topf. Die Themen Frauen im Beruf und Chancen am Arbeitsmarkt für alleinerziehende Mütter seien Kernanliegen der Agentur für Arbeit, so Dr. Bettina Wolf. „Daher bin ich sehr froh, dass Frau Grigoleit nicht mehr zu unseren Kunden zählt und hoffe, dass das auch so bleibt. Sie hat sich für einen Beruf mit guter Zukunftsperspektive entschieden.

 
 

EURE FAVORITEN