Ein Netzwerk für die Flüchtlinge in Dreis-Tiefenbach

Isolde Gomberg ist eine von fünf ehrenamtlichen Deutschlehrerinnen in Dreis-Tiefenbach.
Isolde Gomberg ist eine von fünf ehrenamtlichen Deutschlehrerinnen in Dreis-Tiefenbach.
Foto: WP
Isolde Gomberg wünscht sich eine „Initialzündung“ am 1. März. An jenem Sonntagnachmittag veranstaltet der DRK-Ortsverein in der Dreisbachhalle einen Tag der Begegnung, der Flüchtlinge, Einheimische und eingebürgerte Migranten zusammenbringen soll.

Netphen.. Viele, die in der Notunterkunft am Ortsrand leben, hätten überhaupt keinen Kontakt zu den deutschen Mitbürgern. Dabei wären sie für jede Unterstützung dankbar — bei der Suche nach einem Arzt, bei der Kontaktaufnahme mit Schule oder Kita oder einer Behörde. „Wenn ein Deutscher mitgeht, bekommt der Flüchtling eine ganz andere Hilfestellung“, hat Isolde Gomberg erlebt, „wenn uns jemand anspricht und wir helfen können — dann machen wir das.“

„Wir“: Das sind in Dreis-Tiefenbach zum Beispiel fünf Frauen, die ehrenamtlich im DRK-Zentrum Sprachunterricht erteilen, montags bis freitags in Anfänger-, Mittelstufen- und Fortgeschrittenen-Gruppen. Für diese Vormittage ist den Teilnehmern kein Weg zu weit und keine Busfahrt zu lang, nicht den beiden Afghanen aus Freudenberg und nicht dem Zahnarzt aus Syrien. „Zu Hause hatte er eine eigene Praxis, hier darf er nicht arbeiten“, sagt Isolde Gomberg, die als Rentnerin einen Bundesfreiwilligendienst absolviert — im einzigen DRK-Ortsverein in Westfalen-Lippe übrigens, der auch einen Asylsuchenden in den Freiwilligendienst übernehmen durfte.

Willkommenskultur im Kleinen

Eine Familie ist gestern eingetroffen, eine weitere kommt nächste Woche. Heike Büdenbender, Leiterin des Bereichs Soziales und Schulen in der Stadtverwaltung, überlegt mit ihren Leuten: Wo hat die Stadt noch Wohnraum, welche Schule, welche Kita kommt in Frage? Das soll geregelt sein, bevor die Flüchtlinge im Rathaus eintreffen, der Parcours zu Sozial- und Bürgeramt durchlaufen wird und der Hausmeister sie schließlich zur Bank und zur Unterkunft begleitet,

„Wir versuchen, eine kleine Art Willkommenskultur einzurichten“, sagt Heike Büdenbender. Neben dem Hausmeister ist die Flüchtlingsberaterin für die Neuankömmlinge da, demnächst auch eine sozialpädagogische Fachkraft. „Wir merken, dass wir diese Arbeit gar nicht mehr leisten können“, sagt Heike Büdenbender. „Da müssen Ehrenamtliche her“, bestätigt Isolde Gomberg.

Zusammenbringen möchte sie das Netzwerk „Hilfe für asylbegehrende Ausländer“, das Bürgermeister Paul Wagener initiiert hat und das sich — offen für weitere Mitstreiter — am Mittwoch, 4. März, 17 Uhr im Ratssaal das nächste Mal trifft.

Möglichkeiten zum Aktivwerden sieht Heike Büdenbender reichlich: vom einmaligen Besuch bis zur langfristigen Begleitung der Flüchtlingsfamilien. „Wir versuchen auch, einen kleinen Übersetzerpool einzurichten.“ Die Ansprüche sind nicht groß, oft geht es nur um einfachste Dinge des täglichen Lebens.

Im Dreis-Tiefenbacher DRK-Zentrum, dem Altbau der früheren Hauptschule, ist in den letzten zwei Jahren eine richtige kleine Schule entstanden – sogar mit Ausflügen: Die Fahrt zum Kölner Dom hat die katholische Kirchengemeinde spendiert. Mancher, der hier Deutsch lernt, ist schon seit vier Jahren hier.

„Die Asylverfahren dauern leider viel zu lang“, bedauert Isolde Gomberg. Neulich hat sich ein Schüler aus der Fortgeschrittenen-Gruppe verabschiedet. Sein Asylantrag ist anerkannt worden, und damit steht ihm die Teilnahme an einem regulären Integrationskurs offen, nach Gesetz und Verordnung, mit Lehrplan und Test. Dann geht’s erst richtig los.

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