Ein deutscher Feiertag mit viel Gänsehaut

Feierstunde der Stadt Siegen zum 3.Oktober: Schüler des Gymnasiums Auf der Morgenröthe präsentierten die Erebnisse ihrer Arbeiten rund um die Deutsche Einheit.
Feierstunde der Stadt Siegen zum 3.Oktober: Schüler des Gymnasiums Auf der Morgenröthe präsentierten die Erebnisse ihrer Arbeiten rund um die Deutsche Einheit.
Foto: Jens Plaum

Siegen. Ungewöhnliches Programm an einem außergewöhnlichen Ort: Die offizielle Feierstunde der Stadt zum Tag der Deutschen Einheit begingen Bürgermeister und Vertreter von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Kultur nicht im Rathaus. Steffen Mues hatte ins Lyz eingeladen.

Auf dem Programm stand unter anderem Florian Henckel von Donnersmarcks Film „Das Leben der Anderen“. Der Oscar prämierte Streifen zeigt die hinterhältigen Methoden und erschütternden Folgen des DDR-Überwachungsstaats. Eines Systems, dessen Überwindung Steffen Mues noch immer Gänsehaut bereite, wie er zuvor sagte.

Das ganze Land
im Freudentaumel

„Der 3. Oktober markiert einen Wendepunkt in der Geschichte Deutschlands, aber auch einen in der Geschichte Europas und der Welt“, betonte der Bürgermeister. Der Tag stehe für das Ende des Kalten Krieges, den Beginn der Souveränität der Bundesrepublik und eine neue Orientierung der Europapolitik Richtung Osten. Große Themen, die gewiss viel Stoff für jede Menge Vorträge böten. Was jedoch nicht vergessen werden dürfe – Stichwort Gänsehaut – seien Gefühle.

Ganz Deutschland sei Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre im Freudentaumel gewesen. Allerdings, so der Bürgermeister weiter, sei das vor 22 Jahren gewesen. „Inzwischen ist eine Generation erwachsen geworden, die nichts anderes kennt als das wiedervereinte Deutschland.“ Und die keine Vorstellung davon habe, wie es war, an der Nahtstelle zweier „bis an die Zähne bewaffneter Machtblöcke“ zu leben.

Auseinandersetzung mit Historie

Filme und Fotos könnten deshalb einen Eindruck von der Emotionalität des Ereignisses liefern; sie aber niemals beliebig reproduzieren. Umso wichtiger sei sowohl Rationales wie auch Emotionales, wenn es gelte junge Menschen mit dem nationalen Feiertag anzusprechen.

Was Jugendliche mit dem Tag der Deutschen Einheit verbinden können, zeigten die Arbeiten von Schülern des Gymnasiums Auf der Morgenröthe. Der Leistungskurs Geschichte der Jahrgangsstufe 12 war in Berlin. Die Schüler haben sich mit der deutsch-deutschen Historie auseinandergesetzt und die Ergebnisse am gestrigen Montag im Lyz-Foyer präsentiert.

Jugendfahrt nach
Plauen angeregt

Steffen Mues regte aber auch eine Fahrt von Jugendlichen nach Siegens Partnerstadt Plauen an. „Bei einer solchen Begegnung, die meines Wissens nach noch nie stattgefunden hat, müsste es keineswegs dabei bleiben, die gemeinsame Geschichte aufzuarbeiten“, betonte er.

Die Lage Plauens an der tschechischen Grenze und Verbindungen der beiden Städte nach Polen legten nahe, „junge Leute aus den Nachbarländern in den Diskurs mit einzubeziehen“.

 
 

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