Ein Bett geht in Flammen auf

27 Menschen bewohnten zur Zeit des Feuers das Hilchenbacher Mehrfamilienhaus. Der 24-jährige Angeklagte bestreitet, den Brand gelegt zu haben: Er sei gar nicht am Tatort gewesen.
27 Menschen bewohnten zur Zeit des Feuers das Hilchenbacher Mehrfamilienhaus. Der 24-jährige Angeklagte bestreitet, den Brand gelegt zu haben: Er sei gar nicht am Tatort gewesen.
Foto: WP
Hat Burak Y. (24) am 22. Juli 2014 nach einem Streit mit seiner Freundin ein Feuer in der Wohnung gelegt, die diese mit ihrer Mutter bewohnte?

Siegen/Hilchenbach.. Am ersten Verhandlungstag vor der 1. Großen Strafkammer hatte der Angeklagte bestritten, im Zimmer der jungen Frau gezündelt und damit das Leben von 27 Bewohnern des Mehrfamilienhauses in Hilchenbach gefährdet zu haben. Gestern wurden zwei Nachbarinnen vernommen, die kurz vor Mittag durch die Mutter der 24-Jährigen alarmiert wurden. „Schnell raus. Wohnung brennt. Fremder Mann in der Wohnung“, habe die Frau gerufen, geklingelt und an die Türen getrommelt. „Man kann doch nur ohne Verstand sein. Ehrlich!“, empörte sich eine 67-jährige Rentnerin, die von ihrem Sohn ein feuchtes Tuch vor den Mund bekam, „wegen meinem Asthma“, und trotz Laufbeschwerden heil aus dem Haus kam. Gerade erst hätte sie die Wohnung renoviert und neue Möbel gekauft – jetzt das Feuer und dann noch ein Wasserschaden, „weil der Feuerwehrschlauch direkt vor unserer Wohnungstür geplatzt ist“. Eine 24-jährige Frau berichtete von ihrer Flucht durchs Treppenhaus mit ihren beiden kleinen Kindern. Beiden war Burak Y. weder am Tattag noch vorher im Haus aufgefallen. „Ich kenne ihn gar nicht“, betonte die Jüngere.

Der Angeklagte hatte erklärt, nach einem Streit mit seiner Verlobten im Park der Hilchenbacher Reha-Klinik davongerannt und zu Fuß nach Siegen gelaufen zu sein. Er sei nicht noch einmal in die Wohnung zurückgekehrt. Die Mutter der angeblichen Verlobten – die junge Frau bestreitet dieses Verhältnis – sagte gestern aus, Burak Y. auf dem Weg nach Hause begegnet zu sein. Sie hatte allerdings große Probleme damit, ihn auch nur als Bekannten ihrer Tochter zu identifizieren und wurde aus dem Zeugenstand entlassen, ohne wirklich Licht in die verworrene Angelegenheit zu bringen.

Starke Rauchentwicklung

Klar ist hingegen nach dem Gutachten des Brandsachverständigen Matthias Diehl die Quelle des Feuers. Am Bett im Jugendzimmer der mutmaßlichen „Ex“ waren am Kopf- und am Fußende eindeutige Hinweise auf Brandherde gefunden worden. Bettzeug sei sehr schnell brennbar und leicht mit einem Feuerzeug oder Streichholz zu entzünden. Brandbeschleuniger brauche es nicht, trug der Sachverständige vor. Nach seiner Erfahrung dauere es gut fünf Minuten, „bis das ganze Bett in Flammen steht“. Nach zehn Minuten werde die Rauchentwicklung so stark, dass sie nach außen dringe. Dazu habe die Schaumstoffmatratze beigetragen, die für eine starke Rauchgasentwicklung sorge. Das Feuer sei dann durch das platzende Fenster auf die Dachetage übergesprungen.

Verteidiger Björn Lange wies auf einen dritten Brandherd am Schreibtisch hin. Der könne durchaus entstanden sein, „als das Kopfteil des Stuhles runterfiel“, blieb Diehl bei seiner Auffassung, dass der Brand am Bett gelegt wurde.

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