Diesterwegring für Pinkwart

Im Audimax der Universität Siegen wurde  der Diesterweg-Ring an Dr. Andreas Pinkwart (li.) verliehen. Die Laudatio hielt Dr. Michael Otto (Mi.) Rechts im Bild ist Uni-Kanzler Ulf Richter zu sehen.
Im Audimax der Universität Siegen wurde der Diesterweg-Ring an Dr. Andreas Pinkwart (li.) verliehen. Die Laudatio hielt Dr. Michael Otto (Mi.) Rechts im Bild ist Uni-Kanzler Ulf Richter zu sehen.
Foto: MATTHIAS GRABEN
Auf dem Jahresempfang der Uni Siegen ist am Donnerstag Abend Ex-Minister Pinkwart mit dem Diesterwegring, der höchste Auszeichnung der Universität, geehrt worden. Der AStA-Vorsitzende Florian Rubens erhielt auf der Veranstaltung Redezeit und kritisierte prompt die Ehrung scharf.

Siegen..  Es ist ruhiger geworden an der Uni Siegen. Jedenfalls im Vergleich zum letzten Jahr als protestierende Studenten den Jahresempfang okkupierten. Am Donnerstag dagegen lief die Feier-Veranstaltung ordnungsgemäß ab, wenn auch nicht komplett harmonisch. Das lag an der Person des Ehrengastes, der die höchste Auszeichnung der Universität, den Diesterwegring erhielt: Andreas Pinkwart.

Studiengebühren

Denn der heutige Rektor der Leipzig School of Management war nicht nur von 1998 bis 2005 Professor in Siegen, wo er in der Betriebswirtschaft den Lehr- und Forschungszweig Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) aufbaute, er übernahm im Anschluss, von 2005 bis 2010, als FDP-Politiker, das Wissenschafts- und Innovationsministerium in NRW. In dieser Funktion brachte er das Hochschulfreiheitsgesetz auf den Weg und führte die Studiengebühren ein.

Und das verursachte den AStA-Vorsitzenden Florian Rubens, dem Rektor Holger Burckhart die Möglichkeit zu einem kurzen Redebeitrag eingeräumt hatte, dazu, sich im Namen der Studierenden von der Ehrung zu distanzieren: „Für studentische Belange hat sich Pinkwart nicht verdient gemacht. Er hat mit den Studiengebühren die soziale Selektion eingeführt, demokratische Strukturen an den Hochschulen abgebaut und sie abhängig von Drittmitteln gemacht. Freiheit sieht anders aus. Bildung darf nicht durch wirtschaftliche Interessen geleitet werden.“

Der Laudator des Abends, der Unternehmer Michael Otto, sah dies naturgemäß völlig anders: „Das Hochschulfreiheitsgesetz war eine Pioniertat, das sich bewährt hat und als Maßstab in ganz Deutschland gilt.“ Mit großen Geschick habe Pinkwart seine Erfahrungen aus der Wissenschaft in die Politik eingebracht, er habe an der Universität den anwendungsbezogenen Wissenstransfer zu den KMU organisiert, Fachleute aus den Unternehmen als Referenten gewonnen und intensive Gründerförderung betrieben. „Sie haben immer für die Praxisnähe der Wissenschaft gekämpft, für die Selbstständigkeit der Hochschulen und für die Zusammenarbeit mit den Unternehmen.“

Appell an die Politik

Auch Rektor Burckhart pries das Hochschulfreiheitsgesetz, durch das die Universität 2007 die Freiheit zur Gestaltung ihrer selbst gewonnen habe. Er appellierte an die Politik, den Hochschulen diese Freiheit nicht wieder zu nehmen.

Pinkwart selbst zeigte sich berührt von der Auszeichnung an seiner alten Wirkungsstätte und sparte seinerseits nicht mit Lob: „Ich gratuliere der Universität Siegen, dass sie ihre Freiheit und Chancen in den vergangenen Jahren so hervorragend genutzt hat. Für mich ist immer wichtig, dass Freiheit zusammengedacht wird mit Verantwortung. Das haben Sie getan.“

An die Studenten gewandt betonte der Ex-Politiker, die Studienbeträge seien sozialverträglich ausgestaltet gewesen und die Universität profitiere heute noch davon. Wissenschaft könne nicht im Dienst der Wirtschaft stehen. Aber ohne eine starke Wirtschaft, sei auch die Wissenschaft gefährdet. Deshalb dankte Pinkwart den starken Unternehmen der Region.

 
 

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