Die Rothaarbahn kommt zu häufig zu spät oder fällt aus

Bahnhof Hilchenbach mit Rothaarbahn
Bahnhof Hilchenbach mit Rothaarbahn
Foto: WP
Neue Zahlen zeigen, dass jede fünfte Rothaarbahn drei Minuten und mehr Verspätung hatte. 0,75 Prozent der Bahnen kamen erst gar nicht.

Kreuztal/Hilchenbach..  Vor fast einem Jahr sind die roten Triebwagen der Rothaarbahn von den Gleisen verschwunden. Seitdem sind dort die Züge der Hessenbahn unterwegs, die meist in gelb und rot daher kommen — und oft zu spät. Zum ersten Mal seit der Betriebsaufnahme hat das Verkehrsunternehmen Zahlen vorgelegt. Die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Personennahverkehr (ZWS) hat entsprechend erbost reagiert. „Sehr erzürnt“ seien die Vertreter der Kreistage, berichtet Geschäftsführer Günter Padt, „da muss noch viel nachgesteuert werden.“

Mit Tempo 20 an Lützel vorbei

79,9 Prozent der Züge kamen pünktlich an — was im Umkehrschluss heißt, dass jede fünfte Bahn drei Minuten und mehr Verspätung hatte. Damit kommt die Rothaarbahn ganz nahe an die Werte des berüchtigten rsx, des Rhein-Sieg-Expresses, der NRW-weit zu den Verspätungs-Rekordhaltern gehört. 79,4 Prozent betrug dessen Pünktlichkeitsquote, viel schlechter als die Rothaarbahn war der zwischen Aachen und Siegen pendelnde Regionalexpress dann auch nicht mehr.

Überdurchschnittlich viele Bahnen sind auch überhaupt nicht gefahren. 0,75 Prozent betrug die Ausfallquote auf der Rothaarbahn — das ist viel gemessen an den 0,04 Prozent des Main-Sieg-Expresses nach Gießen, den die Hessenbahn schon länger betreibt, oder die 0,29 Prozent der Ruhr-Sieg-Bahn von Abellio, die Hagen und Siegen verbindet. Ursachen für das Desaster gibt es mehrere: Da sind die Langsamfahrstellen, für die das Bahnunternehmen nichts kann. Zum einem am Bahnübergang in Wingeshausen: „Da muss der Zug jedesmal anhalten.“ Zum anderen zwischen Lützel und Vormwald, wo der Landesbetrieb Straßenbau die abrutschende B 62 befestigen ließ — auf den am Fuß der Böschung verlaufenden Gleisen galt monatelang Tempo 20.

Eher hausgemacht ist das andere Problem: Die Lokführer und die Züge passten nicht zu einander — nicht jeder Mitarbeiter hat die erforderliche Lizenz für jeden Zugtyp. Gerade im vorigen Jahr waren Triebwagenzüge unterwegs, die die Hessenbahn von anderen Gesellschaften anmieten musste, weil sie ein gutes halbes Jahr früher als geplant die Dreiländerbahn übernommen hat. Da musste ein Zug auch schon einmal ganz stehen bleiben.

IC-Anschluss in Kreuztal

Gelegentlich vollzogen die Fahrgäste auch nach, wie der Mann vorne im Cockpit sich an seine neue Bahn gewöhnte. „Manche Fahrer sind sehr vorsichtig gefahren“, berichtet ZWS-Geschäftsführer Padt. Der Fahrplan nahm darauf allerdings keine Rücksicht.

Anschluss bekommen sollen die Fahrgäste ab 2019 an den Fernverkehr: In Siegen — und nicht, wie der einstige Interregio, in Weidenau — soll der IC auf seinem Weg von Frankfurt nach Dortmund oder Münster halten und wenden, auch wenn das länger dauert: „Ich bin für den Nahverkehr zuständig“, betont Günter Padt. „Es darf nicht passieren, dass die Nahverkehrskunden auf der Strecke bleiben.“ Deshalb soll der Intercity auch öfter halten, als es Kundenverbände wie zum Beispiel Pro Bahn empfehlen: Kreuztal ist als IC-Halt mit eingeplant. Der Einsatz von „Sprintern“ ist nicht ausgeschlossen — auch an Gießen fährt der Regionalexpress zwei Mal am Tag vorbei.

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